Mamutprojekt „Brexit-Lösung“ abgeschlossen

Im Gespräch mit Christian Nuschele vom schottischen Versicherer Standard Life.

Nachdem ein schottisches Gericht am 19. März die Pläne des in Österreich tätigen Versicherungsunternehmens Standard Life genehmigt hat, bestätigte dieses, dass die auf Euro lautenden Versicherungsverträge – um die Kontinuität für die Kunden aufrecht zu erhalten – per Ende März von der schottischen Standard Life Assurance Limited auf die irische (und somit EU-Gesellschaft) Standard Life International DAC übertragen wurden. Wir haben gemeinsam mit Vertriebschef Christian Nuschele hinter die Kulissen dieser umfangreichen Prozesse geblickt.

Börsen-Kurier:Herr Nuschele, das – verzeihen Sie bitte – auf gut Österreichisch „Kasperltheater“ um den Brexit nimmt nicht nur alle Schotten und Nordiren in Geiselhaft, auch die britische Wirtschaft wurde und wird vor Herausforderungen gestellt. Wie haben Sie persönlich die vergangenen Monate und Wochen erlebt?

Christian Nuschele:Es waren sehr intensive, arbeitsreiche Monate. Wir haben in den vergangenen 36 Monaten an einer Brexit-Lösung gearbeitet, mussten natürlich auch immer einen Blick auf die politischen Entwicklungen werfen und ganz wichtig immer unsere Vertriebspartner und Kunden über unsere Pläne informieren und ihre Rückfragen beantworten. Aber all das liegt hinter uns: Wir haben das Mammutprojekt pünktlich abgeschlossen und waren am 29. März 2019 startklar.

Börsen-Kurier:Um die Geschäftsbeziehungen zu Ihren rund 600.000 Kunden in Österreich Deutschland und Irland nahtlos fortführen zu können, haben Sie – als Versicherungskonzern mit Hauptsitz in Edinburgh – die Verträge im vergangenen Monat auf eine gleichlautende Gesellschaft in EU-Irland übertragen. Lassen Sie uns bitte etwas tiefer in die diesbezüglichen Überlegungen und die Umsetzung blicken.

Nuschele:Wir haben direkt nach dem Referendum unterschiedlichste Optionen geprüft. Nach intensiver Abwägung haben wir entschieden, die bereits etablierte Standard Life International DAC in Dublin auszubauen und die Bestände unserer europäischen Kunden an diese Gesellschaft zu übertragen.

So konnten wir sicherstellen, dass wir die bestehenden Verträge erhalten und unseren Verpflichtungen weiterhin nachkommen können. Nach der Übertragung der Bestände ist Standard Life international mit 600.000 Versicherungsverträgen und rund 26 Mrd Euro Versicherungsvertragsvermögen übrigens der zweitgrößte Versicherer Irlands.

Börsen-Kurier: Demnach ist alles reibungslos über die Bühne gegangen. Ändert sich nach außen hin irgendetwas für Endverbraucher bzw. Ihre Vertriebspartner?

Nuschele:Ja, es ist alles reibungslos über die Bühne gegangen. Es war besonders wichtig, eine Lösung zu finden, die für unsere Kunden und Vertriebspartner möglichst wenige Änderungen bringt. Dies ist uns gelungen. Die Verwaltung und Betreuung der Verträge wird aber weiterhin in Deutschland und Österreich stattfinden. Die Ansprechpartner bleiben die gleichen, nach der Übertragung gilt weiterhin österreichisches Vertrags- und Steuerrecht. Und natürlich hatte die Übertragung auch keine Auswirkungen auf die Vertragswerte und garantierten Leistungen.

Börsen-Kurier:In der österreichischen Tagespresse wurde thematisiert, dass die Verträge künftig nicht mehr unter dem Schutz des britischen Financial Services Compensation Scheme (FSCS), einem Ausfallsfonds, stehen. Das suggeriert, dass es gefährlicher ist, innerhalb der EU einen Versicherungsvertrag abzuschließen. Wie steht es also um die Sicherheit der Verträge?

Nuschele: Die Kunden müssen sich keine Sorgen machen. Sie werden künftig durch die irischen aufsichtsrechtlichen Vorschriften geschützt, die auf einer EU-Richtlinie beruhen und insofern mit den österreichischen Regeln vergleichbar sind. Danach werden die Ansprüche der Kunden aus Lebensversicherungen durch ein sogenanntes Sicherungsvermögen geschützt. Sicherungsvermögen sind Kapitalanlagen, die der Versicherer getrennt von seinem sonstigen Vermögen verwahren muss. Für den Fall, dass Standard Life International DAC wider Erwarten insolvent werden sollte, stehen diese Kapitalanlagen vorrangig für unsere Kunden zur Verfügung. Das bedeutet: Unsere Kunden werden bei Geschäftsausfall zuerst aus diesem Sicherungsvermögen bedient (abgesehen von den Kosten für das Insolvenzverfahren).

Börsen-Kurier: Aber kommen wir abschließend von der großen Weltpolitik wieder ins beschauliche Österreich. Was haben Sie hierzulande vor?

Nuschele:
Wir haben in den vergangenen Monaten in Österreich sehr viel geleistet: Wir haben mit B-SMART Invest ein neues Produkt auf den Markt gebracht, wir haben die Fondsauswahl in unseren Polizzen verbessert und wir haben „Future Ready“, ein Weiterbildungsprogramm für Berater gestartet. Mittlerweile ist auch unsere Vertriebsmannschaft wieder komplett, wir haben zwei tolle neue Kollegen gefunden. Darauf werden wir aufbauen. In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf ergänzende Investmentlösungen, auf die Modernisierung unserer Produktpalette und die Stabilisierung unserer Partnerschaften im Markt.

Foto: Standard Life