Marinomed prüft den Gang an die Börse

Die mögliche Bereicherung des Wiener Kurszettels um einen Biotech-Wert fördert die Vielfalt und ist ein positives Signal, auch weil den Anlegern der spekulative Investitionscharakter der Branche längst klar ist.

Börsengänge heimischer Biotech-Unternehmen fanden in jüngster Vergangenheit nicht statt, umso mehr überrascht die Ankündigung der Marinomed Biotech AG, die Börse zur Kapitalbeschaffung in Erwägung zu ziehen. Der Wachstumskurs des Unternehmens, das mit der Entwicklung der Marinosolv®-Technologieplattform bedeutende Fortschritte erzielt, verstärkte sich zuletzt. Belief sich im Vorjahr der Umsatz noch auf 4,8 Mio€, ist unterdessen eine wachsende Vertriebsdynamik absehbar. Überproportional steht dazu aber der Kapitalbedarf für F&E. Noch zum Jahreswechsel 2018/19 soll darüber hinaus die klinische Zulassungsstudie „Phase III“ für das erste Produkt der Marinosolv®-Kategorie starten. Fantasie weist die hauseigene Innovation deshalb auf, da diese die Wirksamkeit von schwer löslichen Wirkstoffen (insbesondere für die Behandlung der Augen und der Nase) erhöhen soll. Diese Anwendung verfüge nach eigenen Angaben über das Potenzial, Therapien im Bereich Allergien und Autoimmunerkrankungen nachhaltig zu verändern. Zudem konnte die Wiener biopharmazeutische Gesellschaft für die schon etablierte Carragelose®-Plattform (umfasst Produkte zur Behandlung viraler Infektionen der Atemwege) in zehn Märkten neue Verträge ergattern.

Ein Börsengang in Wien wurde Ende des Vormonats als eine mögliche Option zur Finanzierung der weiteren Unternehmensentwicklung ins Spiel gebracht. Mit einer 4-%-Wandelanleihe ist die ehemalige Spin-off-Abteilung der Veterinärmedizinischen Universität Wien zudem an der Wallnerstraße bereits seit dem Vorjahr gelistet.

Ein Vortasten
Eine Aktiennotiz auf dem heimischen Börsenparkett wird zwar vorrangig ins Auge gefasst, ist aber noch keineswegs fixiert. Auf Nachfrage des Börsen-Kurier skizziert Senior Advisor Ildiko Füredi-Kolarik den aktuell noch nicht festgelegten und unkonkreten Stand zu einem Börsengang. „Marinomed evaluiert mehrere Möglichkeiten zur Finanzierung des Wachstums. Die Gesellschaft befindet sich dazu in einer frühen Phase und spricht regelmäßig mit Banken, Beratern und Anlegern.“ Zur Frage eines Zeitpunktes einer Platzierung, eine in der Folge geänderte Aktionärsstruktur und das angesteuerte Handelssegment, dämpft Füredi-Kolarik Erwartungen eines dazu definierten Pfades. „Um weitere Details zu nennen, braucht es noch Zeit. Die Wiener Börse anzuvisieren, als in der Bundeshauptstadt ansässiges Unternehmen, ist eine logische Option“, fügt die Kommunikationsverantwortliche hinzu.

Zur Dringlichkeit des Finanzierungsbedarfs stellt sie den Status weiter dar: „Früher als erwartet kann Marinomed mit dem ersten Budesolv-Produkt in die zulassungsrelevante klinische Phase gehen. Der Markteintritt kann dazu bereits 2021/22 erfolgen. Darüber hinaus ist bereits ein Augenwirkstoff in der Entwicklung.“

Derzeit sei Marinomed finanziell noch gut gerüstet, um die nächsten Schritte in Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Um die Wachstumspläne aber dauerhaft zu verwirklichen, wolle Marinomed eine längerfristige Finanzierung sicherstellen.

Autor: Roman Steinbauer (redaktion@boersen-kurier.at)

 

 

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