Erhebliches Potential bei britischen Werten

Trotz einiger Risiken für die Märkte sieht Stephen Jones, der CIO von Kames Capital, gute Chancen für Anleger.

Jede Liste der aktuell größten Risiken für die Weltbörsen dürfte von den Themen des vergangenen Jahres geprägt sein: die straffere Geldpolitik, die schwache Verfassung der chinesischen Wirtschaft, Trumps Benehmen in Bezug auf die Handelspolitik, größer werdende Haushaltsdefizite in der Eurozone - und natürlich der Brexit.

Jeder dieser Punkte stellt eine existenzielle Bedrohung für die Weltwirtschaft und die Märkte dar, wobei es sehr schwer zu bewerten ist, was „existentiell“ wirklich bedeutet. Besonders eindrücklich zeigte sich dies vor einigen Jahren, als Griechenland im Epizentrum stand.

Viele Sorgen
Beunruhigend stimmen die teils in Frage gestellte Unabhängigkeit der Zentralbanken, dass Japan weiterhin von Deflation beherrscht wird sowie der Anstieg des Populismus und die damit einhergehenden politischen Umwälzungen.

In Japan liegt die Inflationsrate mit 0,3 % noch unter dem Durchschnittswert von 2017 und das Wachstum hat sich abgeschwächt. Während die Rückkehr der Deflation die japanischen Anleger unweigerlich enttäuschen würde, würde sie ferner die Hoffnung dämpfen, dass die anderen entwickelten Volkswirtschaften davon verschont bleiben. Die Inflation ist überall überraschend niedrig.

Wie reagiert die Politik?
Erhöhte Volatilität und Unvorhersehbarkeit birgt auch die Polarisierung der Politik. Das erhöht die Risikoprämien, die wiederum niedrigere Vermögenspreise bedeuten. Möglicherweise gleitet die Weltwirtschaft in die Rezession ab. Dann wird es darum gehen, wie die Politik darauf reagiert. Nur die USA haben es geschafft, die Zinsen über ein Notfall-Niveau hinaus anzuheben. Doch am Ende werden höchstens 3 % zu wenig sein, um die Kreditkosten als Reaktion auf einen Wachstumsschock deutlich zu senken. Ganz zu schweigen von Europa und Japan, wo die Zinsen um 0 % pendeln.

Der „New-Age“-Ansatz besteht darin, die Welt mit billigem Geld zu überschwemmen, doch die Weltwirtschaft wird nach wie vor durch den letzten Tsunami des lockeren Geldes überflutet. Oder die Regierungen könnten die öffentlichen Ausgaben erhöhen. Doch der Spielraum, dies zu tun, ohne die bereits bestehenden Staatsverschuldung abzubauen, ist begrenzt.

Dennoch gibt es Chancen
Der wohl günstigste der großen Aktienmärkte ist das Vereinigte Königreich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate liegt 20 % unter dem langfristigen Schnitt. Selbst wenn die Dividenden nicht mehr steigen würden, dürften Aktien immer noch besser abschneiden als britische Anleihen. Zudem sieht das Pfund sehr preiswert aus, insbesondere im Vergleich zum US-Dollar. So schwierig die Lage derzeit erscheinen mag: Ein positives Ergebnis der Ereignisse um den Brexit birgt erhebliches Potenzial für britische Aktien und das Pfund.

Darüber hinaus haben sich nachhaltige Anlagestrategien in den vergangenen Jahren zu einem wesentlichen Bestandteil überlegenen Handelns entwickelt. Dieser Trend dürfte nicht aufzuhalten sein. Obwohl damit kaum der „schnelle Euro“ zu verdienen sein wird, birgt er langfristig erhebliche Vorteile. Die kluge Auswahl von Märkten und Aktien wird an Bedeutung gewinnen, zumal der aktuelle Konjunkturzyklus sehr reif ist. Es gibt viele Dinge, um die man sich Sorgen machen müsste - aber es gibt keine Herausforderungen, die nicht überwunden oder umgangen werden können.

Foto: Pixabay-Tumisu

 

 

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