Entscheidende Jahre für Volkswagen

Ein Hoffnungsträger für den Konzern: Der Elektro ID.3.

Stefan Riedel, München. (22.10.) Am Ende hat sich das lange Verhandeln ausgezahlt. Für 3,7 MrdUSD übernimmt Traton (ISIN: DE000TRATON7) den Bus- und Truckhersteller Navistar. Mit dieser Akquisition baut die Tochter von Volkswagen (DE0007664039) ihre Marktposition bei den Schwerlastern in den USA aus, wo bisher Daimler (DE0007100000) klar den Ton angibt. Auf dem Heimatmarkt Deutschland haben die Wolfsburger Autobauer dagegen Tesla (US88160R1014) den Kampf angesagt. 33 Mrd Euro will Volkswagen in der nach eigenem Bekunden „größten E-Offensive in der Autoindustrie“ investieren, um den Siegeszug des Platzhirschs bei den Elektroautos abzubremsen. Bis zu 75 reine Elektro-Modelle sollen bis 2029 als Serienproduktion am Standort im sächsischen Zwickau vom Band gehen. Ähnlich wie bei den konventionellen Antrieben bildet ein modularer Baukasten die technologische Basis. Den Anfang machte der Mittelklassewagen „ID.3“, von dem die ersten Modelle Mitte September ausgeliefert wurden. Mit dem „ID.4“ soll ein Elektro-SUV folgen.

VW muss hier auch in den nächsten Monaten positiven Schlagzeilen liefern, um das durch den Dieselskandal beschädigte öffentliche Image dauerhaft zu verbessern. Nach den Autokäufern und Aktionären wollen auch Anleihegläubiger auf Entschädigung klagen. Streitwert: 4 Mrd Euro. Am 25. Feber 2021 soll der Betrugsprozess gegen den ehemaligen Vorstandschef Martin Winterkorn beginnen.

Im operativen Geschäft hat Volkswagen nach dem Corona-Schock wieder in die Spur gefunden. Zum Monat Juli lag die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge nur knapp unter den Werten der Vorjahre. „Vorsichtig optimistisch ins zweite Halbjahr“ blickte das Management bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Ob und wie stark der Autobauer vor allem auf der Ertragsseite wieder Fahrt aufgenommen hat, wird das Zahlenwerk für das dritte Quartal zeigen, welches der vom Börsenwert viertgrößte DAX-Konzern am 29. Oktober präsentieren wird.

Die Volkswagen-Aktie zählt zu den günstigsten in ihrer Branche. Während Tesla auf 350 Mrd Euro Börsenwert kommt, bringt es VW auf knapp ein Fünftel davon. Aber auch gegenüber Daimler (DE0007100000) und BMW (DE0005190003) schneidet die Aktie gut ab. Mit dem 2021er-KGV von 6 sind Negativszenarien eingepreist. Und für 2022 erwarten die Analystenschätzungen ein Gewinnwachstum von 24 %. Darüber hinaus notiert die Aktie fast zur Hälfte unter ihrem Buchwert. Daimler und BMW sind mit fast 10 bzw. 9 deutlich höher bewertet. Dazu sind die Aktien dieser beiden Premiummarken zuletzt bereits gut gelaufen.

Bei Volkswagen könnten dagegen positive Ergebnisse und Verkaufszahlen den zuletzt weitgehend seitlich laufenden Aktienkurs wieder anschieben.

Foto: wikimedia / Alexander Migl

 

 

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