Skandinavien: Hort der Sicherheit

Sowohl Wirtschaft als auch Börsen behaupten sich im weltweiten Wettbewerb.

Raja Korinek. Wer sich derzeit in Europa nach Investmentchancen umsieht, wird mitunter genauer hinsehen müssen. Viele Indizes sind - im Gegensatz zu den US-amerikanischen Pendants - weit von historischen Hochs entfernt. Der DAX in Frankfurt scheint auf den ersten Blick eine Ausnahme darzustellen. Allerdings werden in dem Index Dividendenausschüttungen miteinberechnet. Insgesamt belasten zahlreiche Themen wie das schwache Wirtschaftswachstum, die lahmende Autoindustrie oder das Brexit-Chaos.

Nordische Länder als Lichtblick
Eine Region sticht allerdings besonders positiv hervor: Mike Judith, Leiter internationaler Vertrieb bei DNB Asset Management, verweist im Gespräch mit dem Börsen-Kurier bei seinem Wien-Besuch auf die nordischen Länder. Die Wirtschaft in den Regionen steht grundsätzlich auf soliden Beinen. Judith betont zudem: „Die Staatsfinanzen sind durchaus gesund.“ Immerhin liegt die Staatsschuldenquote in Norwegen bei nur 37 %, in Schweden bei 41 %. Freilich, Norwegen profitiert vor allem von den Öl-Einnahmen, mit denen der Staatsfonds gespeist wird. Inzwischen steuert man in Norwegen der brummenden Konjunktur sogar entgegen. Heuer gab es bereits drei Zinsanhebungen, auf nunmehr 1,5 %.

Der DNB-Experte verweist aber auch auf das gute Abschneiden der Länder in internationalen Rankings, etwa im „Ease of Doing Business“. Bei der Korruption liegen die Länder hingegen weit unten, wie der Blick auf den „Corruption Perception Index” zeigt.

Zahlreiche Exportmeister
Womit noch die Frage bleibt, wie es in der Finanzwirtschaft in der Region aussieht. Tatsächlich notieren an den Börsen zahlreiche, stark exportorientierte Weltmarktführer, wobei vor allem Industrieunternehmen dominieren, aber auch Finanzwerte gut vertreten sind. Das wurde bislang von Anlegern durchaus honoriert, wie ein langfristiger Vergleich der Wertentwicklungen zeigt. Allein in den vergangenen zwanzig Jahren legte der MSCI Nordic Index um mehr als 300 % zu. Im Vergleich dazu betrug das Plus beim MSCI Europe Index 134 %.

Einzig: Die nordischen Märkte können ein gutes Stück schwanken, und korrigieren in Abwärtsphasen teils besonders kräftig. Weil sie in Aufwärtstrends dafür besonders kräftig anziehen, könnte eine Korrektur umso mehr eine gute Kaufgelegenheit bieten.

Doch wie geht das Fondsmanagement - etwa im „DNB Fund - Nordic Equities“ (ISIN: LU008342 5479) - konkret vor? Zu den größten Positionen zählt derzeit der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk (DK006053 4915), der ein Weltmarktführer im Bereich Diabetes ist. Orsted (DK0060094928) ist hingegen ein großer Player im Bereich der Offshore-Windenergie. Und Neste Oyj (FI0009013296) ist ein finnischer Mineralölkonzern und Biokraftstoffhersteller.

Vielfalt ist essentiell
Allerdings gibt es darüber hinaus allgemeine Entwicklungen, auf die Judith auch verweist. Er meint etwa die Konsolidierungswelle, die auch über die österreichische Fondswelt schwappte.

Tatsächlich sorgten in den vergangenen Jahren internationale Übernahmen am Heimmarkt für große Schlagzeilen. Die Folgen? Nun gebe es hierzulande tendenziell nicht nur weniger Dachfondsmanager, sondern auch eine reduzierte Fondsauswahl.

Letztendlich bekämen aber auch die Endanleger das geschmälerte Angebot negativ zu spüren.

Und das ist nicht alles. Auch würden viele Entscheidungen aufgrund der nunmehr ausländischen Eigentümer nicht mehr vor Ort getroffen, „somit nahe am Kunden“, konstatiert Judith, der darin einen Nachteil sieht. Schließlich hätten vor allem Privatanleger je nach Region durchaus unterschiedliche Ansprüche bei ihren Finanzgeschäften. Und darauf sollten die Vermögensverwalter ebenso möglichst direkt eingehen.

Foto: Adobe Stock / Denis

 

 

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