RHI 2017: Viel Kritik bei Monster-HV – aber Zustimmung zur Fusion
Ungewöhnlicher Ort, schlechte Stimmung, weil viel Kritik … und dem gegenüber dann noch deutliche Abstimmungsergebnisse.
🟥 1. Rahmen & Besonderheiten der Versammlung
- Ort: Nicht im Festsaal des Hauses der Industrie, sondern im Austria Center Vienna.
- Atmosphäre: Kühl – sowohl Saaltemperatur als auch Stimmung.
- Leitung: Nicht AR-Chef Herbert Cordt (wegen anhängiger Anfechtungsklage), sondern Wolfgang Ruttenstorfer.
🟥 2. Ablauf & formale Präsentationen
- Ruttenstorfer verlas seitenlange Beschlussvorschläge.
- Danach folgten ausführliche Präsentationen von CEO Stefan Borgas und Noch‑CFO Barbara Potisk‑Eibensteiner.
- Gesamtdauer der formalen Erläuterungen: rund zwei Stunden.
- Inhaltlich notwendig, aber für viele Privataktionäre schwer zugänglich (gesellschaftsrechtliche Details).
🟥 3. Inhaltlicher Kern: Zweistufige Umgründung zur RHI‑MAG N.V.
Schritt 1: Abspaltung
- Abspaltung aller wesentlichen Vermögenswerte der RHI AG
- Übertragung an die 100%-Tochter RHI Feuerfest GmbH (Österreich)
Schritt 2: Grenzüberschreitende Verschmelzung
- Verschmelzung der RHI AG auf die 100%-Tochter RHI‑MAG N.V. (Niederlande)
- Ergebnis: Die RHI‑MAG N.V. wird Konzernholding.
🟥 4. Strategische Ziele laut CEO Borgas
- Schaffung eines schlagkräftigen, technologieführenden Weltmarktführers im Feuerfestbereich.
- Europäisch‑brasilianisches Managementteam, Sitz in Wien.
- Board of Directors: 19 Mitglieder
- 2 Executive Directors: Borgas (CEO), Octavio Lopes (designierter CFO)
- 17 Non‑Executive Directors, davon
- 6 Arbeitnehmervertreter
- 7 unabhängige Direktoren nach UK Corporate Governance Code
- 2 Österreicher: Ruttenstorfer, Karl Sevelda
🟥 5. Zeitplan & Voraussetzungen für das Closing
- Closing der Magnesita‑Akquisition Ende Oktober 2017 geplant.
- Voraussetzungen:
- Erfüllung der fusionskontrollrechtlichen Auflagen (Verkauf von drei europäischen Werken)
- Vorbereitung des Listings im Premium Segment der London Stock Exchange
- Detailplanung der Integration beider Unternehmen
- Zukünftige HV‑Orte: Arnheim, Amsterdam oder Flughafen Schiphol
🟥 6. Kritik der Aktionäre
Mehrere Aktionäre (u. a. Rasinger, Staller, Berger) äußerten deutliche Kritik:
- Form & Kosten des Deals
- Risiken der Fusion
- Rolle der handelnden Personen
- Börseplatz London
- Neuer HV‑Ort
- Einschränkung der Aktionärsrechte
- Nachteile für heimische Aktionäre
- Verlust eines traditionsreichen Unternehmens
Zitate aus dem Publikum: „Partikularinteressen“, „massive Einschränkung der Aktionärsrechte“, „schwarzer Tag für die Aktienkultur“ usw.
Die HV dauerte von 9 Uhr früh bis in den Abend.
🟥 7. Abstimmungsergebnisse
Trotz der massiven Kritik:
- Spaltung + Verschmelzung:
- Zustimmung: ~99,7 %
- Gegenstimmen: <0,3 %
- Viele Gegenstimmen optisch sichtbar, aber zahlenmäßig gering.
- Gegenstimme + Widerspruch waren nötig, um Anspruch auf die Barabfindung von 26,5 € zu sichern.
- Auch bei Entlastung von Vorstand/AR und AR‑Vergütung:
- Optisch viele Gegenstimmen
- Faktisch deutliche Mehrheiten
🟥 8. Reaktion eines Branchenveteranen
„Mr. RHI“ Helmut Longin (Ex‑CEO und Ex‑AR‑Chef): Er zeigte sich erleichtert über die Beschlussfassungen und hoffte auf ein rasches Closing, um „am Weltmarkt Höchstleistungen vollbringen zu können“.
Autor: Mag. Manfred Kainz (redaktion@boersen-kurier.at)
