Svoboda: „Mit 50 ist es zu spät!“

Der neue VVO-Präsident über aktuelle Herausforderungen für die Vorsorge.

Manfred Kainz. Die Bundesregierung hat sich ja die Reform und Ausbau des Pflegesystems auf die Fahnen geheftet. Dazu wird wohl auch das Neudenken der finanziellen Vorsorge und die Frage nach einer Art Pflegeversicherung verbunden sein müssen. Laut Kurt Svoboda, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender bzw. CEO der UNIQA Österreich Versicherungen AG und CFO/CRO der UNIQA Group, habe der VVO den politisch Verantwortlichen Unterstützung angeboten, auch in einem eigenen Positionspapier. Der neue Verbandspräsident plädiert im Gespräch mit dem Börsen-Kurier für „eine gute Kombination aus sozialer Absicherung durch den Staat und der Förderung von freiwilliger zusätzlicher privater Absicherung“. Diese könne über den Weg der bewährten Lebensversicherung und anderer Pensionsvorsorgeprodukte erfolgen und jene begünstigen, die privat pflegevorsorgen (wollen).

Kombination
Ein „Stand-alone-Pflegeprodukt“ mache wenig Sinn, aber in Kombination mit bestehenden bewährten Vorsorgeprodukten könne ein Teil der Rentenzahlungen eben für die Pflege ausbezahlt werden. Wachsender Bedarf bestehe, denn die Zahl der von Pflegebedürftigkeit Betroffenen Österreicher werde in den kommenden Jahren von rund  450.000 auf 550.000 steigen. Außerdem sieht Svoboda, dass die nachwachsenden Generationen mit dem Thema anders umgehen müssen. Daher sei Aufklärung und Information - auch seitens der Politik - umso wichtiger. Für die Pflege vorzusorgen, könne und sollte schon bei den Jungen „kleinteilig“ beginnen. „Mit 50 ist es zu spät“, mahnt der VVO-Präsident.

Grenzenloses Risiko
Auch zur neuen Herausforderung Cybercrime nimmt Svoboda Stellung. So kritisiert etwa die Finanzmarktaufsicht, dass sich der Cyberversicherungsmarkt noch intransparent darstelle. Es gebe gravierende Unterschiede in den Begriffsdefinitionen was eine Cyberversicherung ist, und auch deren Leistungsspektrum sei relativ heterogen. Laut FMA befänden sich Anbieter in diesem - zunehmend wettbewerbsintensiven - Markt in einem „Spannungsfeld“ zwischen der Nutzung von „Erstanbietervorteilen“ zur schnellen Gewinnung von Marktanteilen und dem Anspruch der risikoadäquaten Prämienkalkulation. Da wegen der hohen Dunkelziffer der cyberangriffsverursachten Schäden noch umfassende Erfahrungswerte fehlen, sei eine „angemessene“ Prämienbestimmung „herausfordernd“. Es bestehe ein „nicht zu unterschätzendes Risiko einer zu niedrigen Bepreisung“, so die FMA.

Und Svoboda bestätigt das Problem der hohen Dunkelziffer: Rund ein Fünftel der tatsächlichen Cyberangriffsfälle werde gar nicht gemeldet. Auch die Heterogenität von Cybercrime unterstreicht der VVO-Präsident: Die Antwort auf die Frage „Was ist Cyberrisk?“ habe eine Palette, die laufend breiter werde. Umso wichtiger sei es daher, der Bevölkerung und den Betrieben klar zu machen, welche Gefahren lauern können. Zu dieser Aufklärung trage die Versicherungswirtschaft einen hohen Anteil bei.

Was die Bepreisung von Cyberriskprodukten betrifft, so verweist Svoboda darauf, dass dies eine historisch „junge“ Versicherungssparte sei, die sich aber rasant entwickelt. Daher müsse man auch bei der Bepreisung rasant schnell sein. Auch das Bewusstsein um die internationale Dimension des Problems sei für die Prävention notwendig. „Denn Cybercrime macht nicht am Walserberg oder am Brenner Halt!“ Der VVO habe daher eine starke grenzübergreifende Kooperation mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Reputationsverlust
Svoboda warnt uns gegenüber auch davor, neben den materiellen Schäden den immateriellen Schaden aus Cybercrime zu unterschätzen: „Reputationsverlust von Unternehmen ist ein ernstes Emerging Risk geworden.“ Daher sei „Awarenessbildung“ eine Aufgabe, die noch vor uns allen liege. Wobei beim Versichern nicht der Gedanke „Hoffentlich bekomme ich das Eingezahlte zurück“, sondern Vorsorge gegen ein existenzbedrohendes Risiko im Vordergrund stehen solle.

Services statt Produkte
Was die Herausforderung aus der Digitalisierung für die Versicherungsbranche betrifft, sieht der VVO-Präsident das Kundenver-halten „kurzlebiger“ werden. Dauerbeziehungen werden von Anlassfallbedürfnissen abgelöst. Wobei die Kunden dabei immer mehr auf den Servicenutzen schauen: Sie wollen nicht mehr nur „ein Produkt“ kaufen, sondern erwarten sich umfassende Dienstleistung. Dieses „Umdenken“ müsse in der Versicherungswirtschaft stattfinden, aber man sei auf gutem Weg. Denn als traditionelles Geschäft mit 400 Jahren Geschichte sei man es gewöhnt, Veränderungsprozesse durchzumachen. „Das Kundenverhalten bestimmt das Unternehmensverhalten.“ Daher ist Svobodas Ziel, „dass wir, wie der Onlinehandel, die Versicherungskunden 7 Tage/24 Stunden auf ihrer Bedürfnisreise begleiten“.

Foto: Irene Schaur

 

 

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