Green Bonds auf dem Prüfstand

Wie „grün“ sind sogenannte Green Bonds tatsächlich?

Es ist eine gute Nachricht: Die weltweite Ausgabe grüner Anleihen hat die 500 Mrd-USD-Marke geknackt, wobei die Nachfrage weiter steigt

Es ist eine gute Nachricht: Die weltweite Ausgabe grüner Anleihen hat die 500 Mrd-USD-Marke geknackt, wobei die Nachfrage weiter steigt. Aber worum handelt es sich bei Green Bonds ganz genau genommen?

Ein weiterer Aspekt betrifft die sogenannte „Zusätzlichkeit“ (in Fachkreisen auch als Additionality bekannt) - also die Frage, ob die von grünen Anleihen finanzierten Aktivitäten auch ohne deren Ausgabe umgesetzt worden wären, und ob diese Bonds entscheidend zur Bewältigung von Problemen wie dem Klimawandel beitragen. Wäre die Zusätzlichkeit nicht gegeben, könnte man Green Bonds nämlich als mehr oder weniger obsolet bezeichnen.

Greenwashing entgegenwirken

Experten sehen das nicht so negativ, Ben Constable Maxwell, er ist Head of Sustainable and Impact Investing bei M&G, meint dazu gegenüber dem Börsen-Kurier: „Wir sind der Ansicht, dass grüne Anleihen zusätzliche Bedeutung haben, da sie die Finanzierung nachhaltiger Projekte oder Unternehmen erleichtern, die diese Mittel sonst nicht erhalten könnten. Grüne Anleihen werden ausgegeben, um Finanzmittel für einen bestimmten - umweltfreundlichen - Zweck oder ein spezielles Projekt aufzubringen. Vor allem muss der Emittent angeben, wie der Erlös verwendet wurde, mit einer Zusicherung durch Dritte.“ Wobei höchster Wert darauf gelegt wird, Greenwashing entgegen zu wirken: „Wir investieren nur in zertifizierte grüne Anleihen und identifizieren neue und bestehende Emissionen mithilfe von verfügbaren Screening-Tools wie Bloomberg. Der Fondsmanager wird auch die voraussichtlichen Auswirkungen der Anleihen und die Absicht des Emittenten bewerten“, so der Experte.

Andere Investmentprofis gehen ähnlich vor, Rhys Petheram, Co-Fondsmanager des „Jupiter Global Ecology Diversified“, erklärt: „Für uns ist entscheidend, ob Green Bonds nachhaltige Ziele erreichen. Ob also entscheidend zur Bewältigung von Problemen wie z.B. dem Klimawandel beigetragen wird. Zusätzlichkeit ist für uns ein Schlüsselfaktor für den Markt, um dessen gesamtes Potenzial auszuschöpfen.“ Jupiter begrüßt daher auch den Schwerpunkt auf Zusätzlichkeit bei der letzten jährlichen Green Bond Principles (GBP) Consultation. Bei den von der ICMA (International Capital Market Association), einem internationalen Branchenverband für Banken und Finanzdienstleister, entwickelten GBP handelt es sich um ein Regelwerk mit Selbstverpflichtung der Teilnehmer.

Intensive Diskussion

Inwiefern wird Additionality nun aber im Bereich von Grünen Anleihen beachtet, bzw. inwieweit können die anvisierten ökologischen Ziele erreicht werden? Petheram im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Die Situation ist nicht ideal, aber es gibt Verbesserungen. Wir sind hier auch aufgrund der EU-Bestrebungen für eine einheitliche Taxonomie bei nachhaltigen Investments weiterhin optimistisch. Dieses einheitliche Kategorienschema wird nützlich für alle Asset-Klassen, nicht nur für Anleihen sein. Positiv ist außerdem zu bewerten, dass die Diskussion rund um Zusätzlichkeit am Markt intensiver geworden ist.“

Investmentmöglichkeiten

Anleger, die sich für Nachhaltigkeit und vor allem Green Bonds interessieren, könnten den „Jupiter Global Ecology Diversified Fonds“ (ISIN: LU1388737576) ins Auge fassen. Dieses Multi-Asset-Produkt ist zu rund einem Drittel in Aktien und zu zwei Drittel in Anleihen investiert, die den Nachhaltigkeitskriterien von Jupiter entsprechen. Passende Corporate Bonds findet man z.B. im Bereich von Müllaufbereitungs/Entsorgungs-Unternehmen oder bei Firmen die auf Energieeffizienz und erneuerbare Energie setzen.

Ebenso bietet der „M & G (Lux) Sustainable Allocation Fund“ (LU1900799617) Zugang zu Grünen Anleihen. Auch hier handelt es sich um einen Multi-Asset-Fonds, der die Vorteile einer flexiblen Asset-Allocation mit einem verantwortungsbewussten Investmentansatz verbindet.

Foto:Fotolia/Fantastista

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