Was jetzt für US-Aktien noch spricht

Auch wenn sich die Bewertungen über ihrem langjährigen Durchschnitt befinden, sind Experten nach wie vor positiv für US-Aktien gestimmt.

Erkundigt man sich dieser Tage bei Asset Managern nach der aktuellen Asset Allocation im Aktienbereich, so bekommt man überwiegend dieselbe Antwort: Europa und Japan wären gegenüber den USA, die sich ja später im Zyklus befinde und auch höher bewertet sei, übergewichtet. Die Gutmann KAG stellt in diesem Zusammenhang keine Ausnahme dar. „Das heißt aber nicht, dass wir negativ auf die USA eingestellt sind“, sagt Christoph Olbrich, Aktienfondsmanager bei der Gutmann KAG, gegenüber dem Börsen-Kurier. Nachsatz: „Die fundamentalen Rahmenbedingungen sind auch in den USA sehr positiv.“

Tatsächlich ist das fundamentale Umfeld in den USA alles andere als schlecht. „Die US-Wirtschaft befindet sich nach wie vor in der Expan­sionsphase und die meisten Konjunkturindikatoren befinden sich auf einem hohen Niveau“, sagt Andreas Rieger, Manager des „ESPA Stock Global“ (ISIN: AT0000812870). Für 2017 wird etwa ein Gewinnwachstum von 11 % erwartet. Für die darauffolgenden beiden Jahre wird von einem Plus von 19 bzw. 10,5 % ausgegangen. „Ein wesentlicher Faktor ist in diesem Zusammenhang die am ersten Jänner in Kraft getretene Steuerreform, die eine Senkung der Körperschaftssteuer auf 21 % vorsieht“, so Rieger.

Sind US-Aktien tatsächlich so hoch bewertet? Nach einem weiteren starken Jahr des S&P 500 haben die Bewertungen – konkret das KGV auf Basis der Gewinnschätzungen auf Zwölfmonatssicht – im Dezember mit 18,5x ihren Höchststand gesehen. „Nach der Korrektur Anfang Feber sind sie wieder auf aktuell 17x runtergegangen“, hält Rieger fest und verweist im selben Atemzug auf den langjährigen Durchschnitt von 15x. „Die Bewertungen liegen aktuell zwar über ihrem langjährigen Durchschnitt, befinden sich aber nicht im extremen Bereich“, so Olbrich. Konkret liege das durchschnittliche KGV des S&P 500 nach der Korrektur von Anfang Feber wieder auf dem Niveau von 2016.

Wo sehen Experten aktuell Chancen am US-Aktienmarkt? Bei der Gutmann KAG sind im „aktuellen prozyklischen Umfeld“ im „Gutmann US-Portfolio“ (AT0000712625) Einzeltitelfonds unter anderem IT, Finanzwerte und Rohstoffe übergewichtet. Auch Rieger bevorzugt für seinen Wachstumsfonds „wegen steigender Zinsen und Wirtschaftsaufschwung“ generell zyklische Sektoren – konkret neben Financials und Grundstoffen auch Industrie. „Der Techsektor ist im Fonds stark vertreten, weil dort der Fokus unter anderem auf Themen wie Cloud Com­puting, sozialen Medien oder Arti­ficial Intelligence liegt, die allesamt mit starkem Wachstum verbunden sind“, sagt er.

Defensive US-Aktiensektoren wie Versorger, Telekom und Basiskonsum haben jedenfalls – im Übrigen wie üblich in Phasen steigender Zinsen – in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten extrem underperformed. Allein seit Jahresbeginn steht ein Minus von 10 % zu Buche. Nichtsdestoweniger ist es für Experten angesichts der guten Makroseite zu früh, um eine Rotation hin zu defensiven Sektoren in Erwägung zu ziehen. Sehr wohl ist allerdings der Telekomsektor im Gutmann-US-Portfolio übergewichtet.

Welche Risiken sollte man aktuell auf dem Radar haben? Das größte Risiko für US-Aktien sehen Experten in der Zinspolitik der Fed. Bekanntlich plant die US-Notenbank heuer drei Zinserhöhungen. „Fallen die Zinserhöhungen restriktiver aus als der Markt erwartet – falls sich etwa die Wirtschaft erhitzt und die Inflation stärker ansteigt als erwartet – könnte sich die Expansionsphase der Wirtschaft dem Ende nähern“, so Rieger. Das erwarte man im Moment allerdings nicht.

Autor: Mag. Patrick Baldia  (redaktion@boersen-kurier.at)

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