Nach Stillstand: Nikkei nimmt Fahrt auf

Eine neue Unternehmenskultur treibt die Aktiennotizen in Japan an.

Roman Steinbauer. Japans Aktienmarkt trat jahrelang auf der Stelle, gewinnt aber überproportional an Dynamik. Der Nikkei 225-Index legte seit 1. Oktober dieses Jahres um 11 % zu. Damit verlief die Börsenentwicklung in Tokio zuletzt agiler als dies an den westlichen Hauptmärkten der Fall war.

Zuzuschreiben ist dieses „Spätstarter-Verhalten“ der Börse der einst zweitstärksten Wirtschaftsmacht, einem einsetzenden Restrukturierungsprozess.

Gesellschaften schlanken ab und richten sich neu aus. Zunehmend springt ein spekulativer Kapitalzufluss an.

Aktiv-Investoren nützen Entflechtungen
Zwei Jahrzehnte nachdem Anteilhaber am Konglomerat Toshiba Corp. (ISIN: JP3592200004) deprimierende Zeiten durchlebten, akzentuiert sich ein Aufwärtstrend. Nach Umstrukturierungen in Folge der Atomkraftwerkskrise, sitzen heute Anteilsaktivisten im Vorstand der Gesellschaft. Nach dem Erwerb von NuFlare Technology wird die Wiederaufnahme in den Nikkei-Index in Aussicht gestellt. Neben den Kraftwerken, dem TV- und PC-Geschäft, spielt Toshiba heute in der Halbleiterindustrie, der Infrastruktur, dem Medizinsektor und bei Haushaltsgeräten eine bedeutende Rolle. Der Hersteller erwirtschaftete im 3. Quartal mit 360 Mio€ den höchsten operativen Gewinn seit zwei Jahren und plant nun drei der gelisteten Tochterunternehmen komplett aufzukaufen.

Der Teil-Mitbewerber Hitachi (JP3788600009) markiert einen rasanten Kursausbruch (+44 % seit zwölf Monaten) aus der Lethargie. Fantasie weckte, dass die hauseigenen Autozulieferer nun mit jenen von Honda Motor fusioniert werden und dazu der Chemiebereich veräußert wird. Das Erheben der Panasonic-Aktie (JP3866800000) ist ebenso einer Positionsoptimierung zuzuschreiben.

Investmentstrategen orten Bewertungsanomalien
ASPOMA Asset Management identifiziert Japans tief bewertete Unternehmen. Der Fokus zielt auf einen hohen „free cash-flow“ und eine effiziente Kapitalstruktur ab. Chefanalyst Harald Staudinger verweist auf die gegenwärtige Situation: „Die Bewertungen sind teilweise extrem niedrig. Bei manchen Unternehmen übersteigt der Inhalt der Beteiligungsportfolios den Börsenmarktwert um ein Vielfaches. Das über Jahrzehnte etablierte Modell der sogenannten Überkreuzbeteiligungen ist im Rückzug. Es nahen Neubewertungen!“ Staudinger sieht die Verflechtungen der Firmen (in der Nachkriegszeit als hilfreiche Stütze zum Wiederaufbau gesehen) heute als Mühlstein um den Hals der japanischen Wirtschaft. Reformen der Governance-Regeln (zur Verpflichtung der Unternehmen, Queranteile entweder zu rechtfertigen oder aufzulösen) seien bereits im Laufen. Der „Konvoi-Kapitalismus“ der Nachkriegsjahre werde beendet, ein effizienterer Kapitaleinsatz führe zu mehr Wettbewerbsfähigkeit. Das ASPOMA-Management nennt wiederum Toshiba und Hitachi als jene Initiatoren, die mit der Regierung und der Notenbank eine Entflechtung der „Beteiligungsgoldgruben“ anstießen, um Japans Wachstumskräfte freizusetzen. Zudem diene die Anhebung der Steuersätze für Dividendenerträge, den Abbau von Minderheitsbeteiligungen zu beschleunigen.

Als Beispiel von Bewertungsanomalien nennt Staudinger die Pasona Group (JP3781490002) deren Beteiligungen dem 2,7-fachen des Börsenwerts entspreche. Spannend sei zudem die Bank of Kyoto (JP3251200006) mit einer 2,5-fachen Bewertung zur Marktkapitalisierung. Die Aktie werde aktuell zu einem Price/Book von 0,4 gehandelt. Alleine die Beteiligung an Nintendo liege aber bei 1,8 Mrd€.

Foto: Walkerssk/pixabay

 

 

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