Edelmetalle als Absicherung

Geopolitische Unsicherheiten und eine Abschwächung des US-Dollar zum Euro leiteten in den vergangenen Monaten einen Rebound des Goldpreises ein. Doch Platin und Silber erscheinen noch attraktiver. Der Börsen-Kurier zeigt interessante Edelmetall-Investments.

Vom 7. Juli bis 8. September fiel der Dollar zum Euro um 5,3 %, während der Goldpreis um 11 % auf 1.346 USD zulegte. In diesem Zeitraum verunsicherten die Spannungen zwischen USA und Nordkorea die Märkte. Stützend auf den Goldpreis wirkten auch niedrige bzw. teils negative Zinsen bei Staatsanleihen guter Emittenten. Umso mehr könnten zu schnelle Leitzinsanhebungen oder restriktive geldpolitische Signale aus der Fed oder EZB den Goldpreis wieder unter Druck setzen. Gold ist zwar seit Jahrtausenden selbst in Krisenzeiten wertbeständig, aber auch politisch exponiert. Im antiken Sparta war Gold- und Silberbesitz bereits verboten und auch Julius Cäsar hat laut Geschichtsschreiber Cassius Dio eine Gold- und Silberbesitz-Obergrenze von 15.000 Denaren pro Person eingeführt. 1933 gab es in den USA unter Präsident Franklin D. Roosevelt ein Goldbesitz-Verbot und noch 1973 war in mehr als 120 Staaten der private Goldbesitz von Restriktionen betroffen. Während des Bretton-Wood-Systems (1944 bis 1971) war der Goldpreis auf 35 USD pro Feinunze festgesetzt.

Platin und Silber haben Aufholpotenzial
Trotz des hohen Goldeinsatzes in der Schmuckerzeugung, wesentlich höher ist die Preisabhängigkeit von realwirtschaftlichem Angebot und Nachfrage bei Silber, Platin und Palladium, die auch einer entsprechenden Industrie- nachfrage unterliegen. Hier erscheinen Platin und Palladium aussichtsreich, die unter anderem in der Autoindustrie verarbeitet werden. Laut World Platinum Investment Council Ltd. (WPIC) sollte 2017 die Nachfrage nach Platin das 6. Jahr in Folge höher liegen als das weltweite Angebot. Die gesamte Fördermenge sollte vor allem aufgrund einer rückläufigen Produktion in Simbabwe 2017 von 6.065 auf 5.980 Tonnen zurückgehen. Eine vorübergehende Nachfrage-Delle ausgehend von einer Anlagenkonsolidierung in der Erdölraffinerierung sollte allerdings zu einem starken Rückgang des Angebotsdefizits führen. Solide auf hohem Niveau bleibt die Nachfrage in der Autokatalysatoren-Produktion, während die Investitionsnachfrage der Joker ist. Per Saldo ist aber aufgrund eines Platinpreises unterhalb des Goldpreises mit vermehrten Käufen von Platin-Münzen und -Barren zu rechnen. Im Gegensatz zum ausgebombten Platin zeigt Palladium zuletzt eine starke Aufwärtsbewegung (+51 % in einem Jahr), was mit der Erwartung eines hohen Angebotsdefizits im laufenden Jahr zusammenhängt.

Silber wird schon seit 15 Jahren die große Preisexplosion prophezeit. Stattdessen liegt es auf 5-Jahressicht 46 % im Minus. Zum einen ist die Minenproduktion von 2007 bis 2016 um 32,7 % auf 885,8 Mio Unzen gestiegen, zum anderen ist im gleichen Zeitraum die industrielle Silberverarbeitung um 13 % auf 561,9 Mio Unzen gesunken. Allerdings ist die Minenproduktion 2016 erstmals seit 2002 gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen und infolge der niedrigen Preise sinkt die Motivation zum Recycling. Eine schwächere Angebotsentwicklung und Nachholbedarf gegenüber Gold sind eine solide Ausgangsbasis für den nächsten Preisschub.

Wie anlegen?
Je nach Portfolio-Anteil riskanter Assets können durchaus zwischen 6 und 20 % der gesamten Veranlagungssumme in Edelmetalle oder einschlägige Minentitel investiert werden. Allerdings sollte man beim Erwerb physischer Metalle (Münzen und Barren) differenziert vorgehen. Aufgrund der Umsatzsteuerbefreiung ergibt der Kauf von Goldmünzen wie Philharmoniker, Mapple Leave oder Krugerrand Sinn. Physisches Silber, Platin und Palladium hingegen kann über Zollfreilager in der Schweiz oder in Hong Kong umsatzsteuerbefreit gehandelt werden. Mehrwertsteuer fällt nur bei physischer Entnahme aus dem Zollfreilager an.

Schneller ist der Handel mit physisch besicherten ETCs (exchange traded commodities). Diese werden beispielswiese von ETF Securities angeboten. Interessant ist hier der ETFS Physical Platinum (ISIN: DE000A0N62D7), der durch zugeteiltes Platin gedeckt ist, das von der HSBC Bank plc (die Depotbank) verwahrt wird. Weitere ETCs: ETFS Physical Silver (ISIN: DE000A0N62F2), ETFS Physical Palladium (DE000A0N62E5) und ETFS Physical Gold (DE000A0N62G0).

Über ein gewisses Aufholpotenzial verfügen ausgewählte Goldminen-Aktien, wie Barrick Gold (CA0679011084), die ihre Schulden massiv abbaut und im 1. Halbjahr 2017 All-in Costs von lediglich 844 USD/Unze aufwies oder McEwen Mining (US58039P1075), die mit Standorten in Mexiko, Argentinien, USA und Kanada präsent ist und von 2017 bis 2020 eine Ausweitung der Produktion um 41 % anstrebt. Alleine McEwen’s Los Azules Kupfer-Projekt in Argentinien wird auf einen Nettobarwert nach Steuern von 2,2 MrdUSD geschätzt (Basis: Kupferpreis von 3 USD/lb, Diskontsatz 8 %) verglichen mit einer aktuellen Marktkapitalisierung des Unternehmens von 666 MioUSD.

Ein Blick sollte noch auf MMC Norilsk Nickel (US55315J1025) geworfen werden (unter anderem weltgrößter Palladium-Produzent) sowie Anglo American (GB00B1XZS820, weltgrößter Platin-Produzent).

Autor: Michael Kordovksy

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