Technologie: Kommt jetzt die große Sektor-Rotation?

Dem Telekomsektor wird nun reichlich Aufholpotential eingeräumt.

Raja Korinek. Es war ein Jahrzehnt der Rekorde. Anleger, die auf Aktien aus der IT-, Halbleiter-, oder Softwarebranche setzten, konnten bislang fulminante Renditen erzielen. Selbst im abgelaufenen Jahr legten entsprechende Titel immer noch kräftig zu, wenn auch das Börsenjahr 2019 von einigen geopolitischen Turbulenzen begleitet wurde. Tatsächlich schnitt in den USA der IT-Sektor mit einem Plus von gut 44 % am besten ab, gefolgt von Kommunikationsdienstleistungen, damit weit mehr als der S&P 500.

Technologie ist teuer geworden

Mit den steigenden Kursen bei vielen Technologieaktien wurden allerdings auch deren Bewertungen immer teurer. Und damit legten die Erwartungen an die künftigen Gewinne ebenfalls zu. Begünstigt wird dieser Umstand unter Anderem vom langjährigen Zinstief. Das sei eben ein Umfeld, in dem vor allem Wachstumsaktien gefragt seien, erklärt Erling Kise, Fondsmanager des „DNB Fund TMT Absolute Return“ (ISIN: LU054771 4526) im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.

Die offizielle Benchmark für den Fonds sind zwar kurzlaufende deutsche Staatspapiere. Doch nach Chancen sucht der Experte im MSCI TMT Index. Kise setzt dabei auf steigende und fallende Kurse, je nach Einschätzung. Gerade weil viele Wachstumsaktien innerhalb des Technologiesektors derzeit aber recht hoch bewertet sind, wird Kise für seine „Short“-Positionen eher in diesem Bereich fündig. Bei den „Long“-Positionen liegt derzeit die Gewichtung verstärkt im sogenannten Value-Bereich. Dabei handelt es sich um Titel, deren wahrer Wert von der Börse noch nicht erkannt wurde.

Telekom bietet günstige Chancen

Das könnte sich demnächst ändern, und zwar vor allem im Telekomsektor. Kise hat deshalb entsprechend zugekauft, etwa bei Vodafone Group, Deutsche Telekom und Orange. Gerade in Europa wird dieser Branche jede Menge Aufholpotential eingeräumt. „Denkbar wären etwa weitere Konsolidierungen“, verweist der DNB-Fondsmanager auf eine mögliche Entwicklung. Das kann er sich beispiels-weise in Zusammenhang mit dem Start der nächsten Mobilfunkgeneration 5G vorstellen.

Der Investitionsbedarf darin ist hoch, weshalb voraussichtlich nicht alle Marktteilnehmer mithalten können. Idealerweise gibt es drei Mitwerber pro Land, damit sich der Aufbau von 5G rentiert. Derzeit sind es oftmals mehr Konkurrenten. Obendrein wird damit künftig das Datenvolumen kräftig steigen, woran die Unternehmen freilich verdienen. Allerdings mahnt Kise, Europa müsse den 5G-Start kräftiger forcieren. „Derzeit ist China am weitesten voraus“, verweist Kise auf die rasanten Entwicklungen in Fernost. Tatsächlich liegt im Reich der Mitte die Marktabdeckung schon jetzt bei rund 60 %.

2018 als ideales Krisenjahr

Dass sich auch die Short-Positionen auszahlen können, zeigte sich beispielsweise im 4. Quartal 2018. Da hatte der Fonds auf fallende Kurse unter anderem bei Apple gesetzt. Diese gaben in Mitten der Turbulenzen damals ein gutes Stück nach. Freilich, es kann aber auch anders kommen, wie sich im Vorjahr zeigte, als die Nachfrage nach Wachstumsaktien weiter anhielt.

Der Fonds beendete das Jahr deshalb mit einem Minus, wenn er auch seit 2007 im Schnitt jährlich 3 % - nach Spesen - zugelegt hat.

Der Zielertrag liegt im Übrigen bei 5 % p.a. Und könnte schon bald näher rücken. Kise lässt sich von kurzfristigen Entwicklungen jedenfalls nicht irritieren. Er meint: „Langfristig wird sich die starke Bewertungsdivergenz zwischen Value- und Wachstumsaktien im Technologiesektor schließen.“

Foto:  Adobe Stock / hqrloveq

 

 

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