Ins schlummernde Potenzial der ASEAN-Länder investieren

Für Anleger mit längerem Atem bieten sich in den Volkswirtschaften Südostasiens Investmentchancen.

Patrick Baldia. „Die ASEAN-Länder haben sich im Vorjahr insgesamt nicht schlecht entwickelt, aber auch nicht spektakulär“, meint Mark Monson, Fondsmanager im Team CEE & Global Emerging Markets bei der Raiffeisen KAG. Untertreibt der Experte nicht etwas? Denn Indonesien und die Philippinen haben für 2019 ein BIP-Plus von mehr als 5 bzw. 6 % vorzuweisen, Laos und Kambodscha sogar von rund 7 %. In Thailand und Malaysia belief sich das Wirtschaftswachstum immerhin bei 3,5 bzw. 4,5 %.

Was Monson wirklich meint: Einmal mehr haben die Mitglieder der südostasiatischen Freihandelszone ihr tatsächliches Potenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft. So hätte das BIP-Wachstum Malaysias eigentlich bei 6 bis 7 % liegen müssen. Die Ursachen für den Status Quo sind überwiegend länderspezifisch. „Trotz starker Binnenmarktorientierung muss sich allerdings auch die globale Dynamik in die richtige Richtung bewegen“, erklärt Monson. Vor allem die größeren und offeneren Länder wie Thailand haben auch den Handelskonflikt zwischen den USA und China gespürt.

Thailand punktet jedenfalls mit einer starken Wirtschaft und einer Vielzahl an interessanten Firmen. „Zuletzt sind Investitionen ausgeblieben und auch der Konsum schwächelt. Daher sollten heuer auch die Unternehmensgewinne zurückgehen“, meint Omar Abu Rashed, Portfoliomanager Emerging Markets bei Union Investment. Auch sei ein benötigtes staatliches Investitionsprogramm bislang ausgeblieben. Dazu komme die derzeit grassierende Dürreperiode. Zu allem Übel wird auch das Coronavirus zunehmend zum Thema - vor allem im Tourismus, der rund 12 % der BIP-Leistung Thailands verantwortet. „Man darf nicht vergessen, dass rund ein Drittel der Gäste Chinesen sind“, so Jürgen Maier, Fondsmanager im Team CEE & Global Emerging Markets bei der Raiffeisen KAG.

Indonesien: Reformen greifen
Viel langfristiges Wachstums- und Entwicklungspotenzial schreiben Experten den Philippinen zu. Derzeit würden dort gerade die Infrastrukturprogramme der Regierung ins Laufen kommen. Und auch der Konsum entwickelt sich solide, während die staatliche und private Verschuldung gering ist. Problematisch ist für Abu Rashed allerdings die zunehmende Tendenz des Präsidenten Rodrigo Duterte, gegen Konglomerate vorzugehen. „Das könnte für Unsicherheit unter Investoren sorgen“, sagt er. Wenig imageförderlich sei auch dessen brutales Vorgehen gegen die Drogenkriminalität.

„Nach den letzten Wahlen und der Bildung einer Koalition werden jetzt Reformen umgesetzt“, macht Abu Rashed eine positive Entwicklung in Indonesien aus. So sollte etwa das Gesetzespaket „Omnibus Law“ den Mittelstand stärken und starke lokale und ausländische Investitionen auslösen. Die Reformtätigkeit sollte sich ab Ende 2020 in den Unternehmenszahlen zeigen. An der Börse gefallen ihm Banken und Konsumgüterwerte. Für Monson stechen neben Banken auch Telekomaktien sowie Zykliker wie Baufirmen hervor. Insgesamt wären an der indonesischen Börse mit Hinblick auf eine entsprechende Marktkapitalisierung allerdings nur 50 bis 60 Werte investierbar.

Zu geringe Liquidität stellt jedenfalls beim Investieren in der ganzen Region eine Herausforderung dar. Vor allem aber bei kleineren Ländern wie Kambodscha, Laos oder Myanmar, die man laut Experten aufgrund ihres Potenzials ebenfalls am Radar haben sollte. Monson empfiehlt zu diesen Märkten indirektes Exposure aufzubauen - etwa über thailändische Firmen, die dort zunehmend tätig werden. Mit Fonds, die entweder in ausgewählte Länder der Region investieren oder solche, die sich ausschließlich auf ASEAN-Staaten konzentrieren, können Anleger zudem ihr Risiko streuen. Dasselbe gilt für ETFs, die einschlägige Indizes abbilden.

Als schwarzes Schaf der ASEAN-Region gilt aktuell Malaysia. Leopold Quell, Fondsmanager im Team CEE & Global Emerging Markets bei der Raiffeisen KAG, verweist auf die engen Verflechtungen zwischen Staat und einigen Unternehmen, die die malaysische Wirtschaft prägen, dar. Wirtschaft und Börsenkurse hätten sich wegen der verfehlten Politik der neuen Regierung in den letzten beiden Jahren eher mau entwickelt. „Auch wenn die Situation zwar starr wirken mag, hat die Wirtschaft ins-gesamt einen soliden bzw. defensiven Charakter“, hält Quell fest. Komme es in anderen ASEAN-Ländern zu einer Korrektur, würde Malaysia outperformen.

Foto: Adobe Stock / SOPONE

 

 

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