Investieren mit Rückenwind

Aktienanleihe auf Windkraftanlagen-Produzenten Nordex und Vestas erscheint interessant.

Harald Kolerus. Der Klimawandel ist nicht nur in aller Munde, sondern hautnah spürbar: Von den zehn heißesten Sommern der 253-jährigen meteorologischen Messgeschichte Österreichs fallen gleich neun in die jüngere Vergangenheit. Was in unseren Breiten vielleicht noch als lästige Erscheinung hingenommen werden kann, führt anderswo möglicherweise direkt in die Katastrophe: So könnten laut dem Weltklimarat bis Ende des Jahrhunderts die Meeresspiegel um 43 bis 84 Zentimeter ansteigen. Dadurch würden Regionen bedroht, in denen heute hunderte Millionen Menschen leben.

Im Gegenzug setzt die Politik stark auf Erneuerbare Energien; im wichtigen Markt Deutschland nicht zuletzt auf Windkraft. Heiko Geiger, Zertifikate-Spezialist bei Vontobel, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier: „Windenergie nimmt rund ein Viertel der Netto-Stromproduktion in Deutschland ein. Außerdem plant die deutsche Bundesregierung bis 2030 den Anteil der Erneuerbaren Energien von derzeit 38 auf 65 % anzuheben, Windkraft bildet darin einen zentralen Baustein.“

Zuletzt nicht rund

Allerdings bläst auch heftiger Gegenwind: Vor allem in Deutschland herrscht eine kontroversielle Diskussion, wobei Kritiker die Zahl der Windräder zurückdrehen wollen (Stichworte: „Ortsverschandelung“ und Leben im Windschatten). Tatsächlich wurden gerade einmal 35 Windräder im ersten Halbjahr 2019 in Deutschland neu errichtet, über das ganze Land verteilt stehen derzeit schon fast 30.000 Anlagen. Die Geschäfte im wichtigen Absatzmarkt Deutschland verlaufen also schleppend, ist es angesichts dieser Konstellation eine gute Idee, in Windenergie zu investieren? Es spricht einiges dafür, wenn man bedenkt, dass sie ein wichtiger Bestandteil für den Mix nachhaltiger emissionsfreier Energieproduktion ist; außerdem ist es nicht zu erwarten, dass die deutsche Politik dieses „Liebkind“ fallen lassen will. Vor allem soll es weniger planungs- und genehmigungsrechtliche Hürden geben, damit wieder Fahrt aufgenommen wird.

Interessante Titel

Das könnte auch Nordex, einem großen deutschen Hersteller von Onshore-Windenergieanlagen, zugutekommen, der außerhalb Chinas zu den weltweiten Top 5 der Branche zählt. Die dänische Vestas Wind Systems spielt ebenfalls im Konzert der ganz Großen mit und hat nach eigenen Angaben mehr Windkraftanlagen installiert als irgendein Konkurrenzunternehmen rund um den Globus.

Vontobel hat zu diesen beiden wichtigen Playern die „9,00% p.a. Protect Multi Aktienanleihe auf Nordex, Vestas (Quanto EUR)“ herausgegeben (ISIN: DE000VF7WJD1). Interessant ist hier nicht nur der Kupon von stattlichen 9 % jährlich, unabhängig von der Entwicklung der Basiswerte, sondern der bisherige Kursverlauf seit Start Ende Juli. Damals setzte eine Abwärtsentwicklung beider Aktien ein, die Ende August ihr Tief erreichte, seither zeigen die Kurse wieder aufwärts. Das bedeutet: Wer heute auf dem Sekundärmarkt die Aktienanleihe kauft, kann auf Kursgewinne plus Kupon zu Ende der Laufzeit im September 2020 hoffen. Vorausgesetzt die Barriere wird nicht unterschritten. Denn Anleger (und jetzt wird es technisch) erhalten am Rückzahlungstermin den Nennbetrag, wenn der Referenzpreis beider Basiswerte am Bewertungstag auf oder über dem jeweiligen Basispreis liegt. Wenn wiederum der Referenzpreis eines Basiswerts am Bewertungstag unter dem Basispreis liegt, erhalten Investoren einen Geldbetrag, der unmittelbar von der Wertentwicklung des Basiswerts mit der schlechteren Wertentwicklung abhängt. Simpel ausgedrückt: Dann drohen Anlegern Verluste.

Fazit

Man sieht also, dass es sich hier nicht um eine Möglichkeit für besonders konservative Anleger handelt; wer an die Zukunft der Windenergie und die weitere Erholung von Vestas und Nordex glaubt, könnte aber ein kalkuliertes Risiko eingehen und seine Segel in den Wind setzen.


Foto: Nordex

 

 

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