Ethisches Investment findet man auch an der Wiener Börse

Immer mehr Anleger investieren in Green Bonds – auch in Österreich. An der Wiener Börse sind heuer vier Anleihen emittiert worden.

Der Markt für Green Bonds wächst weiter mit rasantem Tempo. Nachdem sich das Emissionsvolumen 2007, dem Jahr in dem die erste grüne Anleihe aufgelegt wurde, bei
1 MrdUSD belief, waren es im bisherigen Jahresverlauf nicht weniger als 123,9 MrdUSD. Green Bonds liegen - ebenso wie Social Bonds - auch an der Wiener Börse stark im Trend. Heuer wurden vier Anleihen mit einem Volumen von 518,1 MioE emittiert, was einem Plus von 46,8 % entspricht. Insgesamt sind an der Wiener Börse derzeit neun Green und Social Bonds mit einem Gesamtemissionsvolumen von 1,63 MrdE gelistet.

Für Susanne Hasenhüttl, sie  ist wissenschaftliche Projektleiterin Grünes Investment bei der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), kommt das stark steigende Emissionsvolumen keineswegs überraschend. „Ich sehe einen direkten Zusammenhang mit den klimarelevanten Aktivitäten und Plänen, die auf EU-Ebene laufen“, sagt sie im Gespräch mit dem  Börsen-Kurier. Dazu gehöre etwa der Aktionsplan für nachhaltige Finanzierung sowie das Legislativpaket, das teilweise schon vorliege. Aber auch die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens hätten die Emissionstätigkeit getrieben.

Euro-Emissionen überwiegenAuch bei Assetmanager NN Investment Partners führt man die Tatsache, dass zuletzt mehr Regierungen und Unternehmen mit grünen Emissionen an den Markt gegangen sind, auf das Pariser Klimaabkommen zurück. So hätten etwa Länder wie Frankreich, China und die USA Green Bonds in beträchtlicher Höhe ausgegeben. Auch wenn die Emissionen nach wie vor überwiegend in Euro denominiert sind, wären auch andere Währungen hinzugekommen, um Investoren anzulocken. „Wir sind zuversichtlich, dass das Interesse an sozialen und nachhaltigen Anleihen weiter zunehmen wird“, meint Bram Bos, leitender Portfoliomanager für Grüne Anleihen bei NN Investment Partners.

„Green Bonds leisten einen wertvollen Beitrag zur Finanzierung einer globalen Energiewende“, bringt es Thomas Motsch, Fondsmanager im Team „Nachhaltige Investments“ bei der Raiffeisen KAG, auf den Punkt. Der Hintergrund: Mit Grünen Anleihen würden nur Projekte finanziert, die sich auch positiv auf den Klimaschutz auswirken. Noch nicht breit etabliert sind hingegen Social Bonds - mit denen Maßnahmen und Projekte im sozialen Bereich finanziert werden. Nichtsdestoweniger haben sie zuletzt auch einen starken Anstieg erlebt. Dieser könnte durch den Markteintritt einer größeren Anzahl an multinationalen Emittenten weitere Unterstützung erfahren, heißt es bei NN Investment Partners. Aktuelle Beispiele wären Starbucks und Danone.

Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass sich die meisten Green-Bond-Emissionen an institutionelle Investoren richten. Das gilt laut Hasenhüttl auch für den österreichischen Markt. Eine der wenigen Ausnahmen für Privatanleger würden die Green Bonds der BKS Bank darstellen. Sehr wohl an Privatanleger würden sich dagegen einschlägige Investmentfonds richten.

Emissionen sollten zunehmen
Wie können Privatanleger sichergehen, dass es sich bei einer Emission wirklich um einen Green Bond handelt? Hasenhüttl empfiehlt, sich auf Emittenten, die sich den so genannten „Green Bond Principles“ verschrieben haben, zu konzentrieren. Dabei handelt es sich um ein nicht verpflichtendes Rahmenwerk für die Emission Grüner Anleihen, das durch Richtlinien zu Transparenz, Offenlegung und Berichterstattung die Integrität am Markt fördern soll. „Die meisten Emittenten halten sich daran“, so Hasenhüttl. Ein weiterer Anhaltspunkt wären Second Party Opinions und damit eine Art Gutachten, die von Nachhaltigkeits-Research-Agenturen erstellt und bei seriösen Emissionen mittlerweile dazugehören würden. Hasenhüttl glaubt auch, dass das Österreichische Umweltzeichen für Nachhaltige Finanzprodukte, das 2019 überarbeitet wird, bald Kriterien
für Green Bonds enthalten könnte.

Die ÖGUT-Expertin ist jedenfalls guter Dinge, dass die Emissionen von Green Bonds in Österreich weiter zunehmen werden. „Von den bisherigen Emittenten weiß man, dass sie weitere Papiere begeben wollen.“ Schließlich spreche es auch für deren Glaubwürdigkeit, wenn die Emission eines Green Bonds nicht nur eine einmalige „Aktion“ darstelle, sondern wiederholt stattfinde.

Autor: Mag. Patrick Baldia
Foto: Fotolia/kanachaifoto

 

 

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