Dilemma der „Gender pension gap“

Frauen sind oft in prekären Arbeitsverhältnissen oder in Teilzeitarbeit, mit bösen Folgen für ihre Pensionen.

Marius Perger.Am Abend vor dem internationalen Frauentag am 8. März luden das Finanzjournalistenforum und der Finanz-Marketing Verband Österreich zu einer prominent besetzten Diskussionsrunde. Thema: Ist Altersarmut weiblich?

Einleitend betonte Alexander Biach, Vorsitzender des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, dass auch die Existenzsicherung im Alter Aufgabe der Sozialversicherung sei. Er ging dann auf aktuelle Zahlen aus der Pensionsstatistik ein, mit denen er die unterschiedliche finanzielle Situation von Frauen und Männern im Alter illustrierte.

Während im Vorjahr die Hälfte der Männer, die in Pension gingen, 14 Mal pro Jahr durchschnittlich mehr als 2.232 Euro erhielten, waren dies bei Frauen gerade einmal 1.133 Euro. Am niedrigsten waren die Pensionen bei den Bauern (Frauen: 922 Euro, Männer: 1.300 Euro), am höchsten bei öffentlich Bediensteten (Frauen: 2.825 Euro, Männer: 2.985 Euro). Bei letzteren ist auch der Unterschied zwischen den Geschlechtern am geringsten, Frauen erhielten 95 % des Betrages der Männer.

Problem Armutsgefährdung
Diese Zahlen müsse man in Relation zur Definition der Armutsgefährdung betrachten, die für Einpersonenhaushalte derzeit bei 1.061 Euro brutto liegt. Das bedeute, dass 15,6 % der Frauen über 60 armutsgefährdet sind, aber nur 10 % der Männer. Unterschiede gibt es auch bei der Pensionslücke. 2017 erhielten Männer als Pension rund 80 %, Frauen nur 76 % des Betrages, den sie zuletzt verdient hatten.

Vor allem Teilzeitarbeit wirke sich „extrem negativ“ auf die Pension aus, erläuterte Biach. Frauen, die nach der Geburt eines Kindes teilzeitbeschäftigt waren, würden deutlich weniger Pension erhalten als jene, die im selben Zeitraum arbeitslos waren - bei sonst gleichen Voraussetzungen.

Kurzfristige Möglichkeiten, dies zu ändern, wären eine Anhebung von Ausgleichszulagenrichtsatz, Beihilfen und Pflegegeld sowie ein freiwilliges Pensionssplitting. Langfristig sollte es beispielsweise zu einer Anhebung des Pensionsantrittsalters für Frauen sowie zur Vermeidung von Teilzeitbeschäftigung kommen, sagt Biach.

Teilzeitarbeit als Armutsrisiko
In der anschließenden Podiumsdiskussion ging die Bundeministerin für Frauen, Familien und Jugend Juliane Bogner-Strauß auf das Problem der Teilzeitarbeit von Frauen ein. Diese sei in Österreich „gesellschaftlich tradiert“, Tatsache sei, dass es der Wunsch vieler Frauen sei, Teilzeit zu arbeiten. Der Anteil in Teilzeit arbeitender Frauen sei sogar im Steigen begriffen, auch die Schaffung zusätzlicher Kinderbetreuungsplätze in den vergangenen Jahren habe nicht mehr Frauen in Vollzeitbeschäftigung gebracht.

Dazu komme, dass sich auch die Branchen, in denen Frauen arbeiten, negativ auf Löhne und Pensionen auswirken. Und schließlich würden nur zwei Drittel aller Frauen aus einer Erwerbstätigkeit in Pension gehen. Mit dem Projekt „Trapez“ (für „transparente Pensionszukunft“) sollen nun konkrete Faktoren und Ursachen für die Pensionslücke identifiziert und analysiert werden. „Damit Frauen wissen, was ihnen blüht, wenn sie in dauerhafte Teilzeit gehen“, so Bogner-Strauss.

Änderungen sind möglich
FürDoris Wendler, sie ist Vorstandsmitglied der Wiener Städtischen, sind die Zahlen „nicht neu, aber erschreckend“. Wichtig wäre die Unterstützung junger Mütter, weil es „nur bei einem passenden Einkommen möglich ist, privat vorzusorgen“, betont sie. Um den
Lebensstandard im Alter halten zu können, müsse man „selbst etwas tun“. Und man müsse jung anfangen: „Je länger ich spare, desto weniger brauche ich monatlich.“

Möglichkeiten, die Gender pay gap zu verkleinern, seien beispielsweise Betriebskindergärten, die Betreuung von Volksschulkindern in den Ferien oder die Einrichtung von Heimarbeitsplätzen, so Wendler. Dies würde Gleichberechtigung herstellen und Frauen „weg von der Teilzeit“ bringen. Solche Einrichtungen gebe es beispielsweise in der Wiener Zentrale ihres Unternehmens. Schwieriger sei die Situation im ländlichen Raum.

Kinder sind ein Familienthema
Eine weitere Verbesserung würde ein automatisches Pensionssplitting (Übertragung eines Teils der Pensions-Jahresgutschrift vom erwerbstätigen auf den überwiegend erziehenden Elternteil) bringen. Bogner-Strauss spricht sich für ein solches Modell - mit Opting-out-Möglichkeit - aus.

Kinder seien nämlich „kein Frauenthema, sondern ein Familienthema“, so die Ministerin. Allerdings sei die Väterbeteiligung in Österreich „noch nicht angekommen“ und müsse gesteigert werden. Nötig seien daher auch rahmenpolitische Maßnahmen wie die Elternteilzeit. Vor allem skandinavische Modelle könnten hier als Vorbild dienen.

Foto: alphalight1/pixabay

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