High Noon im Haus der Industrie

Die vielen kritischen Aktionärskommentare bei der 38. o. HV der RHI AG gipfelten in einem „Skandal“-Vorwurf und einer OGH-Androhung wegen Verstoßes gegen das Aktiengesetz.

Wie zu erwarten stand bei der o. HV des Feuerfestkonzerns RHI im Haus der Industrie auch in der Vorstandspräsentation die Strategie und der geplante Zusammenschluss mit der brasilianischen Magnesita im Mittelpunkt. Als Vorteile des Zusammenschlusses für die RHI betonte das Podium ein verbessertes Wachstumsprofil, die verbesserte globale Präsenz, das umfassendere Leistungsangebot sowie den Erhalt der Rohstoffintegration. Im Ausblick auf das Gesamtjahr 2017 erwartet das RHI-Management ein Wachstum der Stahlproduktion außerhalb Chinas von ambitionierten 6 % und basierend darauf ein positiveres Marktumfeld als 2016. Der Fokus des Konzerns werde auch im laufenden Geschäftsjahr auf der Free-Cashflow-Generierung zur weiteren Reduktion der Nettoverschuldung liegen. Aktuell arbeite RHI an der Erfüllung der aufschiebenden Bedingungen zum erfolgreichen Abschluss des geplanten Zusammenschlusses mit Magnesita und bereite die Integration beider Unternehmen vor. Ex-Interims-CEO Wolfgang Ruttenstorfer fasste die weiteren Tagesordnungspunkte und den Ergebnisverwendungsvorschlag zusammen, sodass danach der Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Cordt die Generaldebatte zu allen Tagesordnungspunkten eröffnete. Nach einer Trauerminute für den früheren RHI-Generaldirektor Günter Mörtel ging es in den Wortmeldungen gleich deftig in die Vollen. Denn der bekannt kritische Aktionär Rupert Heinrich Staller schoss sich verbal sowohl auf AR-Chef Cordt als auch auf CEO Stefan Borgas und CFO Barbara Potisk-Eibensteiner ein. Die Palette seiner wie gewohnt geschliffen vorgetragenen Kritikpunkte war bunt und breit: Warum es keine Gästekarten für Journalisten gab, dass der Einberufungstext zur HV unklar war, ob die internen Untersuchungen zu Borgas bei seinem letzten Arbeitgeber schon abgeschlossen seien, dass Cordts strategische Ziele der letzten Jahre alle überzogen waren und unerreicht blieben, dass der Zusammenschluss mit Magnesita nicht nur kompliziert konstruiert sei, sondern man auch deren Schulden übernehme „mit Geld, das wir nicht haben“, dass man längst mehr investieren müsste, dass die AR-Wiederwahl keine echte Wahl lasse, weil es wieder keinen Frauenvorschlag für die Diversität des Gremiums gebe und man damit gegen das AktG verstoße, dass der gesamte Vorstand im Vorjahr bei Großaktionär Martin Schlaff (dessen Rolle Staller separat kritisierte) antreten musste, dass der geplante Börseplatz London nicht das Gelbe vom Ei sei, dass das Schwieriges-Delisting-von-der-Wiener-Börse-Argument angesichts des neuen Börsegesetzes unhaltbar sei etc.

Auch andere Aktionäre kritisierten unter anderem den – teuren – Magnesita-Deal und die künftige Holding in Holland, die Aufsichtsräte Hubert Gorbach und Alfred Gusenbauer, den künftigen Börseplatz London (wo man „praktisch nicht vorhanden“ sein werde) und warum man nicht an Frankfurt, China oder Zürich gedacht habe?

Überraschung
CEO Borgas sah „keinen In-vestitionsrückstau“, in China müsse man einen „neuen Fokus setzen“, und trotz Brexit würden Experten für den Aktienmarkt London keine große Gefahr sehen. Der Magnesita-Deal würde zwei große Vorteile bringen: Versorgungssicherheit und langfristige F&E-Kooperationen. Potisk betonte, dass auch künftig die Steuern in Österreich als der „active place of management“ gezahlt werden, dass man im wichtigen Londoner Footsie-250-Index Investoren ansprechen werde, die sich „bisher nicht für uns interessiert haben“. Stallers mehrmals urgierte Frage, wann genau der gesamte Vorstand 2016 bei Schlaff war, blieb unbeantwortet. Cordt begründete die Nichtnominierung einer Frau in den AR mit der nur mehr kurzen Präsenz an der Wiener Börse und dass es keine qualifizierte Frau gegeben hätte, die das angenommen hätte. So sei die Entscheidung „kein Ignorieren des AktG, sondern sinnvolle Interpretation“.

Weiters überraschte Cordt mit der Information, dass es seit Oktober 2015 einen – unentgeltlichen – Beratervertrag mit Schlaff gibt. „Dass wir davon erst heute erfahren, ist skandalös“, wurde Staller daraufhin heftig.

Bei den Abstimmungen über die Wiederwahl der Aufsichtsräte gab es – wie aus den Aktionärswortmeldungen absehbar- deutlich viele Gegenstimmen: bis zu 21 %. Und als Knalleffekt gab es gleich zwei Widersprüche zu Protokoll: Staller erhob Widerspruch gegen die AR-Wiederwahl und stellte in Aussicht, dass der OGH über den Verstoß gegen §87 Abs.2a – Diversität des AR – zu entscheiden haben werde. Wenn dieser dem Verstoßvorwurf stattgebe, würden alle Beschlüsse rückwirkend ungültig. Der zweite Widerspruch zu Protokoll betraf die Wiederwahl des AR-Mitgliedes Gorbach.

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

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