Notenbanken im Kampf gegen die Corona-Krise

Notfallszinssenkungen und neue Geldspritzen stehen auf der Tagesordnung.

Michael Kordovsky. In den vorangegangenen Wochen haben die Notenbanken der Schwellenländer reihenweise ihre Leitzinsen gesenkt und/oder zusätzliche Gelder ins System gepumpt. Bereits Anfang Feber stellte die chinesische Zentralbank dem Finanzsystem 1.200 MrdCNY bzw. umgerechnet rund 156 Mrd Euro zur Verfügung. Es folgten weitere 900 MrdCNY oder 114,9 Mio Euro.

Am 5. Feber reduzierte die Brasilianische Zentralbank ihren Leitzinssatz um 0,25 %-Punkte auf 4,25 %, auch Thailand und Island reagierten am gleichen Tag und nur einen Tag später senkte die Zentralbank der Philippinen ihren Leitzins um 0,25 %-Punkte auf 3,75 %.

Am 7. Feber folgte die Russische Zentralbank (-0,25 %-Punkte auf 6,00 %) und rund eine Woche später Mexiko (-0,25 %-Punkte auf 7,00 %).

Am 19. Feber hatte die Türkische Zentralbank ihren Leitzins um 0,5 %-Punkte auf 10,75 % reduziert und Tags darauf senkten die Zentralbanken Chinas und Indonesiens ihre Leitzinsen von 4,15 auf 4,05 % bzw. von 5,00 auf 4,75 %.

Helikoptergeld und Notfalls-Leitzinssenkung
In Hongkong gibt es bereits „Helikoptergeld“: Um den infolge der Corona-Krise zum Erliegen gekommenen Konsum wieder anzukurbeln, schenkt die Regierung jedem Einwohner für Konsumzwecke umgerechnet rund 1,150 Euro. Damit sollen die Folgen der Krise eingedämmt werden.

Nachdem die Aktienmärkte im Zuge des schnellsten Crashs seit dem Zweiten Weltkrieg zweistellige Kursverluste erlitten, hielten am Dienstag, dem 3. März die Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Staaten einen Emergency-Call ab. Danach kündigten sie konkrete Gegenmaßnahmen an, darunter auch höhere Staatsausgaben falls erforderlich und nur wenige Stunden später folgte bereits die erste Notfall-Zinssenkung der US-Notenbank (Fed), die ihre Fed-Fundrate um 0,5 %-Punkte auf ein Niveau von 1,00 bis 1,25 % senkte.

Gleichzeitig reduzierten die Notenbanken Bahrains, Hongkongs und Saudi Arabiens im gleichen Ausmaß und jene Malaysias und Australiens um je 0,25 %-Punkte, während Tags darauf die Kanadische Zentralbank und jene Moldawiens ihre Leitzinsen um jeweils 0,5 %-Punkte zurücknahmen. In Macau folgte sogar eine Senkung um 1 %-Punkt auf 4,50 %.

Dies zeigt die Reaktionen rund um den Globus. Die Zinsen sind weltweit rückläufig und immer mehr wird die Notenpresse angeworfen. Seit November 2019 kauft die Europäische Zentralbank monatlich Assets (diverse Anleihen, Schwerpunkt öffentliche Anleihen) im Wert von 20 Mrd Euro. Die Fed erwirbt indessen monatlich kurzlaufende Staatsanleihen in Höhe von 60 MrdUSD (rund 531 Mrd Euro).

Diverse Marktbeobachter rechnen mit einer neuen Anleihen- und Aktienkaufoffensive der Notenbanken. Ed Yardeni von Yardeni Research kann sich indessen Helikopter Geld als eine Alternative für die USA vorstellen, denen auch Präsident Donald Trump und Fed-Chef Jerome Powell zustimmen könnten. Die elegante Version davon wären weitere Steuersenkungen auf breiter Basis. Die „Holzhammer-Methode“ hingegen wäre das Hongkonger Modell mit Direkt-Gutschriften pro Einwohner. Gleichzeitig könnte die Fed zusätzliche Staatsanleihen in einem ähnlichen Volumen wie die Ausgaben für Helikoptergeld aufkaufen.

Bald ein negativer Hauptrefinanzierungssatz in Euroraum?
Auch die EZB wird früher oder später handeln. Die EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag, dem 12. März, gibt Gelegenheit dazu.

Die sich im Umlauf befindlichen „EZB-Insidergerüchte“ deuten auf eine Vorbereitung von langfristig gezielten Krediten hin, die besonders kleinen und mittleren Unternehmen zugutekommen sollten, was durchaus den sozial-orientierten Verhaltensmustern von EZB-Präsidentin Christine Lagarde entsprechen würde, denn kleinere und mittlere Unternehmen, die durch die Corona-Krise in Mitleidenschaft gezogen wurden, haben es bekanntlich schwerer als große Konzerne, wenn es darum geht, an Finanzierungen heranzukommen.

Auch an der Zinsschraube könnte diesmal etwas gedreht werden. Um den Druck auf Banken zu erhöhen, weniger Überschussreserven bei der EZB zu parken, sondern die Gelder als Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben, könnte es zu einer Verschärfung des negativen Einlagenzinses für Banken bei der EZB kommen, der derzeit noch bei -0,5 % liegt.

Eine weitere Senkung auf bis zu -0,7 % ist durchaus denkbar und sollte die Corona-Krise tatsächlich zu einer Rezession führen, dann ist sogar eine Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes von derzeit 0,00 % ins negative Terrain möglich.

Indessen könnte die Fed ihre Fed-Fundrate wieder auf 0,00 bis 0,25 % zurücknehmen. Und der ab 16. März neue Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey, plädiert überhaupt für Notfallshilfen des Staates, da der Spielraum der Notenbank, die Wirtschaft mit Zinssenkungen zu unterstützen, sehr begrenzt ist. Er spricht sich dabei für Finanzhilfen an von der Corona-Krise betroffene Firmen aus.

Foto: Adobe Stock / Syda Productions

 

 

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