Nach Corona: Vier Trends für eine ganz Branche

Vorrang für Gesundheit, Vernetzung der Lebensbereiche, Sicherheit und vor allem Empathie.

Emanuel Lampert. Normalerweise findet der „Insurance Innovation Day“ jährlich in Wien statt. Corona ließ die Fachkonferenz heuer ins Internet ausweichen und wurde selbst zum Thema. Roger Peverelli, Mitbegründer der in den Niederlanden ansässigen „Digital Insurance Agenda (DIA) Community“, zählte vier Trends auf, die für Versicherer nach der Pandemie an Bedeutung gewinnen könnten.

Erstens: Gesundheit
Corona habe den Blick auf die Gesundheit und auf Angebote der Wellnessindustrie gelenkt. „Selbstbeobachtung“ - was isst man, wie viel sportelt man usw. - sei gefragter. Bei vielen sei die Bereitschaft sichtbar geworden, persönliche Daten zu teilen, siehe Tracing-Apps. Plattformen, die mit Tracking und Anreizen helfen, gesünder zu leben, werden „noch wichtiger“, folgerte Peverelli. Er rechnet auch mit einem Wachstum von Lebens- und Krankenversicherungen und meint, Versicherer sollten Services anbieten, die einen gesünderen Lebensstil fördern.

Zweitens: Vernetzung
Homeoffice, virtuelle Treffen, Streaming, Online-Sport: Corona habe einen „Crash-Kurs“ für digitale Vernetzung gebracht. Das beeinflusse die Mobilität. Wird das eigene Auto weniger genutzt, so forciere das eine „nutzungsbasierte“ Versicherung.

Im vernetzten Haushalt wiederum könnten Versicherer Dienste mit mehr Personalisierung anbieten, welche Risiken reduzieren und das „Heim-Management“ vereinfachen. Die Haushalts- und Eigenheimversicherung werde Aspekte wie „Internet der Dinge“ und Cybersicherheit einbeziehen müssen - nicht zuletzt, wenn sich das Zuhause zunehmend zum Arbeitsplatz wandelt. In der Branche selbst erwartet Peverelli eine stärkere Rolle für Insurtechs.

Drittens: Unsicherheit
2020 habe gezeigt, wie wenig Sicherheit es eigentlich gibt - in der Wirtschaft, am Arbeitsmarkt, durch Abhängigkeiten. Im Zusammenhang mit Corona komme eine nie dagewesene Fehl- und Desinformation hinzu. Sicherheit und Verlässlichkeit seien „wichtiger denn je“, schließt Peverelli. Der Risikoappetit der Konsumenten gehe zurück, das Interesse an Schutz nehme wahrscheinlich zu. Produkte und Dienstleistungen, die inklusive Versicherung verkauft werden, könnten „Mainstream“ werden.

Viertens: Empathie
Die Pandemie habe die Nachteile der Globalisierung spürbar gemacht, die Vorteile seien in letzter Zeit hingegen ausgeblendet worden; es werde wieder verstärkt auf Autarkie gesetzt. „Wir haben nicht viel internationale Solidarität und Koordinierung gesehen.“ Auf individueller Ebene seien während der Ausgangsbeschränkungen lang vernachlässigte Traditionen wiederentdeckt worden, der Wert der Familie sei wieder im Steigen.

In herausfordernden Zeiten bestehe der Wunsch nach Institutionen, die sich „kümmern“. Der Branche rät Peverelli deshalb, aktiv auf Kunden zuzugehen. „Zu zeigen, dass Sie sich kümmern, wird nicht vergessen werden.“ Empathie werde zu einem wichtigen Unterscheidungsmerkmal.

Foto: AdobeStock / Andrey Popov

 

 

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