Wenn Zölle den Wohlstand vernichten

Der Handelskrieg zwischen den USA und China belastet nicht nur die Wirtschaft dieser beiden Staaten.

Michael Kordovsky. Seit 1950 fielen die durchschnittlichen Zölle für Handelsgüter weltweit von gut 40 % auf rund 3 % des Warenwertes. Der Welthandel begann zu florieren. Von 1950 bis 2017 wuchs das globale Exportvolumen von 61,81 auf 17.707,43 MrdUSD, was einem Zuwachs von 8,8 % p.a. entspricht. Diese Entwicklung war auch eine wesentliche Grundlage des weltweit wachsenden Wohlstandes. Eine Untersuchung von sieben Regionen in unterschiedlichen Zeiträumen zeigte eine deutliche Korrelation zwischen Wachstum des Exportvolumens und des Pro-Kopf-BIP (Quelle: Ventura, 2005; A global view of economic growth. Handbook of economic growth). Doch mit US-Präsident Donald Trump droht nun ein Ende dieser Periode des Wohlstandes.

Richtig los ging es am 8. März 2018 mit dem Beschluss zusätzlicher Zölle in Höhe von 25 % auf Stahl sowie 10 % auf Aluminium. Die EU kündigte daraufhin Gegenmaßnahmen an und im Sommer 2018 eskalierte der Handelskonflikt mit China, ehe nach einer zwischenzeitlichen Verhandlungspause der Konflikt erneut aufflammte. Seit 10. Mai 2019 erheben die USA eine Sonderabgabe von 25 % auf bestimmte chinesische Produkte aus 5.700 Kategorien im Volumen von 200 Mrd USD. China reagierte prompt mit Gegenzöllen auf US-Waren im Wert von 60 Mrd USD, worauf die USA eine Liste aus 3.805 Produktkategorien im Wert von 300 MrdUSD für weitere Zollerhöhungen veröffentlichten. Trump drohte sogar mit Strafzöllen von 25 % auf alle aus China eingeführten Produkte. Die weitere Vorgangsweise entscheidet sich im Juni. Eine gefährliche Entwicklung nimmt ihren Verlauf.

Beide Seiten verlieren
Erstens herrscht gemäß dem Motto „Wie du mir, so ich dir“ eine Handlungsfolge von Zöllen und Gegenzöllen, und zweitens bezahlen die von den USA verhängten Zölle nicht die Chinesen sondern amerikanische Firmen und Konsumenten. Laut einer Studie der Universität von Chicago und der New Yorker Fed erhöhte sich 2018 beispielsweise der Preis für eine Waschmaschine um durchschnittlich 86 USD und jener eines Trockners um 92 USD. Gleichzeitig nehmen die wechselseitigen Handelstransaktionen ab: Von 2001 bis 2018 wuchs in den USA das Importvolumen aus China um 10,3 % p.a. Im Jahr 2018 gab es allerdings nur noch einen Zuwachs um 6,7 % auf 539,5 MrdUSD. Die Exporte der USA nach China wuchsen im gleichen langjährigen Zeitraum um 11,4 % p.a., aber waren 2018 bereits um 7,4 % auf 120,3 MrdUSD rückläufig. Im ersten Quartal 2019 entfalteten dann die bisherigen Zölle ihre destruktive Wirkung. US-Importe aus China brachen laut Daten des U.S. Census Bureau um 13,9 % auf 105,97 MrdUSD ein und US-Exporte nach China um 18,8 % auf 25,99 MrdUSD. Im Jahr 2018 fiel Chinas Wirtschaftswachstum mit 6,6 % auf ein 28-Jahrestief und im ersten Quartal 2019 folgte eine weitere Verlangsamung auf 6,4 %. Nun reagiert als Ausgleich auf die Zölle der Wechselkurs des Yuan-Renminbi, der gegenüber dem US-Dollar per 17.5.2019 auf Jahressicht um 7,8 % abwertete.

Nichts gelernt
Offensichtlich haben in den USA einige gewichtige Entscheidungsträger der Handelspolitik nichts aus der Geschichte gelernt. Ein Horrorszenario begann nämlich am 17. Juni 1930, als die US-Regierung nach dem Börsenabsturz versuchte, im Zuge des „Smoot-Hawley Tariff Acts“ die Wirtschaft mit Zollanhebungen bei mehr als 20.000 Produkten zu schützen. Dies war aber der Auftakt zu einem Handelskrieg mit Ländern wie Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Großbritannien verließ den Goldstandard, wertete das Pfund ab und errichtete mit den Commonwealth-Staaten einen mit Zöllen abgeriegelten Handelsblock. Zwischen 1929 und 1933 fielen die Exporte der USA um 61 % und die Weltwirtschaftskrise nahm ihren Verlauf. Erst unter dem neuen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt erfolgte ab 1933 wieder die Rückkehr zum Freihandel.

Fazit
Ein Zollkrieg bringt weltweit nur Verlierer hervor.

Foto: Adobe/Mike Marreen

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