Massiver Wandel in Auto-Industrie

Eine neue Studie prüft die Nachhaltigkeit von Autoaktien. Links liegen sollten auch ethisch gesinnte Investoren die Branche nicht.

Der Sektor genießt gemeinhin in Sachen Nachhaltigkeit nicht den besten Ruf: Gilt das Auto bei vielen Menschen doch als „Dreckschleuder“ – noch dazu hat „Dieselgate“ tiefe Schrammen im Lack hinterlassen. Wäre es aus Sicht eines verantwortlich denkenden Investors deshalb nicht besser, hier erst gar nicht zu veranlagen?

Der Börsen-Kurier hat bei der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagentur oekom research nachgefragt, sie hat die Branche gerade in einer Studie (Industry Focus) genau unter die Lupe genommen. Die Antworten liefert Automobil-Experte Reinhold Windorfer: „Seit vielen Jahren steht die Branche im Kreuzfeuer der Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsdebatte. Dadurch haben sich in den Bereichen Produktion, Zulieferer, Mitarbeiter teils hohe Standards entwickelt, die aus Nachhaltigkeitssicht ein Investment sinnvoll machen können. Hier hat sich auch durch die Abgasaffäre nichts geändert.“

Windorfer weiß natürlich, dass „Dieselgate“ und das Aufdecken der jahrelangen Praktiken die ganze Branche in Verruf gebracht hat: „Nichtsdestoweniger sind Mobilität sowie auch der Individualverkehr ein Fakt und notwendig für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft. Gerade deshalb ist es aus Nachhaltigkeitssicht wichtig, die Branche nicht außer Acht  zu lassen, sondern hier aktiv einzugreifen und die Transformation mitzugestalten“, so der Experte.

„Gestalten der Zukunft“

Im Industry Focus wird nun beschrieben, dass der Sektor vor einem „disruptiven“ (also bahnbrechenden) Wandel steht wie kaum eine Branche zuvor: Nachhaltigkeitsaspekte spielen hier eine zentrale Rolle für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen. Windorfer: „Die Reaktionen der Aktienkurse auf die jeweiligen Enthüllungen um Abgasmanipulationen haben bewiesen, dass mangelnde Nachhaltigkeit auch zum wirtschaftlichen Risikofaktor geworden ist. Wenn man als Investor Nachhaltigkeit als „Gestalten der Zukunft“  begreift, darf man die für den Klimaschutz so zentrale Branche wohl nicht außer Betracht lassen.“ Zusätzlich drängen hier laufend neue Player auf den Markt – wobei Tesla nur das prominenteste Beispiel ist -, so dass man von „der“ Automobilbranche laut Windorfer vielleicht gar nicht mehr sprechen könne.

Der Börsen-Kurier wollte von dem Spezialisten auch wissen, inwiefern neue technologische Entwicklungen den Sektor nachhaltiger machen könnten? „Elektroautos und vorgeschaltete Übergangstechnologien wie Hybrid können eine nachhaltige Energienutzung und Abkehr von fossilen Brennstoffen möglich machen. In Summe betrachtet tragen sie also tatsächlich dazu bei, dass die Branche in dieser Hinsicht nachhaltiger wird. Natürlich muss dabei der Strom-Mix mit betrachtet werden.

Ad absurdum wird Elektromobilität geführt, wenn der Strom aus Kohle kommt“, so der Experte. Kurzfristig bringe Elektromobilität jedenfalls lokale Emissionsentlastung, was in Ballungsräumen (nicht nur in China) zentrales Thema ist. Natürlich stelle sich aber auch die Frage, inwieweit Individualverkehr – unabhängig von der Antriebsform – in Ballungsräumen und Mega-Cities überhaupt noch Sinn ergeben könne. Bei der Elektromobilität gebe es außerdem neue Nachhaltigkeitsaspekte bzw. Risiken: Zu nennen sind laut dem Experten Menschen-/Arbeitsrechte beim Abbau der neuen Rohstoffe (Stichwort seltene Erden); der Energieverbrauch für die Produktion der Batterien oder die Entsorgung derselben.

Inwieweit der Trend zum autonomen Fahren unter Nachhaltigkeitsaspekten eine relevante Rolle spielen kann, muss laut Windorfer noch bewiesen werden.

 

Top-3-Aktien

Ihre Leistung unter Beweis gestellt haben hingegen folgende Unternehmen: Peugeot (ISIN: FR0000121501), Tesla (US88160R1014) und BMW (DE0005190003) wurden unter 33 analysierten Aktien zu den Top-3-Autobauern in Sachen Nachhaltigkeit gekürt.

 

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

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