Mehr Ertrag heißt auch mehr Risiko

Wo Licht ist, ist auch Schatten – das gilt natürlich auch bei alternativen Investments. Achten Sie auch auf die Risiken beim Crowdinvesting.

Es ist ein neuer Liebling für Anleger, Jungunternehmer und Medien: Crowdinvesting. Sogar prominente Fußballvereine haben ihre Fancommunity als Geldgeber für Großprojekte entdeckt und mobilisiert. Und in den Medien werden fast schon täglich Start-Ups und neue Projekte präsentiert, die die Crowdinvestorenszene ansprechen. Das ist gut, denn diese „alternative Finanzierungsform“ hat sich auch in Österreich etabliert und ist summenmäßig im Verhältnis zu vergleichbaren Ländern noch ausbaufähig. Bei aller Euphorie sollte trotzdem der simple Grundsatz nicht vergessen werden: Wo mehr Gewinn- bzw. Renditeaussicht als am Sparbuch winkt, dort ist auch mehr Risiko. Prominente „Spitze des Eisbergs“ ist, wenn die Finanzmarktaufsicht einschreitet (Stichwort kitzVenture). Da-neben gibt es aber auch „normale“ Insolvenzen bei Crowd-investing-Projekten (erst kürzlich), die die Geldgeber schmerzhaft mitreißen.

Emittentenrisiken
Fangen wir also gleich bei den emittentenbezogenen Risiken bis hin zum Ausfallsrisiko an: Wenn Crowdinvesting (CI) mittels Anleihen erfolgt, heißt das Bonitätsrisiko Bonitätsverlust des Emittenten: die Anleihe kann an Wert bis hin zum Totalverlust verlieren. Nachrangdarlehensgeber schauen bei Insolvenzverfahren wahrscheinlich durch die Finger, mit Genussrechtsbeteiligungen kann man Sanierungsverfahren „durchtauchen“. Risiken, die im Einzelnen und gemeinsam das Ausfallrisiko des Emittenten ergeben, sind (neben den allgemeinen Wirtschaftsrisiken, die auch für Konzerne gelten) spezielle einzelunternehmerische Risiken: also das branchentypische, marktkonjunkturelle, produktspezifische, Neuwettbewerber-, Fehlinvestitions- und Schlüsselpersonenrisiko. Dem nicht genug, gibt’s noch die strategischen Risiken aus der individuellen Geschäftstätigkeit des CI-Emittenten: also Risiken im Zusammenhang mit seiner verwendeten Technologie, mit seiner Produktion bzw. Leistungserbringung, mit seinem Sales, seiner Beschaffung, Organisation und IT.

Anlagebedingungsrisiken
Zu den Emittentenrisiken kommt das anlageartbezogene Risiko für Anleger aus der jeweiligen Anlageart und den Anlagebedingungen eines CI-Angebots: neben dem erwähnten Ausfallsrisiko (Bonitätsrisiko) auch das Zinsänderungs-, Inflations-, Marktliquiditäts-, Wiederveranlagungs- und Tilgungsrisiko. Zinsänderungsrisiko heißt: Wenn die allgemeinen Zinsen steigen, sinken die (Bar-)Werte von Anleihen. Inflationsrisiko heißt Kaufkraftverlust des Nominalwertes und „aufgefressene“ Fixzinsen. (CI mittels Genussrechtsbeteiligung bietet da eine Art Inflationsschutz.) Vom Marktliquiditätsrisiko sind vor allem kleinere CI-Volumina betroffen: Je weniger Handel, desto größer wird der Spread zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis. Gibt es keinen Handel, ist dieses Risiko besonders hoch. Wie-derveranlagungsrisiko ent-steht insbesondere bei Anleihen mit vorzeitigem Rückzahlungsrecht. Bei sinkenden Zinsen wird der Emittent nach Möglichkeit eine vorzeitige Rückzahlung vornehmen. Der Anleger kann die Rückzahlung aber nicht mehr zu gleich guten Konditionen wiederanlegen. Und Tilgungsrisiko heißt: Kann der Emittent am Ende die Refinanzierung bereitstellen?

… plus Restrisiken
Last but not least gesellt sich zu den emittenten- und anlageartbezogenen Risiken noch das „Event risk“: das Risiko unerwarteter Ereignisse wie Umweltkatastrophen, neue gesetzliche Rahmenbedingungen usw. Diese können den Wert, das Potenzial und die Finanzkraft eines Unternehmens stark beeinflussen – und damit den Wert der CI-Emission schlimmstenfalls auch auf Null (Totalverlust) drücken. Und der Vollständigkeit halber sei das Betrugsrisiko erwähnt: dass man – wie bei anderem im Leben auch – einem Betrüger aufsitzt. Davor sind auch Profis wie die Emissionsunterlagenprüfer nicht gefeit.

Langer Atem & Streuung
Für alle Arten des CI gilt eine mehrjährige Bindungsfrist. Interessenten sollten daher vorher überlegen, ob sie diese (wenn das CI nicht gut läuft) finanziell durchhalten wollen und können. Und wie bei anderen Anlagen sollte auch bei CI gelten: Die Emissionsunterlagen und Zeichnungsbedingungen wirklich lesen und verstehen … und nicht alles auf ein Pferd setzen, sondern streuen.           

Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)

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