Zinswende: „Bitte warten!“

OeNB-Gouverneur Robert Holzmann im Exklusiv-Interview mit dem Börsen-Kurier. (05.12)

Manfred Kainz. Sparer und konservative Anleger brauchen weiterhin einen langen Atem. Die Zinsen werden noch eine Weile im Keller bleiben. Der neue Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Robert Holzmann, erklärt im Gespräch mit dem Börsen-Kurier, ob und unter welchen Bedingungen wir in Europa mit dem Beginn einer Zinswende rechnen können.

Zeitnahe Entscheidung
Grundsätzlich gebe es zwei Elemente zu unterscheiden: Zum einen, Veränderungen, die von der EZB initiiert werden können. Also wenn sie Druck von der kurzen Seite der Ertragskurve nimmt, d.h. der negative Einlagenzinssatz auf null reduziert wird.

Und wenn die Wertpapierkäufe aufgehoben werden. Das sei abhängig von der „Forward Guidance“ der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Inflationsentwicklung. Die ist, so Holzmann, abhängig, ob und wie sich die geldpolitischen Zielsetzungen der EZB verändern werden. Diese würden laufend diskutiert und es werde „voraussichtlich zeitnahe“ festgelegt, ob das Inflationsziel bei knapp unter 2 % verbleibt, oder ein anderes Inflationsziel formuliert wird.

Hoffnung ab 2021
Zum anderen sei diese EZB-Ratsentscheidung auch von der Konjunkturentwicklung abhängig. Der OeNB-Gouverneur sieht derzeit keine Rezession, sondern eine normale „Abschwächung nach einer Hochkonjunktur“. Und es gebe die berechtigte Hoffnung, dass „die Talsohle Mitte 2020 durchschritten sein könnte“. Das sei u.a. deshalb möglich, da in der globalen Handelspolitik (Stichwort USA-China) „gütliche Entscheidungen nicht gänzlich unrealistisch“ erscheinen. Negative Realzinsen könnten somit innerhalb der nächsten Jahre der Vergangenheit angehören. „Früher wird es wahrscheinlich nicht gehen“, so Holzmann.

Achtung Geldillusion
Gleichzeitig dürfe man nicht einer „Geldillusion“ unterliegen. Seit 1949 wären viele Perioden zu verzeichnen gewesen, in denen - auch bei hohen Nominalzinsen- wegen der höheren Inflation die Realzinsen negative Vorzeichen hatten. Das jetzige Inflationsziel sei durchaus von einer „ökonomischen Ratio“ gekennzeichnet: Mit 2 % Inflation wären Reallohnanpassungen leichter durchsetzbar.

Dilemma
Dass institutionell verpflichtend vorsichtige Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen mit der aktuellen Zinslandschaft Probleme haben und ertragsattraktivere Alternativen suchen, versteht Holzmann zwar; allerdings stelle sich dann die Frage nach einer garantierten Mindestverzinsung. Selbst Nominalkapitalgarantien für Verträge mit bis zu 20 Jahren Laufzeit am Markt zu „hedgen“, werde sehr teuer.


Ein Quantum Trost
Kleiner Trost des OeNB-Gouverneurs: „Strafzinsen“ für Privatsparer - wie in Deutschland bereits eingeführt - werde es in Österreich - nicht zuletzt aufgrund eines entsprechenden OGH-Urteils - in absehbarer Zeit nicht geben.

Foto: OeNB

 

 

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