Agrana setzt auf Spezialitätenstrategie

Der Wegfall der Zuckerquoten hat zu einer massiven Produktionsausweitung und zum Preisverfall geführt. Agrana will dem mit einer Spezialitätenstrategie begegnen. Für Aktionäre interessant: der geplante Aktiensplit im Verhältnis 1 : 4.

In Kürze wird ein langgehegter Aktionärswunsch in Erfüllung gehen: Agrana plant bei der kommenden HV einen Aktiensplit im Verhältnis 1 : 4 zu beschließen, wie aus der in der Vorwoche veröffentlichten HV-Einladung hervorgeht.

Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier gibt CEO Johann Marihart ein klares Bekenntnis zur Wiener Börse ab. Es sei eine „Kulturfrage, dass wir börsennotiert sind“. Man stehe als börsennotiertes Unternehmen unter Beobachtung und verhalte sich im Markt transparenter - und das entfalte wieder eine gute Wirkung im Unternehmen selbst. Dankbar ist Marihart den Kernaktionären, die bei der Kapitalerhöhung im Vorjahr die Erhöhung des Streubesitzes mitgetragen haben: Rund 90 bis 100 neue institutionelle Investoren konnte Agrana dabei gewinnen.

„Alles, was Aktien attraktiver macht, ist hilfreich“, umreißt Marihart seine Wünsche an die Kapitalmarktpolitik. Besonders wichtig sei dabei das Bildungsthema. Mit einer Kooperation mit der Wiener Börse oder als Partner beim Raiffeisen-Börsespiel trage Agrana auch selbst dazu bei.

Thema Bioethanol

Die Beimischung von Bioethanol zu Kfz-Treibstoffen ist in den letzten Jahren etwas in Verruf geraten. Zu Unrecht, wie Marihart meint. „Die Welt hat keinen Mangel an Stärke und Zucker, sondern an Eiweiß.“ So importiere Europa Eiweißkonzentrate, beispielsweise aus argentinischer Soja. Marihart rechnet vor: Auf einem Hektar können in Argentinien drei bis vier Tonnen Soja geerntet werden, in Europa dagegen auf einem Hektar zehn bis zwölf Tonnen Mais; aus diesen können wieder  4.000 Liter Alkohol und drei Tonnen Sojaschrotäquivalent gewonnen werden. „Wir holen die Kohlehydrate heraus, das Eiweiß bleibt erhalten“, sagt Marihart und entkräftet damit Behauptungen, die Ethanolbeimischung würde Urwälder zerstören. Ganz im Gegenteil könne man so Importe substituieren.

Dass Ethanol auch der Umwelt etwas bringe, würden Versuche von Professor Bernhard Geringer von der TU Wien zeigen. Nachdem das Image von Dieselmotoren wegen der hohen NOx-Belastung gelitten habe, gibt es nun einen Trend zum „Benziner“. Doch Benzinmotoren würden bei der Partikelanzahl schlecht abschneiden, so der Agrana-Chef. Eine Alkoholbeimischung im Ausmaß von zehn Prozent reduziere aber die Teilchenzahl um 22 %, eine Beimischung von 20 % führe sogar zu einer um 60 % niedrigeren Zahl der Partikel. „Das ist eine Maßnahme, die über den gesamten Fahrzeugbestand wirkt, nichts kostet und auch keinen Verzicht auf Mineralölsteuer bedeutet“, erklärt Marihart. Man habe die zuständigen Minister und den Kanzler informiert und hoffe, „dass das auf fruchtbaren Boden fällt“.

Agrana habe allerdings nicht vor, die Alkoholproduktion auszubauen, auch weil das Getreidepotenzial in Österreich und den umliegenden Ländern weitgehend ausgeschöpft sei. Ziel müsse es sein, den vorhandenen Alkohol für Österreich zu nützen und dabei Transportkosten zu sparen. Denn von den 250.000 m³ Bioethanol, die derzeit produziert werden, gehen 150.000 in den Export. Marihart: „Es ist schade um die Gutschriften für 300.000 Tonnen CO2, die Österreich nicht zugutekommen.“

Spezialitätenstrategie

Es war nicht zuletzt das Auslaufen der Zuckerquoten und das Ende der WTO-Grenzen für Zucker, die ein Umdenken nötig gemacht haben. Große Zuckerunternehmen seien „in die Mengen gegangen“, so Marihart, die Produktion habe sich um 20 % erhöht, und das wiederum habe zum Verfall der Weltmarktpreise geführt. „Auch wir können 100 Euro nicht kompensieren", erklärt der CEO, man habe aber den Vorteil, dass man außerhalb Österreichs in Defizitmärkten produziere. Dazu komme, dass Zucker sehr transportsensibel ist. Dennoch müsse man damit rechnen, dass der Zuckeranteil im Portfolio zurückgehen werde.

Deshalb will Agrana auf Spezialitäten, also höherwertige Produkte, setzen. Ein Beispiel dafür sei Betain, eine Stickstoffquelle, die als „magic ingredient“ gelte und aus Melasse produziert werde. Höhere Preise würden sich auch bei modifizierter statt nativer Maisstärke erzielen lassen.

Bioprodukte werden ebenfalls zunehmend wichtiger. Agrana sei in ihren Märkten (also Zucker, Stärke und Fruchtzubereitungen) der größte Bioproduzent in Europa, erklärt Marihart. Und in Zusammenarbeit mit der Universität Graz habe man beispielsweise ein Biobienenfutter entwickelt.

Sehr zufrieden“ ist Marihart mit der Entwicklung des Segments „Frucht“. Mit den Fruchtzubereitungen könne man „sehr große Kunden“" bedienen, Marihart nennt als Beispiele Unilever (Fruchthülle beim Eskimo Double Magnum) oder Starbucks und McDonalds, wo man vom Trend zum gesunden Frühstück profitiere. Darüber hinaus enthalte in den USA mittlerweile jedes zweite Joghurt Agrana-Fruchtzubereitungen, weltweit jedes dritte.

Dennoch vorsichtig

Wegen der Entwicklung bei Zucker und Alkohol sei der Ausblick aber vorsichtig, erwartet wird ein deutlicher Rückgang des EBIT bei weitgehend konstanten Umsätzen.

Geographisch sieht Marihart bei Zucker „die alte k.u.k. Monarchie als Markt“. Bei Fruchtzubereitungen seien die Märkte in Europa und den USA gesättigt, Südamerika habe man sich mit zwei Akquisitionen in Argentinien erschlossen. In China, wo gerade ein Werk in Bau ist, gebe es aufgrund des wachsenden Marktes Chancen. Als „Hoffnungsgebiet“ bezeichnet Marihart schließlich Südostasien.

Autor: Marius Perger (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

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