Kommt ein Gold-Bullenmarkt?

Nach einem schwachen Jahr 2017 ist der Goldpreis auch heuer nicht auf Touren gekommen und notiert bei rund 1.300 USD. Das könnte sich nach Ansicht von Experten bald ändern.

„Nach seinem Höchststand im Jahr 2011 korrigierte der Goldpreis deutlich, seit Jahren bewegt er sich weitestgehend seitwärts“, bringt es Andreas Böger, Senior Fund Manager bei C-Quadrat, gegenüber dem Börsen-Kurier auf den Punkt. Der Hintergrund: Anlagen wie Aktien und Anleihen wurden bevorzugt. Tatsächlich hatten Anleger angesichts der allein in den USA seit nunmehr 108 Monaten andauernden Aktienhausse wenig Appetit auf das Edelmetall.

Alternative US-Staatsanleihen

Gleichzeitig sind auch die Zinsniveaus der maßgeblichen US-Staatsanleihen gestiegen. „Gerade Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten sind als sichere und liquide Anlage eine Konkurrenz für die zinslose Goldanlage“, so Böger. Zuletzt wären etwa bei den einjährigen Laufzeiten die Zinsen auf 2,3 % angestiegen. Für den Experten ist es jedenfalls nur eine Frage der Zeit, bis der Goldpreis wieder anzieht. Noch positiver eingestellt sind Ronald Stöferle und Mark Valek, Fondsmanager bei Incrementum, in der aktuellen Ausgabe ihres jährlichen Goldreports „In Gold We Trust“. Sie sind davon überzeugt, dass wir uns in der Frühphase eines neuen Gold-Bullenmarktes befinden.

„Wenn man sich die Bullenmärkte der letzten 50 Jahre ansieht, fällt auf, dass Gold selbst in seiner schwächsten Aufwärtsperiode um 71 % zulegen konnte“, so die Incrementum-Experten. Auslöser für ein stärkeres Momentum beim Goldpreis könnte eine stärkere Inflationstendenz oder ein Abbruch des Zinserhöhungszyklus in den USA sein. Ein konkretes Kursziel für den Goldpreis nennen sie jedenfalls nicht. Bis 2020 könnte er sich in einer Bandbreite zwischen 700 und 5.000 USD bewegen.

„Die Seitwärtsbewegung des Goldpreises bietet eine Chance für kontrazyklisch orientierte Anleger, die ein interessantes Diversifikationspotenzial für ihr Portfolio suchen“, hält Andreas Böger fest. Doch man muss sich nicht ausschließlich Goldmünzen oder Goldbarren in den Tresor legen. Eine Alternative stellen, so Böger, Goldminenaktien dar. Er investiert mit dem von ihm gemanagten Fonds etwa bevorzugt in mittelgroße Unternehmen.

Unternehmen wie Kirkland Gold, Iamgold Corp und B2 Gold Corp. hätten in den letzten Jahren neue Minen erschlossen und könnten ihre Produktion jetzt ausweiten. „Da diese Firmen in den vergangenen Jahren ihre Kosten in den Griff bekommen haben und gesunde Bilanzen aufweisen, würden sie viel mehr von einem steigenden Goldpreis profitieren als im letzten Zyklus“, so Böger. Das sei auch der Grund für ihre aktuell gute Performance.

Für alle Anleger

Interessant sind sicherlich auch Gold-ETFs. Laut World Gold Council stiegen ihre weltweiten Goldbestände im Mai um 14,6 Tonnen auf insgesamt 2.484 Tonnen. Aber auch Zertifikate bieten sich an, um auf eine Bewegung des Goldpreises zu spekulieren. Hier gebe es Produkte für verschiedene Anlegertypen, so Philipp Arnold, Zertifikate-Experte bei der RCB. Für spekulative Investoren eigne sich etwa ein Faktor-Zertifikat auf den Gold Future. „Je nach Markterwartung kann auf einen steigenden oder fallenden Gold-Future-Preis gesetzt werden.“

Für sicherheitsorientierte Anleger bietet sich das „Kapitalschutz-Zertifikat USD Gold Winner“ (RC0GF6), das auch in USD notiert, an. Damit partizipieren Anleger zu 100 % an einer positiven Entwicklung des Goldpreises bis zum Cap von 120 % (= maximaler Rückzahlungsbetrag). „Ist die Wertentwicklung des Goldpreises am Laufzeitende negativ, erfolgt die Rückzahlung zu 100 % des Nominalbetrags“, so Arnold.

Autor: Mag. Patrick Baldia (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

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