Worauf es in den Emerging Markets jetzt ankommt

Chinas Covid-Krisenmanagement macht das Land wieder zum interessanten Investment.

Raja Korinek. Allmählich hellen sich die wirtschaftlichen Nachrichten wieder auf. Zwar steigen die Infektionszahlen weiter an. Dennoch geht der Internationale Währungsfonds (IWF) davon aus, dass der Konjunktureinbruch heuer nun doch nicht so heftig ausfallen dürfte wie ursprünglich befürchtet. Demnach sollte die globale Konjunktur um 4,4 % anstelle von 5,2 % einbrechen. Dabei gibt es sogar Regionen, die selbst in diesem Umfeld ein Plus verzeichnen dürften. Allein für China rechnet der IWF mit einem BIP-Wachstum von 1,9 %. 2021 dürfte es bei sogar bei 8,2 % liegen.

Die Zuversicht ist freilich nachvollziehbar. Schließlich hatte das Reich der Mitte die Ausbreitung der Corona-Pandemie früh eingedämmt, weshalb auch die Wirtschaft rasch aus dem strengen Lockdown entlassen wurde. Und das hinterlässt ebenso positive Spuren auf dem Aktienmarkt in der Region, zeigt Anita Frühwald, Country Head BNP Paribas Asset Management Austria & CEE, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier auf. Dabei haben sich vor allem einige Aktien aus dem Bereich des E-Commerce als wichtige Zugpferde erwiesen. Denn auch in China hat die Pandemie den Trend zu Online-Shopping nochmals beschleunigt.

Technologie als Zugpferd
Überhaupt setzt die Wirtschaft im Reich der Mitte zunehmend auf den Einsatz moderner Technologien. „Damit wird natürlich die Produktivität erhöht“, unterstreicht Frühwald. Sie verweist auch auf die zahlreichen Stützungsmaßnahmen seitens der Regierung, die ebenso zu einer Erholung der Konjunktur beitrugen. Obendrein legten die Exporte zuletzt wieder kräftig zu, wie aus den Daten vom September hervorging.

Doch nicht alle Regionen in den Schwellenländern können auf eine derart fulminante Trendwende verweisen. „Es gibt Länder, die noch immer stark mit der Pandemie zu kämpfen haben, aber auch mit einer steigenden Schuldenlast“, erklärt die Marktexpertin.

In diesem Zusammenhang stechen etwa Indien sowie Brasilien hervor. Zu allem Überfluss seien indische Aktien inzwischen recht teuer bewertet. „Das birgt bei einem entsprechenden Investment ein zusätzliches Risiko“, mahnt Frühwald, differenziert in den Regionen vorzugehen.

Politik als Sorgenkind
Wenig optimistisch zeigt sie sich auch in Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Entwicklungen in der Türkei sowie in Argentinien. Tatsächlich stehen in beiden Ländern die enormen Staatsschulden, gepaart mit politischen Turbulenzen, im Fokus vieler Anleger: „Weitere Kursverluste sind in den Regionen nicht ausgeschlossen.“

Doch wie sehen die konkreten Marktdaten aus? Im Vergleich zu den entwickelten Ländern seien die Schwellenländer relativ günstig, konstatiert Frühwald. Sie meint, das sei zu einem guten Stück auf die insgesamt besseren wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den entwickelten Ländern zurückzuführen. Der MSCI-Emerging-Markets-Index weist derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf die kommenden zwölf Monate von rund 15,5 auf. Das Wachstum beim aggregierten Gewinn je Aktie wird derzeit auf knapp mehr als

15 % geschätzt. Im Vergleich dazu liegt das 12-Monats-KGV beim MSCI-Weltindex, der sich aus Industrienationen zusammensetzt, bei 21,22. Das geschätzte Wachstum beim Gewinn je Aktie liegt hier bei 39,91 %.

Fazit
Aufholpotential gibt es in den Schwellenländern. Dieses sollte jedoch möglichst anhand eines aktiven Managements genutzt werden, um von den unterschiedlichen Wachstumschancen geschickt zu profitieren und Turbulenzen möglichst zu glätten.

Foto: AdobeStock / gui yong nian

 

 

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