Konservative Produkte bleiben trotz tiefer Zinsen beliebt

Vor allem einfach gestrickte Zertifikate sind in Europa inzwischen gefragt. In Osteuropa gibt es zudem großes Aufholpotenzial, wie man am diesjährigen ZFA-Kongress festhielt.

Die Zahlen sprechen allein in Österreich eine deutliche Sprache: Hierzulande hat das Gesamtvolumen am Zertifikatemarkt im 1. Quartal 2018 gut 12,9 MrdE erreicht, wie aus den jüngsten Erhebungen des Zertifikate Forum Austria (ZFA) hervorgeht. An der regelmäßigen Erhebung nehmen Raiffeisen Centrobank (RCB), Erste Group Bank, UniCredit Bank Austria und Vontobel Financial Products teil. Immerhin bedeutet die Zahl ein Plus von mehr als 20 % gegenüber dem Vorjahresvergleichswert. Freilich, das Hoch aus dem Jahr 2011 mit rund 14 MrdE ist damit noch längst nicht erreicht. Zumindest aber nimmt das Interesse an Zertifikaten nach dem Rückgang der vergangenen Jahre, in der die globalen Finanzmärkte einige Turbulenzen durchmachten, wieder zu.

Auffällig ist nach wie vor die besonders hohe Prozentzahl an Produkten mit einer Kapitalgarantie, streicht Pedram Payami, Vorstandsmitglied des ZFA, hervor. Und das, obwohl es angesichts der tiefen Zinsen nicht immer einfach ist, eine vernünftige Garantie darzustellen. Diese ist ja in Form einer Schuldverschreibung verpackt. Immerhin steht mit dieser Entwicklung der heimische Markt im europäischen Rundblick nicht alleine da, sie lässt sich auch in anderen Ländern feststellen. Das ist jedenfalls das klare Fazit auf der ZFA-Diskussion zum Thema „Trends im Vertrieb von Zertifikaten in Europa“ in der vergangenen Woche, die der Börsen-Kurier besuchte.

Kupons sind gefragt
Das treffe zum Beispiel auch auf den tschechischen Markt zu, kann Martin Vlcek, Head Financial Markets Product Development, Ceská Sporitelna, ebenfalls bestätigen. Wobei europaweit nun auch zunehmend auf Aktienanleihen und Expresszertifikate zugegriffen werde, so der einheitliche Tenor. Bei diesen Teilschutzprodukten steht vor allem die Kuponzahlung im Fokus, was angesichts der historisch niedrigen Zinsen verständlich ist. 

Beim Thema Innovationen gibt es ebenfalls klare Trends, wie Juliane Bürger, Managing Director bei der UniCredit, aufzeigt. „Bei den Produkten selbst sind mittlerweile simple Lösungen gefragt. Die Zeiten in denen jede Woche neue, komplexe Strukturen gefragt wurden, sind längst vorbei.“ Dem kann Romulus Mircea, Investmentspezialist bei Raiffeisen Rumänien, nur zustimmen: „Grundsätzlich sind Zertifikate in Rumänien eine sehr junge Anlageklasse, mit der immerhin auch spezielle Themen wie Rohstoffe abgedeckt werden können.“ Dennoch müssten die Produkte leicht erklärbar sein, um das Interesse dafür zu wecken, betont Mircea.

Digitalisierung als Vertriebsweg
Umso mehr seien dafür Innovationen bei den Vertriebswegen gefragt, fügt Bürger von der UniCredit hinzu, und meint damit vor allem die Digitalisierung. Sie ermögliche Online-Plattformen, auf denen Anleger unter anderem auf maßgeschneiderte Produkte zugreifen könnten. Auch sei es immer wichtiger, Zertifikate als Bestandteil eines modernen Portfolios zu betrachten und somit darauf zu achten, wie sie am besten hineinpassen könnten, meint Vlcek von der Ceská Sporitelna. Und verweist obendrein auf eine weitere Entwicklung, die auch an den Zertifikaten nicht vorbeigeht: „Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger.“ Ein Trend, der freilich weltweit eine immer größere Rolle spielt. 

Einig waren sich die Teilnehmer auch über die neue Regulierung, die seit Jänner 2018 in Kraft getreten ist. So stelle MiFID II die Zertifikate-Welt vor eine Menge Arbeit, diese sei aber zu meistern. Und schaffe obendrein mehr Transparenz.

Autorin im Börsen-Kurier: Mag. Raja Korinek

 

 

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