ATX Kaufempfehlung: Die spannendsten Aktien für das 2. Halbjahr 2026 an der Wiener Börse

Kurzfazit: Die spannendsten ATX‑Kaufempfehlungen für das zweite Halbjahr 2026 sind laut Analysten

die Erste Bank Gruppe, Vienna Insurance Group (VIG), Andritz, PORR, SBO und Agrana – jeweils aus unterschiedlichen Gründen. Die Auswahl basiert aufgrund von strukturellem Potenzial, zyklischen Einstiegschancen und lukrativen, sowie stabilen Geschäftsmodellen.

Inhaltsverzeichnis

    • ATX‑Kurszuwächse 2025 und das erste Halbjahr 2026
    • Erste Bank Gruppe: Überdurchschnittliches Gewinnwachstum
    • Vienna Insurance Group: Deutlich höhere Gewinnprognose
    • Andritz: Dynamisches Wachstum trotz schwächelnder Autoindustrie
    • PORR: Rebound mit CEE‑Hebel
    • SBO: Energie‑Hebel
    • Agrana: Defensiver Dividendenwert
    • Makrotrends: Zinsen, Energie, CEE
    • Fazit für Anleger

ATX‑Kurszuwächse 2025 und das erste Halbjahr 2026

Der Aktienindex der Wiener Börse, der ATX, erzielte 2025 mit +45,41 %. Die stärkste Jahresperformance seit dem Jahr 2005. Im ersten Halbjahr 2026 kletterte der Kurs um weitere 20 Prozent.

Warum haben ausgewählte ATX‑Aktien nach wie vor Kurspotential?

Dafür gibt es vor allem vier Gründe:

  • Attraktive Bewertung: Viele ATX-Unternehmen werden trotz guter Gewinne günstiger bewertet als vergleichbare europäische Unternehmen.
  • Hohe Dividenden: Der ATX zählt traditionell zu den dividendenstärkeren Indizes Europas.
  • CEE-Exposure: Viele österreichische Unternehmen profitieren vom Wachstum in Zentral- und Osteuropa.
  • Solide Unternehmensgewinne: Vor allem Banken, Industrie- und Versicherungswerte liefern weiterhin robuste Ergebnisse

Dennoch ist nach den starken Kursanstiegen Vorsicht geboten, denn die Luft wird was die Auswahl betrifft und die Kurse dürften kurzfristig nicht mehr durch die Decke gehen.

– Für den langfristigen Vermögensaufbau, gelten derzeit insbesondere Erste Group, BAWAG, Vienna Insurance Group und ANDRITZ als die qualitativ stärksten Kombinationen aus Gewinnwachstum, Bewertung und Dividende.

– Für Anleger mit höherer Risikobereitschaft werden Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment und DO & CO von Analysten als chancenreich eingestuft.

1. Finanzbranche

Erste Group Bank

Das Bankhaus Barclays gibt aktuell eine positive Einschätzung (“Overweight”) für die Erste Group Bank aus.

Ihre Begründung:

  • Erste Group Bank erzielt nach Einschätzung eine der höchsten Eigenkapitalrenditen im europäischen Bankensektor.
  • Das erwartete Gewinnwachstum in Zentral- und Osteuropa ist überdurchschnittlich.
  • Die Aktie ist laut den Analysten trotz Kursanstiegs im Branchenvergleich noch attraktiv bewertet.
  • Zusätzlich sehen die Analysten Potenzial für höhere Kapitalausschüttungen an die Aktionäre.

Auch die Analysten von JP Morgen sind für die Kursentwicklung der Erste Bank optimistisch. “Für Banken mit hoher Profitabilität und starker Position in Wachstumsregionen wie der Erste Group werden stabile Nettozinserträge und eine robuste Gewinnentwicklung erwartet”, so einer der Begründungen.

Vienna Insurance Group

Die Aktie der Vienna Insurance Group (Unternehmensgruppe der Wiener Städtischen Versicherung) verspricht stabile Gewinne, verfügt über eine starke Marktstellung in Osteuropa und weist eine attraktive Dividendenrendite auf.

Die UBS empfiehlt die Aktie zum Kauf. Begründung der Empfehlung:

  • Die von der VIG vorgestellten Finanzziele bis 2028 wurden als ambitioniert und zugleich glaubwürdig bewertet.
  • UBS erwartet eine anhaltend steigende Profitabilität sowie wachsende Gewinne.
  • Positiv hervorgehoben wurden die verbesserte Visibilität des Geschäftsmodells und das Potenzial für steigende Dividenden.

Die Erste Group Research stuft die Aktie der VIG ebenfalls als Kauf ein. Ihre Entscheidung beruht ebenfalls auf den deutlich höherer Gewinnprognosen des Versicherers. Sie sehen deshalb weiteres Kurspotenzial, selbst nach dem Erreichen neuer Höchststände. Erwartet werden steigende Gewinne je Aktie sowie kontinuierlich höhere Dividenden,

2. Industrie & Maschinenbau

Andritz

UBS gibt für den Industrie‑Technologieanbieter Andritz eine Kaufempfehlung aus. Begründung der Empfehlung:

  • Nach den Quartalszahlen hat UBS das Kursziel angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt.
  • Ausschlaggebend war der starke Auftragseingang, insbesondere die hohe Dynamik im Neugeschäft.
  • Die Analysten argumentieren, dass Andritz vom Markt noch immer wie ein klassischer zyklischer Maschinenbauer bewertet werde, obwohl sich das Unternehmen zunehmend zu einem strukturellen Wachstumswert entwickle.
  • UBS sieht deshalb weiteres Kurspotenzial.

Die Deutsche Bank Research ist für den steirischen Techkonzern und Maschinenbauer ebenfalls positiv gestimmt und erhöhte ebenfalls ihr Kursziel und bekräftigte die Kaufempfehlung.

Positiv bewertet werden:

  • der Rekord-Auftragsbestand,
  • erfolgreiche Kostensenkungsmaßnahmen,
  • erwartetes Gewinnwachstum in allen vier Geschäftsbereichen.
  • Die Analysten sehen die Grundlage für eine nachhaltige Verbesserung von Umsatz und Profitabilität.

Diese Empfehlung wurde ausgesprochen, obwohl bei einem Kunden von Andritz, Schuler, die deutsche Tochtergesellschaft im Segment Metals, die stark von der Automobilindustrie abhängt, 500 Stellen abgebaut werden. Generell verzögert die zyklische Abkühlung der globalen Industrie, im Speziellen der Autoindustrie, derzeit Investitionsentscheidungen, was auch Andritz zu spüren bekommt. Doch gleichzeitig entwickeln sich andere Geschäftsbereiche bei Andritz deutlich besser. Deshalb sind Analysten trotz der negativen Nachrichten insgesamt positiv für die Aktie gestimmt.

Gut entwickeln sich die übrige Andritz-Geschäfte

  • Wasserkraft (Hydro)
  • Zellstoff & Papier
  • Umwelt- und Recyclingtechnik
  • Servicegeschäft.

Denn der Konzern profitiert von:

    • Investitionen in Energie‑ und Umwelttechnik
    • steigender Nachfrage nach Recycling‑ und Ressourceneffizienz‑Lösungen
    • einer starken Position im Metalltechnik‑Segment
    • einem Servicegeschäft, das stabile Cashflows liefert.

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3. Bau & Infrastruktur

PORR – Rebound‑Titel mit starkem CEE‑Hebel

Derzeit leidet der Bausektor noch an hohe Finanzierungskosten, der schwachen vor allem der deutschen Baukonjunktur, entsprechend drücken auch Projektverzögerungen auf die Margen. Doch: Ein erneuter Zinsanstieg der EZB ist nicht zu erwarten. Die Inflation liegt im Zielkorridor, die Konjunktur ist zu schwach für Straffung – der Markt preist eher weitere Lockerungen ein.

Der österreichische Baukonzern Porr bietet einen interessanten Hebel auf eine Erholung der europäischen Baukonjunktur. Gelingt die erwartete Belebung des Wohn- und Infrastrukturbereichs, könnte sich das überdurchschnittlich positiv auswirken. Dafür ist die Aktie tendenziell etwas konjunktursensitiver.

Was für PORR spricht:

  • Gute Marktstellung im Infrastruktur- und Hochbau.
  • Management erwartet weiteres Umsatz- und Ergebniswachstum.
  • Positive Signale kommen insbesondere aus Deutschland und dem Tiefbau.
  • starke Marktstellung in CEE, wo Infrastrukturprogramme weiterlaufen
  • robuste Auftragslage trotz schwierigen Umfelds
  • hoher operativer Hebel bei sinkenden Zinsen
  • solide Bilanz nach den Restrukturierungsjahren

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4. Energie & Ölservice

SBO – Volatil, aber mit strukturellem Rückenwind

SBO ist aktuell ein Titel mit hoher Volatilität, aber auch mit hohem Potenzial. Der Ölpreis schwankt zwischen geopolitischen Risiken und globaler Nachfrageunsicherheit. Analysten sehen vor allem bei einer Erholung des Energiesektors erhebliches Gewinn- und Kurspotenzial.

Zudem überzeugt SBO mit:

  • technologischem Vorsprung in Hochleistungsbohrtechnik
  • starken Margen
  • solider Bilanz
  • hoher operativer Hebel bei steigender Bohraktivität

Der Auftragseingang war zuletzt zwar rückläufig, doch historisch zeigt sich: Sobald sich die Energiepreise stabilisieren, reagiert SBO überproportional. Für Anleger, die Volatilität akzeptieren, bleibt der Titel ein Hebel auf Energiezyklen.

5. Defensiver Wert

Agrana – Stabilität, Dividende, CEE‑Stärke

Agrana bleibt 2026 ein defensiver Stabilitätswert im ATX. Im ersten Quartal 2026 profitierte das Unternehmen von stabileren Zuckerpreisen, während Energiepreise erneut anzogen. Die Stärke des Geschäftsmodells liegt in der breiten Diversifikation über Zucker, Stärke und Frucht.

Agrana bleibt abhängig von:

  • Zuckerpreisen
  • Energiepreisen
  • globalen Agrarrohstofftrends

Doch genau diese Faktoren sind im Kurs weitgehend eingepreist. Für Investoren interessant bleiben:

  • stabile Dividendenpolitik
  • defensive Positionierung
  • starke Marktstellung in CEE

Agrana ist kein Wachstumswert – aber ein verlässlicher Dividendenbringer und ein Titel, der in volatilen Marktphasen Stabilität bietet.

Attraktive Dividendentitel im ATX

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Zinsen

Die EZB‑Politik bleibt der wichtigste Treiber für Bau, Immobilien, Banken und Industrie.

Energiepreise

Volatilität wirkt sich direkt auf SBO, OMV und Agrana aus.

CEE‑Konjunktur

Der ATX profitiert traditionell stark von Osteuropa – ein Vorteil gegenüber vielen westeuropäischen Indizes.

Geopolitik

Lieferketten, Energieabhängigkeiten und regionale Konflikte bleiben Risikofaktoren.

Fazit: Wo Anleger im zweiten Halbjahr 2026 Chancen finden

Der ATX bleibt ein Markt für Value‑Investoren, Dividendenjäger und langfristig orientierte Anleger. Underperformer bieten  besonders attraktive Chancen, weil:

  • der Gesamtmarkt stark gelaufen ist
  • so mancher Titel noch Bewertungsabschläge aufweist
  • strukturelle Trends (CEE, Energie, Industrie) intakt bleiben.

Wer selektiv vorgeht, findet im ATX 2026 mehrere Nachzügler, die bei einer Normalisierung der Rahmenbedingungen erhebliches Aufholpotenzial haben.

Autor: Anneliese Proissl

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