Auf grüner Erfolgsschiene

Der milliardenschwere Investitionsbedarf macht Infrastrukturprojekte für Anleger interessant – gleichzeitig werden Lebens- und Umweltstandards gehoben.

Laut Schätzungen des „Global Infrastructure Hubs“, einer Initiative der G20, sind bis 2040 weltweit 97 BioUSD an Infrastrukturinvestitionen notwendig. Trotz hoher öffentlicher Ausgaben besteht hier eine Investitionslücke von rund 15 BioUSD; Schätzungen des Beratungsunternehmens McKinsey gehen sogar von einer Differenz von mehr als 40 BioUSD bis 2030 aus. Hier sind private sowie institutionelle Anleger gefragt, um in die Bresche zu springen. Mit durchaus erwünschten „Nebeneffekten“, in einem Kommentar des Impact-Investment-Spezialisten BlueOrchard heißt es dazu: „Investitionen in nachhaltige Infrastruktur können dabei helfen, soziale, ökonomische und ökologische Ziele zu realisieren. Anlegern bietet diese Anlageklasse eine niedrige Korrelation zum Kapitalmarkt und relativ planbare Cashflows.“

Fokus:  Mittelgroße Projekte
Schön und gut, aber was macht ein Infrastrukturprojekt tatsächlich nachhaltig? Denn Kraftwerke, Straßen, Schiene etc. können auch einen Eingriff in heikle ökologische und soziale Systeme bedeuten. Der Börsen-Kurier hat bei Patrick Scheurle, CEO von BlueOrchard, nachgefragt. „Unter nachhaltiger Infrastruktur versteht man Maßnahmen, die sozial, ökonomisch und ökologisch nachhaltig und somit zukunftsfest sind. Nachhaltige Infrastruktur fördert insofern nicht nur das wirtschaftliche Wachstum, sie trägt auch zur Verbesserung der Lebensqualität der Gesellschaft bei, sie entlastet die Umwelt und natürliche Ressourcen. BlueOrchard fokussiert sich daher vornehmlich auf mittelgroße Projekte auf kommunaler Ebene in den drei Bereichen Erneuerbare Energien (z. B. Solar), Energieeffizienz (z. B. Gebäudeisolation oder LED-Straßenbeleuchtung) und Abfallwirtschaft (z. B. energetische Verwertung von Abfällen)“, so der Experte.

Groß angelegte Projekte auf nationaler Ebene würden hingegen oftmals Gefahr laufen, die Städte und Kommunen nicht genügend einzubeziehen. Scheurle: „Hier spielt auch der soziale Faktor eine wichtige Rolle. Denn es sollten lokale Arbeitnehmer für den Bau und den Betrieb eingestellt werden. Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Projekte ist auch ihre Replizierbarkeit. Ziel ist es, Unternehmungen zu unterstützen, die auf einfache Weise auch in anderen Regionen von Entwicklungs- und Schwellenländern wiederholt werden können. Natürlich müssen die Projekte auch immer aus ökonomischer Sicht tragfähig, das heißt technisch und wirtschaftlich solide und finanzierbar sein.“

People, Planet, Profit
Ähnlich sieht das Rebecca Sherlock, Portfoliomanagerin des „First State Sustainable Listed Infrastructure Fonds“ (ISIN: IE00BDBRBW92): „Die Beschreibung des Nachhaltigkeitskonzepts basiert häufig auf drei Säulen: sozial, ökologisch und wirtschaftlich. Oder wie es manche bezeichnen: ‘People, Planet and Profit.’ Dieses Konzept wurde entwickelt, weil Unternehmen oftmals kurzfristige Gewinne priorisieren, ohne die längerfristigen Auswirkungen zu berücksichtigen. Damit ein Unternehmen nachhaltig ist, muss es jedoch durch eine langfristige Brille blicken“, meint die Expertin im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Infrastruktur-Assets bieten laut Sherlock essenzielle Dienstleistungen, die für eine funktionierende moderne Gesellschaft unerlässlich sind. Ihr Fonds investiert in Aktien von Unternehmen, die diese Assets besitzen oder betreiben: „Wir sind der Überzeugung, dass Infrastruktur auf nachhaltige Weise verwaltet werden kann und sollte. Hierbei müssen alle Beteiligten gleichermaßen fair behandelt werden.“ Den Fonds gibt es erst seit heurigem Jänner, weshalb die Performance wenig aussagekräftig ist, der ähnlich konstruierte „First State Global Listed Infrastructure Fund“ (GB00B2PDR286) existiert hingegen bereits seit 2008 und kommt auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 5 %.

Zur Titelauswahl meint Sherlock: „Wir analysieren sorgfältig die Möglichkeiten börsennotierter Infrastrukturunternehmen. Wir streben an, in jene Aktien zu investieren, die am ehesten langfristige, nachhaltige Renditen erzielen. Gleichzeitig sollten diese Firmen mögliche negative Auswirkungen auf den Planeten und Menschen minimieren. Beispielhaft agiert hier unter anderem der US-amerikanische Stromversorger NextEra Energy. Bei seinem Bestreben, den eigenen CO2-Fußabdruck zu reduzieren, richtet er gleichzeitig seinen Fokus auf die potenziellen Auswirkungen auf seine Kundenpreise.“                                    

Autor: Mag. Harald Kolerus (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

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