„Klimakiller“ Elektro-Auto?

Elektro-Boliden sollen für die massenhafte Vernichtung von Regenwäldern verantwortlich sein.

Harald Kolerus. Es ist schon ziemlich starker Tobak, was auf der Homepage des deutschen Vereins „Rettet den Regenwald“ zu lesen ist. Das Elektroauto sei demnach nämlich ein „Regenwaldkiller“. Zur Begründung heißt es unter anderem, dass Elektro-Boliden Strom benötigten, dessen umweltfreundliche Erzeugung keineswegs gesichert sei. Aber auch schon vor dem ersten gefahrenen Kilometer würden gewaltige Schäden an Mensch und Natur durch den Abbau und die Verarbeitung der für die Autoproduktion benötigten Rohstoffe entstehen. Eine Behauptung die durchaus mit harten Zahlen belegt werden kann: „Etwa 1.800 Kilogramm Metalle und andere Materialien stecken in einem E-Auto der Mittelklasse wie dem Opel ,Ampera-e’; vor allem Stahl, Aluminium, Kupfer und Kunststoffe“, heißt es seitens „Rettet den Regenwald“. Im Falle der deutschen bzw. europäischen Autoindustrie stammen diese Rohstoffe sogar zu fast 100 % aus Importen, und zwar ganz besonders aus tropischen Ländern und Gebieten der Erde. Und diese Fakten würden E-Autos eben zu „Regenwaldkillern“ machen.

Schön und gut, aber gilt das nicht auch für herkömmliche Pkw oder auch Züge, Fahrräder usw.? Ohne Rohstoffverbrauch geht bzw. fährt eben nichts.

Besonders umweltschädlich
Das bestreitet man auch bei „Rettet den Regenwald“ nicht, fügt aber hinzu: „Neben den genannten Rohstoffen, die auch in Autos mit Verbrennungsmotor enthalten sind, benötigen Elektroautos eine Vielzahl seltener Metalle und Seltener Erden, deren Abbau und Verarbeitung mit immensen Schäden für die Umwelt, das Klima und die Menschen in den Abbaugebieten verbunden sind.“ Klaus Schenk, Fachmann für Forstwirtschaft und Energiefragen bei „Rettet den Regenwald“, führt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier näher aus: „Für die Batterien der E-Autos werden heikle Rohstoffe wie Kobalt, Mangan oder Lithium benötigt, die Liste lässt sich fast beliebig fortsetzen. Wir prangern an, dass die Politik E-Autos als umweltfreundlich und klimaneutral anpreist und noch dazu mit Milliardenbeträgen subventioniert.“

Aber wie sieht die Alternative aus, der Verbrennungsmotor kann sie ja ebenfalls nicht sein? Schenk rät dazu, sich die Frage zu stellen, wie sinnvoll es ist, hunderte Millionen E-Autos zu bauen und die konventionellen Modelle dadurch zu ersetzen. „Das stellt jedenfalls keine Alternative dar, sondern würde zu einem unglaublichen Rohstoffengpass führen. Statt an den Individualverkehr sollte man mehr an öffentliche Verkehrsmittel wie die Eisenbahn denken. Hier können viel mehr Personen transportiert werden, und das praktisch rund um die Uhr. Der Pkw steht hingegen Tag für Tag oft 22 oder 23 Stunden herum.“

Recycling und mehr
Was halten nun Investoren von der Kritik, denn immerhin stellt E-Mobilität in vielen Fonds ein wichtiges Thema dar? Der Börsen-Kurier hat dazu bei Clemens Klein, Fondsmanager des „Erste WWF Stock Environment“ (ISIN: AT0000705678) und auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisiert, nachgefragt. „Wir sind uns durchaus bewusst, dass E-Autos auch Schattenseiten aufwerfen. So etwa, dass Kobalt zu mehr als der Hälfte im Kongo produziert wird. Ein Land mit politischen Schwierigkeiten und aus dem auch Arbeitsrechtsverletzungen bis hin zur Kinderarbeit berichtet werden“, sagt der Experte. Er setzt daher auf die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der gesamten Lieferkette, aber auch auf den technischen Fortschritt. „Früher hatte Kobalt einen Anteil von 50 % in den benötigten Batterien. Durch eine neue Zusammensetzung konnte diese Quote bis auf 20 bis 30 % gedrückt werden.“ Auch Recycling wird in diesem Bereich laut dem Experten zu einem immer größeren Thema. Ein gutes Beispiel hierfür bietet Umicore (BE0974320526), das auf Recycling spezialisierte Unternehmen kann schon heute 90 bis 95 % des Kobalts aus den Batterien wiederverwerten.

Klein abschließend: „Studien gehen davon aus, dass E-Autos in Österreich bei unserem gegenwärtigen Energie-Mix bis zu 90 % weniger Treibhausgase verursachen. Alles in allem überwiegen bei E-Autos also die Vorteile.“

Foto: Adobe Stock / Petair

 

 

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