Schwellenländer: Im Sog des Handelskriegs

Bei Lyxor sieht man wegen der Turbulenzen an den Schwellenländer-Börsen jetzt eine gute Kaufgelegenheit.

Raja Korinek. So richtig haben wohl noch die wenigsten Marktbeobachter den Durchblick, wenn es um den US-Handelsstreit mit China geht. Wurde erst vor kurzem ein vermeintlicher Durchbruch vermeldet, prangerte US-Präsident Donald Trump zuletzt das langsame Tempo bei den Verhandlungen an. Und das hat auch Spuren an den Börsen hinterlassen. Vor allem jene in den Schwellenländern werden von den Querelen belastet, wobei Chanchal Samadder, Leiter für Produktstrategien bei französischen Lyxor ETF, die negative Reaktion übertrieben findet.

Indien mit interessantem Potential

Er meint, das gelte allen voran für Indiens Aktienmarkt. Dazu verweist Samadder etwa auf das US-Handelsdefizit gegenüber Indien, das mit rund 25 MrdUSD ver-gleichsweise gering sei. Mit China hat es 350 MrdUSD erreicht. Obendrein macht die Exportquote in die USA 2 % der Wirtschaftsleistung aus, ist damit nur halb so groß wie Chinas oder Südkoreas Quote. Denn Indiens Wirtschaft hat einen großen Fokus auf den Binnenmarkt, ist somit weniger dem internationalen Geschehen ausgesetzt.

Interessierte Anleger, die sich das Risiko zutrauen, können beispielweise mit einem börsengehandelten Indexfonds, einem ETF, auf einen weiteren Aufschwung an Indiens Börse setzen. Grundsätzlich erzielten Anleger gerade in den Emerging Markets eine höhere Rendite mit einem Indexinvestment als mit einem aktiv verwalteten Fonds, erklärt Samadder dazu.

Der Grund? Noch seien die Börsen in diesen Regionen stark von allgemeinen Nachrichten getrieben, und weniger von einzelnen Unternehmensmeldungen. Gibt es einmal negative Schlagzeilen zu einem Land, werde deshalb gleich auch der gesamte Index abverkauft. Da helfe geschickteste Stock Pickings wenig, sagt der Lyxor-Experte.

Er räumt aber auch ein, dass dieses Phänomen inzwischen abnehme, da die Schwellenländer zunehmend entwickelt seien.

Positive Meldungen als Zugpferd

Freilich, die gleiche Entwicklung gilt auch in die andere Richtung, sprich, bei positiven Nachrichten. Und davon gebe es für Indien genügend, findet Samadder. Allein in Indien brumme der Konjunktur-motor, auch der große Bevölkerungsanteil junger Menschen sei ein wichtiger Treiber. Obendrein gab die indische Regierung im September die Senkung der Unternehmenssteuern von 30 auf 22 % bekannt.

Eine Möglichkeit, auf einen Aufschwung des indischen Marktes zu setzen, bietet etwa der "Lyxor MSCI India UCITS ETF" (ISIN: FR0010361683), der auf Large Caps und Mid Caps aus der Region setzt.

Anleger, die lieber in den MSCI Emerging Markets Index investieren wollen - zum Beispiel mit dem Invesco „MSCI Emerging Markets UCITS ETF“ (IE00B3DWVS88) -, sollten die jüngsten Indexentwicklungen gut kennen, meint Samadder. Darin ist Chinas Anteil inzwi-schen auf rund 34 % angestiegen.

Chinas Gewichtung steigt

Grund ist die Aufnahme der Festlandtitel, der sogenannten „A-Aktien“. Erst vor kurzem wurde deren Gewichtung auf 4,1 % erhöht. Der Rest entfällt auf chinesische Aktien, die in Hongkong oder in den USA notieren. „Anlegern, denen Chinas Anteil nunmehr zu hoch ist, können in einen Schwellenländer-ETFs investieren, der chinesische Aktien auslässt“, sagt Samadder. Eine solche Möglichkeit bietet der Lyxor „MSCI Emerging Markets Ex China UCITS ETF“ (LU2009202107).

Trotz der langfristig positiven Wachstumschancen bei den Schwellenländern müssen Anleger dennoch hohe Kursschwankungen in Kauf nehmen und natürlich das Währungsrisiko immer beachten.

Foto: Pixabay / Simon

 

 

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