Unternehmerfamilien bringen hohe Renditen

Nachhaltige strategische Management-Entscheidungen prägen Familienunternehmen. Daraus resultieren überdurchschnittliche Wertzuwächse, auch für Privataktionäre.

Gründerfamilien können Unternehmen über Beteiligungen oder Führungspositionen kontrollieren. Bei der Beteiligung sollte zumindest eine Sperrminorität von 25 % plus einer Aktie vorhanden sein. Bei einem niedrigeren Anteil sollte ein Familienmitglied im Vorstand und/oder Aufsichtsrat vertreten sein. Dann bestehen gute Chancen auf Outperformance gegenüber dem Marktdurchschnitt. Während von Berufsmanagern geführte Unternehmen Managemententscheidungen oft an den Quartalszahlen ausrichten, zählt bei Unternehmerfamilien der Vermögenserhalt. Entscheidungen werden daher besser abgewogen. Dies führt dazu, dass mehr Wert auf organisches Wachstum gelegt wird, während Übernahmen nur in besonderen Fällen in Frage kommen.

Diesbezüglich ein positives Beispiel ist Henkel (ISIN: DE0006048408). Das Unternehmen strebt von 2017 bis 2020 ein organisches Umsatzwachstum von 2 bis 4 % p.a. an. Das um Sonderposten bereinigte Ergebnis pro Vorzugsaktie wuchs bereits von 2012 bis 2016 um 10,2 % p.a. und bis 2020 strebt Henkel Zuwächse von 7 bis 9 % an. Anleger konnten seit der Emission der Henkel-Vorzugsaktie im Jahr 1985 bis Ende 2016 bei Wiederanlage der Dividenden (ohne Steuerabzug) eine durchschnittliche jährliche Rendite von 12,3 % (verglichen mit 7,7 % im DAX) erzielen.

Und Henkel ist kein Einzelfall. Eine Studie über 920 Familienunternehmen (mindestens 20 % der ausstehenden Aktien in Familienbesitz) aus 35 Ländern, deren Marktkapitalisierung bei mindestens 1 MrdUSD liegt, führte das Credit Suisse Research Institute bereits 2015 durch und gelangte dabei zu folgenden Ergebnissen: Die so gefilterten börsennotierten Familienunternehmen erzielten in den neun Jahren bis Ende April 2015 gegenüber dem MSCI ACWI Index eine jährliche Outperformance von 4,5 %. In historischen Krisenphasen entwickelten sich darüber hinaus die Umsätze stabiler als im Marktdurchschnitt. Wer früh dabei ist, profitiert am meisten. Eine besonders wertvolle Erkenntnis der Studie ist, dass es sich auszahlt, zeitgleich mit dem Unternehmensgründer zu investieren, denn die 1. Unternehmer-Generation bringt die höchste Performance. Die ersten Jahre des Bestehens sind nämlich ein mit hoher Wahrscheinlichkeit von starkem Wachstum geprägter Zeitraum.

Google (US02079K3059) und Facebook (US30303M1027) sind beispielsweise Firmen der 1. Generation, genauso wie Warren Buffetts Berkshire Hathaway (US0846707026). Von den Unternehmen der 1. Generation bereits in einer reiferen Phase angelangt ist neben Berkshire Hathaway auch  Oracle (US68389X1054).

In Europa eine Erfolgstory der ersten Generation ist der spanische Textilkonzern Inditex (ES014839 6007) mit Modemarken wie Zara, Oysho und Massimo Dutti. Im Jahr 1985 fasste der iberische Unternehmer Amanico Ortega unter Inditex seine Textilaktivitäten zusammen. Inditex steigerte von 2008 bis 2016 den Nettogewinn von 1,3 auf 3,2 Mrd€ und Ortega verfügt laut Forbes über ein Vermögen von rund 82 MrdUSD.

Erfolgreiche Unternehmen der zweiten oder einer späteren Generation sind Henkel (53,21 % der Stimmrechte im Besitz eines Familienpools), BMW (DE0005190003) und L’Óreal (FR0000120321), die sich zu einem Drittel in der Hand der Bettencourt-Mayers-Familie befindet.
Erfolgreiche Familienunternehmen an der Wiener Börse sind beispielsweise Palfinger, Polytec, Rosenbauer und DO & CO. Palfinger konnte von 2012 bis 2016 das Konzernergebnis von
40,1 auf 61,2 Mio Euro steigern und steht noch immer zu 59 % im Besitz der Familie Palfinger.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

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