Die Fallen bei Finanzgeschäften im Internet

Versicherungen abschließen, Aktien kaufen, Kredite aufnehmen – nahezu alles geht bereits online. Doch nicht alle Online-Aktionen laufen nach dem Motto „billig, schnell und effizient“. Es gilt nämlich einiges zu beachten.

Für Kunden mit hoher Internet-Affinität und entsprechendem Produktwissen kann es durchaus ratsam sein, ihre Bank- und Versicherungsgeschäfte weitgehend online zu erledigen. Das erspart Zeit und Geld. Laut Gerald Resch, Generalsekretär des Verbandes österreichischer Banken und Bankiers, ist beim Online-Abschluss jedenfalls entscheidend, den Anbieter vorab genau zu prüfen: „Es tauchen immer wieder Anbieter aus dem Nicht-Banken-Bereich im Internet auf, bei denen man vorsichtig sein sollte. Traditionelle Banken und Versicherungen gewährleisten jedenfalls bei allen Geschäften im Internet die sichere Abwicklung und den Datenschutz.“ Mit einer gewissen Vorsicht zu genießen ist die teils aufwendige Online-Informationsbeschaffung. Dazu Resch: „Es gibt eine Reihe von Vergleichsplattformen und Kreditrechnern, die bei der Auswahl des passenden Angebots unterstützen. Allerdings sind nicht alle Anbieter auf diesen Plattformen vertreten und man muss aufpassen, dass nicht ,Äpfel mit Birnen’ verglichen werden. Außerdem lassen sich nur standardisierte, einfache Produkte sinnvoll miteinander vergleichen. Bei komplexeren Fragestellungen muss man schon sehr viel miteinander vergleichen. Da ist der Weg zum persönlichen Bank- oder Versicherungsberater dann vermutlich kürzer und effektiver.“ Bei der Entscheidung zwischen Online-Geschäft und persönlicher Beratung liegt laut Resch eine definitive Grenze bei „speziellen individuellen Anforderungen oder der Verknüpfung von mehreren Produkten zu einer bedarfsorientierten Gesamtlösung. Da ist das persönliche Gespräch mit dem Bank- oder Versicherungsberater unverzichtbar“.

Online-Abschlüsse – Konsumentenschützer skeptisch

Komplex können Versicherungen sein. Daher rät der VKI hier generell zu einer guten Beratung, zumal die Produktunterschiede gravierend sein können, vor allem betreffend Versicherungsschutz und Prämie. Gabi Kreindl, Projektleiterin Finanzdienstleistungen im Bereich Untersuchungen des VKI, ergänzt: „Zusätzlich gibt es auch noch eine Überlappung von Risiken und Versicherungsschutz. Ein Online-Abschluss empfiehlt sich nur für die Kombination aus besonders gut informierten Verbrauchern, die genau wissen, was sie brauchen und wollen und einfachen Produkten. Eine einfache Reisestornover­siche­rung ist sicher geeigneter für den Online-Vertrieb als eine Eigenheimversicherung mit beratungsintensiven Leistungsbestandteilen.“ Eine Orientierunshilfe bietet der VKI-Risiko-Check (www.vki.at/risiko-check). Dieser hilft laut Kreindl, „zugeschnitten auf die persönliche Situation des Einzelnen, die wesentlichen Risiken für genau diese Lebenssituation zu eruieren und genau diese Risiken abzusichern“. Kritisch sieht der VKI auch den leichten Online-Zugang bei Krediten, insbesondere Konsumkrediten, was junge Leute zum Schuldenmachen verlockt. Für Laien schwer nachvollziehbar ist auch die Kalkulation der effektiven Verzinsung, bei der Fehler nicht auszuschließen sind.

Kernfrage: Mit wem habe ich es zu tun?

Positiver sieht der VKI Online-Aktienkäufe: „Für Interessierte ist die Eröffnung eines Online-Depots oft eine gute und vor allem günstige Möglichkeit, weil mit einem Online-Depot Gebühren gespart werden können. Anbieter wie Flatex ermöglichen die Depoteröffnung z.B. via Videoauthentifizierung, ein Verfahren, bei dem via Videochat über das Internet die Identität bestätigt wird“, erläutert Kreindl. Resch verweist indessen bei Online-Fonds- und Aktienkäufen darauf, „dass diese Art des Online-Geschäfts in der Regel beratungsfrei erfolgt, wodurch der reine Online-Investor erfahrungsgemäß eine gewisse Affinität mitbringt“. Trotzdem rät Resch dazu, neben dem Anbieter auch Kosten und Angebot zu prüfen. Zur Vermeidung von Fallstricken sollten mehrere Angebote verglichen und ein individuelles eingeholt werden,  da Konditionen je nach persönlicher Situation variieren. Als unseriös erachtet Resch, wenn ein Anbieter Geld für An-gebotserstellung verlangt. Vorsicht ist auch geboten wenn ABG, Vertragsbedingungen und/oder Kontaktdaten (Telefon, Adresse …) auf Webseite fehlen.

Autor: Michael Kordovsky (redaktion@boersen-kurier.at)

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