Gewinne in teurem, überkauftem Markt


Die Grundstoff-Verarbeiter sind deutlich in den Blickpunkt der Investoren gerückt. Eklatante Kurssteigerungen, hohe Bewertungen und eine starke Volatilität 
heizen die Spekulation bei Bullen und Bären an.

Die Aktienkurse der Stahl- und Aluminiumgesellschaften tendieren in Richtung eines exzessiven Stadiums im Umfeld einer pulsierenden Konjunktur – für kurzfristige Long- und Short-Spekulanten öffnen sich da die Tore weit.

Solider ökonomischer  Unterbau

Die jüngsten, starken chinesischen Handelsbilanzdaten (die Dezember-Exporte stiegen mit 10,9 % doppelt so stark wie die Importe mit 4,5 %, Anm.) weisen auf eine robuste Nachfrage bei Grundstoffen hin. So kletterten die Aluminium-Ausfuhren auf den höchsten Stand seit fünf Monaten. Nach der Veröffentlichung der Zahlen war dadurch vor allem bei den Preisen dieser Sorte ein regelrechter Sprung (mit mehr als 2,5 %) nach oben zu beobachten. Auch Zink (findet Verwendung bei der Stahl-Galvanisierung) erreichte eben den höchsten Stand seit zehn Jahren. Unterstützung erfährt der breite Aufschwung der Notizen zudem durch den abdriftenden US-Dollar. Die Orderlage wird durch diesen Umstand (günstigerer Rohstofferwerb für Verarbeiter anderer Weltregionen) zusätzlich angeheizt.

Ein spezieller, handelspolitischer Aspekt schürt bei Aluminium seit Wochen zusätzlich die Spekulationen, insbesondere an den Märkten der westlichen Industriestaaten: Die Erwartungen, das U.S. Commerce Department werde schon bald Sonderzölle auf Stahlimporte und verwandte Produkte aus Fernost erheben.

Michael Widmer, Chef der Metals-Research-Abteilung der Bank of America Merrill Lynch, sieht den Trend nicht als kurzfristiges Phänomen: „Aus makroökonomischer Sicht ist dies kein Umfeld, um auf eine Gegenbewegung oder einen Abriss dieses Trends zu setzen.“ Bestätigt wird diese Aussage auch durch die aktuellen Bestandsabnahmen an der London Metal Exchange (LME), dem größten Industriemetallwaren-Handelsplatz der Welt. Insbesondere bei Zink fiel der Lagerbestand auf das tiefste Niveau seit 2008, der Markt wird auf der Angebotsseite eng.

Notwendige Herstellung der Relationen

Die Einordnung der aktuellen Akzeptanz der Märkte zu den heutigen Aktienbewertungen sollte der Langfristanleger in der euphorischen Kauflaune nicht aus den Augen verlieren. Klar erkennbar ist die überkaufte Situation an den Chartbildern. Die Kursentwicklung der voestalpine hat sich von der 200-Tages-Linie bereits derart entfernt, wie zuletzt im Jahr 2007. Die Bruttorendite des heimischen Parade-Unternehmens liegt heute zwar mit 6,2 % um 10 % höher als 2013 – ebenso der Jahresüberschuss. Die Umsätze hingegen sind 2 % niedriger als damals, die Ausschüttung an die Aktionäre stieg um 20 % (1,10 Euro). Die Aktiennotiz hat sich dennoch verdoppelt, obwohl die Verbindlichkeiten in diesem Zeitraum um 7 % stiegen.

Empfindlicher sind noch die Bewertungen des deutschen Mitbewerbers Salzgitter zu sehen (ISIN: DE0006202005), da der Konzern gerade erst im Vorjahr wieder schwarze Zahlen erreichte. Ein neu einsteigender Anteilshalter erzielt bei dieser Gesellschaft mit den Kernkompetenzen in der Walzstahlproduktion sowie Röhrenerzeugnissen eine Dividendenrendite von 0,97 % und ist mit Kursschwankungen eines Zyklikers mit einer EK-Quote von 34 % konfrontiert. Die Notiz avancierte während der vergangenen drei Monate um weitere 25 %. Titel des global führenden Stahl- und Bergbauunternehmens ArcelorMittal (LU1598757687) weisen nach dem Höhenflug einen noch krasseren Schwankungsgrad auf – die zuvor angeführten Daten liegen unerheblich besser.

Dem ehemaligen Dow-Wert und US-Aluminiumbranchenführer Alcoa (US0138721065) wird von Analysten eine hervorragende Perspektive der Gewinndynamik (+15 %) für 2018 bescheinigt. Die Aktien sind auch hier weit vorausgelaufen. Derzeit beträgt der operative Gewinn 2,7 % vom Umsatz – der wiederum um rasante 27 % seit einem Jahr angezogen hat. Ein Nachlassen der kräftigen Weltkonjunktur kann den Trend aber rasch umdrehen, immerhin belaufen sich die Verbindlichkeiten der New Yorker auf 17 USD/Aktie. Nüchterne Eckdaten (Dividenden-Rendite: 0,63 %, KGV: 36) lassen erkennen, wie weit der positive Ausblick in die Bewertung bereits implementiert wurde.

Steel Dynamics (US8581 191009) hatte hingegen kürzlich die steilste Kursperformance hinter sich gebracht. Gemeinsam mit Nucor (US67 03461052) und United States Steel (US912 9091081) gilt:
Die hohe Verschuldung wird bei steigender Zinslandschaft haariger.

Autor: Roman Steinbauer  (redaktion@boersen-kurier.at)

Auf Facebook teilen Diesen Artikel teilen