Goldpreis langfristig bei 2.000 USD

Experte erklärt, warum das Edelmetall vor einem starken Ausbruch nach oben stehen sollte.

Harald Kolerus. Die Corona-Krise hat die Aktienbörsen auf Talfahrt geschickt, als erste Reaktion viel auch der Goldpreis, konnte jedoch im Gegenzug wieder kräftig zulegen. Das hat niemanden verwundert, hat das beliebte Edelmetall doch den Ruf, die Krisenwährung schlechthin zu sein.

Was mit dem 9. März folgte, war für viele Marktteilnehmer dann aber überraschend: Auch Gold schwenkte zuerst in eine Abwärtsbewegung um. Wie das zu erklären ist, wollte der Börsen-Kurier im Telefongespräch mit Christian Brenner, seines Zeichens Managing Director der philoro Schweiz AG, wissen.

Bei dem Unternehmen handelt es sich um einen der Marktführer im Bereich Edelmetallhandel in Europa. Spezialisiert ist man unter anderem auf den An- und Verkauf von Anlagemünzen und Barren sowie die bankenunabhängige Lagerung im Einzelschließfach, Depot oder Zollfreilager.

Überragende Performance
Brenner: „Die Kursbewegung bei Gold lässt sich in Wirklichkeit relativ einfach erklären: Im Zuge der extremen Aktienkorrektur müssen Unternehmen Geld auftreiben bzw. nachschießen. Sie bedienen sich deshalb dort, wo Liquidität freigemacht werden kann. Das führte zu den Verkäufen von Aktien aber eben auch Gold.“

Mit einem Blick in die Finanzhistorie ist das für den Experten aber kein Grund zur Beunruhigung für Gold-Investoren, im Gegenteil: „Wir haben dieses Bild bereits in der Krise von 2008 gesehen: Gold verlor kurzfristig, dann folgten aber extrem starke Phasen mit überragender Performance. Der Goldpreis fiel 2008 von 1.000 US-Dollar auf 750 US-Dollar die Feinunze und stieg bis auf 1.900 US-Dollar im Jahr 2011 wieder empor. Ich bin der Meinung, dass sich das wiederholen kann und das Edelmetall einen überproportionalen Ausbruch an den Tag legen wird.“

Wann das der Fall sein kann, lasse sich noch nicht seriös beantworten: „Die Marktdynamik ist zu stark, um jetzt schon einen ganz klaren Trend prognostizieren zu können. Bei einer schrittweisen Normalisierung der Gesamtsituation, ist die Zeit für Gold und den Ausbruch nach oben gekommen“, so Brenner. Der Experte weiß, dass es auch mögliche kurzfristige Korrekturen nach unten geben kann, langfristig geht er aber von einem Preis um die 2.000 US-Dollar je Feinunze aus.

„Sell out“
Somit ortet Brenner einen guten Zeitpunkt für Gold-Investments, wobei zur Zeit die Lage der Verfügbarkeit angespannt ist: „Wir sehen einen wahren Ausverkauf bei Goldmünzen, wobei wir einer der wenigen Händler sind, die den Online-Vertrieb aufrechterhalten. Auch wenn wir unsere Filialen aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation und der von der Regierung erlassenen Schutzmaßnahmen geschlossen haben: In unserem Webshop können Sie weiterhin rund um die Uhr Edelmetalle bestellen. Solange der Vorrat noch reicht.“ Jedoch natürlich mit der Einschränkung, dass Bestellungen nicht in den Filialen abgeholt oder Verkäufe an philoro nicht vorbeigebracht werden können. Als Liefermöglichkeit besteht somit der Versand, vorausgesetzt, dass die Post ihre Tätigkeiten nicht unterbrechen muss.

Bleibt noch die Frage, wieviel Gold in einem breit gefächertem Portfolio Platz hat? Brenner: „Normalerweise geht man von 10 bis 15 % aus, in der gegenwärtigen Situation könnte man diesen Anteil schon verdoppeln.“

Werterhalt über Jahrtausende
Übrigens: Gold ist nicht nur in Krisenzeiten eine interessante Investmentidee, was auf seiner praktisch epochenübergreifenden Wertstabilität beruht. Hierzu ein Beispiel aus dem alten Rom: Kleidung war damals eine teure Anschaffung, im Jahre 301 nach Christus kostete eine Tunika 2.000 Denar, was knapp 2 Aureus (Einheit mit ca. 11g Gold) entsprach. Heute ist dieser Wert mit einem Betrag von 800 Euro gleichzusetzen und entspricht einem maßgeschneiderten Anzug aus hochwertigen Stoffen.

Gold hat also das römische Reich überdauert, auch die Corona-Krise wird es wohl glänzend überstehen.

Foto: philoro

 

 

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