Die Gewinner einer zweiten Welle

Auch das Portfolio sollte für eine zweite Corona-Welle gewappnet sein. Auf welche Aktien Sie im Falle des Falles setzen sollten.

Michael Kordovsky. Überraschungseffekte bleiben diesmal aus und damit auch die Begleiterscheinungen der ersten Corona-Welle. Von einer Wiederholung der Performance im Biotech-Bereich können Anleger nur noch träumen. Zu sehr wurden diese Werte schon gehypt. Die Impfstoffentwickler Inovio Pharmaceuticals und Moderna sind bereits seit Jahresbeginn je 340 bzw. 247 % im Plus und mit einer Marktkapitalisierung von jeweils 2,4 bzw. 26,8 MrdUSD (per 19.8.) nicht mehr billig. Schutzmasken und Desinfektionsmittel werden im Zuge des mittlerweile üppigen Angebots immer mehr zu einem „Commodity Business“ und Technologieunternehmen haben starke Anstiege hinter sich.

Auf der anderen Seite sind Airline- und Tourismusaktien bereits so sehr niedergeprügelt, dass sich bei weiteren Kursrückgängen eine antizyklische Akkumulation großer Unternehmen mit hoher Überlebenswahrscheinlichkeit mittelfristig lohnen könnte. Vor allem dann, wenn sich der Lockdown in der ursprünglichen Version nicht mehr wiederholt, sondern sich auf wenige Hot Spots beschränkt, könnten Werte wie Lufthansa (staatliche Rettung) und Booking Holdings (10,4 MrdUSD Cash-Reserven) durchaus Einstiegschancen bieten.

Mögliche Pleitewelle als Auslöser
Trotz steigender Corona-Zahlen sind die Aktienmärkte liquiditätsgetrieben im Aufwärtsmodus. Als Faktor hinzukommen „Fintech-Broker“ wie Robin Hood, die keine Transaktionsspesen berechnen und so ganze Heere junger Kleinanleger gewinnen. Erst wenn sich größere Firmenpleiten mehren und sich die Ertragslage der treibenden Giganten Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft und Facebook deutlich verschlechtert, dann ist die nächste Abwärtslawine da. Doch dies könnte sich noch bis ins Jahr 2021 hinein verzögern, denn die gefährdeten Firmen sind vorerst überbrückt und so lange nicht weltweit großflächige Lockdowns einsetzen, läuft die Erholung, wenn auch unterbrochen von zwischen-zeitlichen Turbulenzen, weiter.

Online-Handel und Logistik, Edelmetalle und Franken
Unabhängig von weiteren Szenarien hat sich der Trend hin zum Online-Handel beschleunigt. Nicht umsonst gab es im zweiten Quartal bei Amazon eine Mega-Überraschung: Laut Konsens von Zacks Investment Research erwarteten Analysten einen Gewinn von nur 1,74 USD/Aktie. Tatsächlich veröffentlichte Amazon 10,30 USD/Aktie. Einer starken Wachstumsdynamik erfreut sich auch Zalando, deren Anzahl aktiver Kunden im zweiten Quartal um 20,4 % auf 34,1 Mio wuchs, während bei 31,4 % Umsatzwachstum das bereinigte EBIT von 101,7 auf 211,9 Mio Euro anstieg. Ebenfalls über Chancen auf weitere Anstiege verfügen die niederländische Shop Apotheke Europe NV und der deutsche Kochboxen-Zustell-Service HelloFresh, der am 10. 8. seine Konzernumsatzwachstumsprognose 2020 von 55 bis 70 auf 75 bis 95 % anhob und nun anstatt einer bereinigten EBITDA-Marge von 8 bis 10 % einen Wert von 9 bis 11 % erwartet. Vom Online-Handelsboom profitierte auch der Paketzusteller United Parcel Service, dessen Umsatz im zweiten Quartal 2020 um 13,4 % auf 20,5 MrdUSD stieg, während sich der verwässerte Gewinn/Aktie um 4,6 % auf 2,03 USD verbesserte.

Doch Vorsicht: Unsicherheit bleibt ständiger Begleiter der Märkte. Als „Krisenwährungen“ sollten davon Gold und Schweizer Franken profitieren, weshalb ein Teil des Geldvermögens auf Frankenkonten und in physischem Gold gut aufgehoben wäre.

Foto: Pixabay / _freakwave

 

 

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