Unternehmensgewinne sollten 2018 um mehr als 10 % steigen

Die Manager führender Österreich-Aktienfonds sind aus einer Reihe von Gründen positiv für 2018 gestimmt. Der wohl wichtigste: die vergleichsweise attraktive Bewertung des Wiener Marktes.

Nach 2016 war auch 2017 ein äußerst erfreuliches Jahr für die Wiener Börse. So legten ATX und ATX Prime jeweils um rund 25 % zu. Noch mehr war mit ausgewählten Österreich-Aktienfonds drinnen. Der von Wolfgang Matejka, gemanagte Mozart One  (ISIN: AT0000A0KLE8) verzeichnete etwa ein Plus von fast 42 %. Mit +38 % kann sich auch die Performance des Raiffeisen-Österreich-Aktien (AT0000805189) sehen lassen, ebenso wie das Plus von 36 %, das Alois Wögerbauer mit seinem 3 Banken Österreich-Fonds (AT0000662275) einfuhr.

Gewinntrend hat angehalten
Wie Matejka, der auch CIO der Wiener Privatbank ist, gegenüber dem Börsen-Kurier, erläutert, war die gute Performance des Wiener Marktes 2017 durch einen gewissen Überraschungseffekt bei den Unternehmensgewinnen geprägt. „Mit Ausnahme einiger weniger Gewinnwarnungen hat der Gewinntrend im Jahresverlauf angehalten.“ Die positive Entwicklung der Unternehmensgewinne sei allerdings noch nicht zur Gänze in den Kursen eingepreist – zum Jahresende habe die defensive Komponente wieder zugenommen. Nachsatz: „Dabei stimmen Sentiment und Konjunkturprognosen.“

„Das CEE-Exposure des Wiener Marktes wird seit einigen Quartalen nicht mehr als Nachteil gesehen“, nennt Bernhard Ruttenstorfer, Manager des ESPA Stock Vienna (AT0000858147), einen weiteren Grund für die gute Performance des Wiener Marktes: Das positive wirtschaftliche Umfeld in Osteuropa. Mit einem erwarteten KGV (auf Zwölfmonatssicht) von 13,5 sei der Markt zwar nicht billig, aber auch nicht hoch bewertet. In die gleiche Kerbe schlägt Wögerbauer: „Man kann sagen, dass der Markt – was KGV und Dividendenrendite betrifft – nicht mehr unterbewertet aber fair bewertet ist.“

„Die Bewertungen sind deshalb nicht stark gestiegen, weil auch das Gewinnwachstum der Unternehmen (+30 %, Anm.) gut gelaufen ist“, erklärt Ruttenstorfer. Daran sollte sich auch nichts ändern – der Experte geht davon aus, dass die Unternehmensgewinne 2018 um mehr als 10 % ansteigen werden. „Da der Wiener Markt nicht hoch bewertet ist, hat er noch Potenzial – auch was das Interesse internationaler Anleger betrifft“, hält Ruttenstorfer fest. Man dürfe nicht vergessen, dass der ATX – im Gegensatz zu anderen Indizes – von seinen historischen Hoch (5.000 Punkte) ein Stück weit entfernt sei.

Auch Matejka stimmt die „relativ attraktive“ Bewertung des Wiener Marktes positiv für 2018. Dazu komme noch die gestiegene Investitionstätigkeit in der Industrie. „Das ist deshalb ein gutes Zeichen, weil auch Aufträge dahinter stehen“, sagt er. Die Investitionen sollten sich früher oder später in gestiegenen Umsätzen und Margen sowie verbesserter Profitabilität und Marktstellung niederschlagen. Aber auch Osteuropa sollte sich weiter gut entwickeln. Als Reaktion auf die Politik  von Donald Trump würden sich die Europäer mehr mit den eigenen Nachbarn auseinandersetzen, wovon Österreich als CEE-Speerspitze profitieren sollte.

Agrana unterschätzt
Auf der Rechnung hat Matejka aktuell unter anderem RBI und Telekom Austria, ebenso wie voestalpine und AMAG, und damit zwei Player, die „alles richtig gemacht haben und auch weiterhin machen“. Auf die VIG dürfe man wiederum angesichts der Renditeanstiege wieder ein Auge werfen. „Polytec hat exzellente Aufträge, bestens digitalisierte Produktionsprozesse und ist transparent und planbar“, so Matejka.

„Sehr gut“ gefalle ihm auch der Baukonzern STRABAG und die „nach wie vor unterschätzte“ Agrana. Auch Wögerbauer glaubt im Übrigen, dass die Agrana unterschätzt wird. Auf Sicht der kommenden drei bis vier Jahre liege deren Potenzial über dem Aktienkurs.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

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