Keine Blase am US-Aktienmarkt – stattdessen gibt es gute Chancen

Peter Shapiro, Analyst bei Comgest, räumt mit verschiedenen Mythen bezüglich Überbewertung, nicht nachhaltiger Kapitalerträge und Crashgefahr auf und zeigt wachstumsstarke US-Qualitätsaktien, denn: Vom nächsten Abschwung fehlt noch jede Spur!

Entgegen der landläufigen Meinung gibt es keine spekulative Blase am US-Aktienmarkt. Aus Boston (USA) heraus illustriert dies Shapiro anhand der Umsatzrentabilitäten auf Basis der operativen Gewinne abzüglich Kapitalkosten, sprich EVA (Economic Value Added-)Margins. Diese bewegten sich bei US-Unternehmen zuletzt noch immer zwischen 1 und 1,5 % und sind somit wesentlich höher als in Asien, während in Europa dieser Wert sogar negativ ist.

Fundamental keine Crashgefahr am US-Aktienmarkt
Auch werden beim KGV-Vergleich zwischen den Regionen häufig unbewusst Äpfel mit Birnen verglichen, da in den USA der wachstumsstarke Technologiesektor viel stärker gewichtet ist, während außerhalb der USA der Finanzsektor bedeutender ist. Gegenüber dem US-Aktienmarkt ist nämlich der Technologiesektor im EAFE-Index (repräsentiert 21 entwickelte Märkte außerhalb der USA und Kanadas) um 15,1 % unter-, der Finanzsektor hingegen um 6 % übergewichtet. Technologiewerte weisen überdurchschnittlich hohe KGVs auf, Finanzwerte hingegen relativ niedrige. Das führt zu im internationalen Vergleich höheren KGVs des US-Marktes. Sektorneutral ist aber der Unterschied nur noch minimal.

Unabhängig von der Geldpolitik ist der US-Aktienmarkt seit dem 4. Quartal 2016 im Aufwind. Aktienrückkäufe und Dividendenzahlungen entwickeln sich langjährig im Einklang mit dem freien Cash Flow und auch aktuell gibt es keine Anzeichen „überzogener“ Kapitalrückflüsse. Auch fehlt laut Shapiro jede Spur von einem Abschwung: Die Indikatoren Zinsen, Inflation, Einkaufsmanagerindex, Arbeits- und Häusermarkt geben alle grünes Licht für Aktienkäufe.

Bull-Markets: Aktiv gemanagte Fonds
Diese können unter anderem auch über aktiv gemanagte US-Aktienfonds erfolgen, denn es gibt kein „Ende des aktiven Managements“. Seit mehr als Jahrzehnten unterliegt der Prozentsatz an aktiv gemanagten Fonds, die auf fünf Jahre besser abschneiden als der S&P 500 zyklischen Schwankungen zwischen unter 10 bis mehr als 90 %. Derzeit drehen die Outperformance-Quoten vom Boden der Bandbreite wieder langsam nach oben. Aktiv gemanagte Fonds, wie beispielsweise der Comgest Growth America (ISIN: IE0004791160), haben nämlich die Eigenschaft, im Abschwung outzuperformen und weisen im Aufschwung eine Underperformance auf. Seit März 2009 geht’s aber in den USA aufwärts. Per Saldo wies der Comgest Growth America USD ACC seit Anfang 2009 trotzdem eine Per-formance von 13,97 % p.a. auf (vgl. mit 14,13 % p.a. im S&P 500 Index, Stichtag ist der 31. 7. 2017), da der Fokus auf Qualitätsaktien mit Gewinnwachstum liegt.

Gutes Chancen/Risiko-Verhältnis
Per Ende Juni 2017 hat der Fonds die Sektoren Technologie und Gesundheit mit jeweils 32,3 bzw. 26 % am stärksten gewichtet. Dort herrscht nämlich eine entsprechende Ertragsdynamik. Nach „langfristig erwartetem Gewinnwachstum pro Aktie plus Dividendenrendite“ selektiert, besteht das Fondsportfolio aus drei Gruppen mit einem Plus von je 10 bis 12 %; 12 bis 15 % und mehr als 15 %. Die beiden ersten Gruppen sind mit jeweils 40 bzw. 47 % gewichtet. Die moderateste Wachstumsgruppe weist dabei ein durchschnittliches 12-Monats-Forward-KGV von 17,2 auf und enthält unter anderem den US-Kabelnetzbetreiber Comcast, Oracle und Microsoft. Letztere hat Shapiro wegen der Transformation hin zum Cloud-Business positiv erwähnt und ist mit 5 % im Fonds am stärksten gewichtet. Die zweitstärkste Wachstumsgruppe enthält den Pharmagiganten Eli Lilly, den führenden Hersteller von Injektionsnadeln und Spritzen, Becton Dickinson und Alphabet (Google). Zur stärksten Wachstumsgruppe gehören indessen Facebook, Amazon und Intuit (Standardanwendungssoftware). Insgesamt hält der Fonds per Ende Juni 35 Positionen. Zuletzt hinzugekauft wurde Biomarin, deren Medikamente gegen seltene Krankheiten aufgrund ihrer monopolartigen Marktstellung (Orphan Drug Status) enorme Preise erzielen. Die Behandlung mit dem Medikament Brineura gegen neuronale Ceroid-Lipofuszinose kostet beispielsweise 702.000 USD pro Jahr. Weitere Neuinvestments sind das in China stark expandierende Kosmetikunternehmen Estée Lauder, die weltgrößte Discounter-Kette Wal-Mart, der Tiergesundheits-Konzern Zoetis sowie Equinix (Rechenzentren und Interconnection-Dienstleistungen).

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

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