In Gewinne investieren

Wie kann man jene wenigen Aktien identifizieren, die auf längere Sich die Performance 
des Marktes treiben? Der Börsen-Kurier verrät einige Anhaltspunkte.

Die Erkenntnisse des US-Finanzwissenschaftlers Hendrick Bessembinder werden vor allem bei so manchem passionierten Stockpicker für Ernüchterung sorgen. Der Professor von der Arizona State University hat die historische Entwicklung von 26.000 US-Aktien seit 1926 untersucht und ist dabei zum Schluss gekommen, dass vier von sieben Aktien eine schlechtere Performance als einmonatige US-Treasuries aufweisen. Damit nicht genug: Nicht mehr als 4 % der gelisteten Unternehmen sind für den gesamten Wertzuwachs des US-Aktienmarkts seit 1926 verantwortlich.

Die Chancen stehen also von Haus aus nicht allzu gut, mit beliebigen Einzeltiteln sein investiertes Vermögen zu vermehren bzw. jene wenigen Gewinneraktien zu erwischen, die die Performance des US-Marktes – immerhin 5,6 % seit 1926 – treiben. Die gute Nachricht: Es gibt durchaus Ansatzpunkte um seine Erfolgsaussichten zu erhöhen. Bessembinder empfiehlt etwa gut diversifizierte aktive Strategien. „Wer allerdings in Aktien investiert, kommt nicht darum herum, sich damit intensiv zu beschäftigen“, sagt Bernd Kiegler, Fondsmanager im Team „Aktien entwickelte Märkte“ bei der Raiffeisen KAG, zum Börsen-Kurier.

„Der wichtigste Ansatzpunkt beim Investieren, der allerdings für Laien schwer einzuschätzen ist, ist, dass ein Unternehmen billig sein muss“, so Kiegler weiter. Ein plausibles Kriterium zur Einschätzung der Bewertung sei das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Da sich der Buchwert eines Unternehmens im Zeitverlauf nicht rasch ändere, sei das KBV ein guter Maßstab um einschätzen zu können, wo es im Vergleich in der Vergangenheit war. „Das KBV ist vor allem bei Financials eine wichtige Kennzahl, weil die Verwendung der Kennzahl Unternehmenswert (Enterprise Value, Anm.) bei Finanzwerten nicht geeignet ist“, erläutert Kiegler. In der Industrie, im Handel sowie im Dienstleistungsbereich könne wiederum der Enterprise-Value-to-Sales (Marktkapitalisierung inklusive Nettoverschuldung durch Umsatz) herangezogen werden, um einzuschätzen, ob sich ein Unternehmen am unteren oder oberen Ende des Bewertungsspektrums befinde.

Ein weiteres wichtiges Kriterium sei der in der Vergangenheit – beispielsweise in den vergangenen fünf bis sechs Jahren – erwirtschaftete operative Gewinn (EBIT). Dabei sollte die EBIT-Marge, als Maß für die Profitabilität, im Durchschnitt mindestens 5 bis 10 % ausmachen. „Bei einem Wert von 1 bis 2 % ist das Geschäftsmodell angreifbar bzw. bei starker Konkurrenz kann das Unternehmen schnell in der Verlustzone landen“, so Kiegler. Eine wichtige Rolle spiele auch das Verständnis, wieso es für das Unternehmen in der letzten Zeit gut oder schlecht laufe bzw. ob dafür beispielsweise zyklische oder strukturelle Gründe verantwortlich wären.

Ein dritter Ansatzpunkt sei der erwartete Ertrag eines Unternehmens, der die Chance auf Verbesserung abbilde. Dieser werde etwa auf Basis der beschriebenen Vergangenheits- und Istanalyse geschätzt. „Die Kennzahlen KBV und EV/Sales sowie die durchschnittlichen und geschätzten zukünftigen Erträge im Verhältnis zum aktuellen Unternehmenswert bilden den wichtigsten Grund für ein Aktieninvestment: die Bewertung“, bringt es Kiegler auf den Punkt. Als zusätzliches Sicherheitsnetz empfiehlt Kiegler auch noch die Directors Dealings heranzuziehen. „Überdurchschnittlich viele Führungskräfte kaufen derzeit die Aktien des eigenen Unternehmens in der Finanz- und Energiebranche“, verrät der Fondsmanager, der für den Raiffeisen-Europa-Aktien und den Raiffeisen-Technologie-Aktien verantwortlich zeichnet.       


Autor: Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

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