Auf Besuch in London

Die Analysten sind sich einig: Der Jahresausklang dürfte alles andere als langweilig werden – bei einem stabilen US-Dollar könnten Gold und Silber ordentlich zulegen, auch in den Emerging Markets lässt sich auf zahlreiche „goldverdächtige Titel“ setzen.

Auf Einladung von WisdomTree, der Exchange-Traded Funds (ETF) und Exchange-Traded Products (ETP) anbietet, und Yield PR war der Börsen-Kurier einziger österreichischer Medienvertreter einer exklusiven Analyse-Session.

Head of Europe, David J. Abner, begrüßte mit den Worten: „Bei WisdomTree versuchen wir, Kunden auf die Kapitalmarktseite zu ziehen.“ Der „ETP-Pionier“ sprach einführend zum Haus, das in London allein 75 Mitarbeiter beschäftigt, und eine Vermögensbasis in Europa von aktuell 17 Mrd USD aufweist. Die vier Kernbereiche sind Metalle, Commodities, Usit-Fonds und Short Leverage-Produkte.

Thiemo Storz, Associate Director German Speaking Regions, erklärte, dass er den österreichischen Markt offenen Auges beobachte und mit institutionellen Asset-Managern zusammenarbeite.

Legt Silber im Windschatten von Gold zu?
Silber sei in den vergangenen Monaten vor allem aufgrund seiner hohen Korrelation mit Gold (das ebenfalls nachgab) unter Druck geraten, so der WisdomTree Research Director Nitesh Shah. Jedoch: „Der Rückgang des Silberkurses lässt unseres Erachtens darauf schließen, dass das Metall überverkauft und der jüngste Pessimismus überzogen ist.“

Die Silberpreise könnten kurzfristig also - angetrieben von einer angenommenen Erholung der Goldpreise - steigen. „Auf Grundlage unserer Modellprognosen gehen wir davon aus, dass der Silberkurs von derzeit rund 14,2 USD/oz. auf etwa 16,3 USD/oz. im dritten Quartal 2019 steigen wird.“ Shah bemerkt auch eine mittelfristige Nachfrage-Unterstützung bei Silber.

Gold-Asset für risikoaverse Investoren
„Gold scheint reif für eine durch Short-Eindeckungen ausgelöste Rallye zu sein“, so Shah. Für den US-Dollar bestehe das Risiko einer Abwertung (obgleich er einen amerikanisch-chinesischen Währungskrieg für „eher unwahrscheinlich“ hält), was den Goldpreis historisch gesehen stützt.

Mehrere Faktoren könnten für die Rückkehr einer risikoaversen Stimmung sorgen und den Investoren die defensiven Qualitäten von Gold in Erinnerung rufen: Einerseits sind dies allfällige Spannungen an den Finanzmärkten, dann ergebnislose Brexit-Verhandlungen, und schließlich tritt hier auch das Risiko von Handelskriegen auf den Plan, hierzu Nitesh Shah: „Wir erwarten nicht, dass der zunehmende Protektionismus in den USA der weltweiten wirtschaftlichen Nachfrage schaden wird. Sollte das Tauziehen um protektionistische Maßnahmen jedoch eskalieren, könnte dies auf dem Markt zu einer risikoaversen Haltung führen.“ Und also folglich dem Interesse an Gold einen Auftrieb geben.

EM: „Wachstum auf robustem Level“
Trotz einer „düsteren Entwicklung“ im ersten Halbjahr 2018 haben die Emerging Markets gegen Ende des Jahres „viel zu erwarten“, so Associate Director Research Aneeka Gupta. Die Fundamentaldaten sprechen dafür und auch die jeweiligen Inflationswerte scheinen „relativ unter Kontrolle“ zu sein.

Gupta geht weiterhin davon aus, dass sich der Wachstumsunterschied zwischen Schwellen- und Industrieländern weiter ausdehnen wird, die meisten EM-Währungen empfindet sie im Vergleich zum US-Dollar allerdings als unterbewertet. Gupta: „Wir sehen den US-Dollar an seinem Gipfel angekommen.“

Der Return on Equity steigt bei Aktien aus Schwellenländern weiter, so verzeichnete im Q2/2018 beinahe jeder vierte (22 %) der zum MSCI Emerging Market Index gehörenden Titel „positive Gewinnüberraschungen“. Die WisdomTree-Analystin Aneeka Gupta resümiert: „Die derzeitige Volatilität der aufstrebenden Märkte liegt immer noch unter ihrem langfristigen Durchschnitt.“

Autor: Mag. Rudolf Preyer, London (rp@finanzmedien.at)
Foto: RStone/Fotolia

 

 

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