Wasserstoff lässt Kurse abheben

Die Spezialisten der Branche zählen aktuell zu den Überfliegern an der Börse.

Stefan Riedel, München. 400% Kursgewinne in zwei Monaten. Die Aktie US-Firma Nikola (ISIN: US65 41101050) zählt zu den größten Überfliegern im zweiten Börsenquartal. Eigene Umsätze erzielt Nikola noch nicht. Das Unternehmen entwickelt Elektro- und Wasserstoffantriebe für Lkw. Das erste rein akkubetriebene Nutzfahrzeug soll Ende 2021 über die Straßen rollen. Die Nikola-Aktie wird bereits mit einem Börsenwert von rund 23 MrdUSD gehandelt.

Das Kursfeuerwerk bei Nikola ist nur ein Beispiel für den aktuellen Run auf die Aktien von Firmen mit Wasserstofftechnologien. Wasserstoff kann vielfältig eingesetzt werden - als Fahrzeugantrieb, für die Speicherung von Energie und Kohlendioxid, aber auch in der industriellen Produktion. Profitabel sind die wenigsten dieser Spezialisten. Angesagt sind deren Aktien vor allem bei Privatanlegern. Deutlich differenzierter gehen Fondsmanager an den Sektor heran. „Bei Wasserstoff handelt es sich aktuell noch um eine extrem teure Technologie. Anwendungen sind derzeit nur in Nischenmärkten denkbar“, meint Marcus Ratz, Portfolio Manager bei der auf Nebenwerte spezialisierten Fondsgesellschaft Lupus Alpha aus Frankfurt. Sie ist aktuell nicht direkt in Unternehmen aus dem Bereich Wasserstoff-Technologie investiert.

„Nur in homöopathischen Dosen“ in Anlegerportfolios beimischen rät Alexander Funk, Portfolio Manager bei Ökoworld. Vor allem sollten Investoren den Kursen nicht mehr wahllos hinterherlaufen: „Bei den meisten dieser Nebenwerte sind die Zukunftsperspektiven bereits eingepreist, wenn man Bewertungskriterien für Wachstumsunternehmen wie das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Umsatz zugrunde legt.“ Wachstumsunternehmen mit Wasserstoff-Fokus, die noch rote Zahlen schreiben, könnten dann in die Ökoworld-Portfolios aufgenommen werden, wenn strategische Investoren an Bord seien, langfristig angelegte Kooperationen mit Industrie- und Autokonzernen am Laufen sein und die kapitalintensive Wachstumsfinanzierung bereits zur Marktreife von Technologien und Produkten geführt habe.

Wer das Risiko von Investments in Einzelwerten eingeht, kann auch über die traditionellen Gasehersteller Air Liquide und Linde das Wasserstoff-Thema spielen. Bei den reinen Wasserstoffspezialisten sind in der Aktie des Brennstoffzellenherstellers Ballard Power (CA0585861085) die Wachstumsperspektiven mit Wasserstoff bereits weitgehend eingepreist.

Nel Asa (NO0010081235) aus Norwegen zählt zu den Pionieren in der Wasserstofftechnik, vor allem bei den Elektrolyseuren, den Geräten zur Aufspaltung von Wasser in Wasser und Sauerstoff. Dazu ist das Unternehmen weltweit führend bei der Herstellung von Wasserstoff-Tankstellen-Systemen. Langfristig attraktiv für spekulative Naturen bleibt auch das schwedische Unternehmen Powercell (SE0006425815), das aus einer Ausgliederung des Volvo-Konzerns hervorging. Powercell entwickelt und liefert Brennstoffzellen-Systeme, unter anderem emissionsfreie Wasserstoffantriebe für Schiffe. Die Gesellschaft entwickelt ihre Produkte mit zahlreichen Industriepartnern, darunter Bosch und Scania. Für ein Neuengagement sollten Anleger Kursrücksetzer abwarten.

Das gilt auch bei Plug Power. Das US-Unternehmen erzielte 2019 Erlöse von 230 MioUSD mit seinen Brennstoffzellen für Gabelstapler. Nach einigen Zukäufen will Plug Power jetzt in neue Märkte für Straßen- und Luftfahrzeuge expandieren. Alle drei Wasserstoff-Aktien sind als spekulative Depotbeimischung gedacht.

Foto: AdobeStock / AA+W

 

 

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