Weichenstellung für die US-Wirtschaft

Die Wahlen haben über den zukünftigen wirtschaftspolitischen Kurs entschieden.

Michael Kordovsky. Die Wirtschaftsdaten von Anfang 2017 bis Ende 2019 stellen Noch-Präsident Donald Trump kein schlechtes Zeugnis aus. In diesem Zeitraum ging die Arbeitslosenquote von 4,7 auf 3,5 % und somit den niedrigsten Stand seit Dezember 1969 zurück. Die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten stieg von 2016 bis 2019 von 123,76 auf 130,6 Mio. Die US-Wirtschaft wuchs von 2017 bis 2019 im Schnitt um 2,6 % und auch an den Aktienmärkten ging es aufwärts.

Die Schwachpunkte
Riesige Versäumnisse in der Corona-Bekämpfung erfordern jetzt radikale Maßnahmen zur Seucheneindämmung, wie einen zwischen-zeitlichen Lockdown mit Ausgangssperren. Der „President-elect“ Joe Biden hat im Gegensatz zu Trump der Pandemieeindämmung großen Stellenwert eingeräumt. Ein möglicherweise bundesweiter Lockdown nach Amtsantritt am 20. Jänner 2021 würde eine tiefe Rezession im ersten Quartal 2021 bedeuten, mit der Begleiterscheinung der höchsten Arbeitslosigkeit seit den 30er-Jahren. Der einzige alternative Lichtblick wäre eine Pflichtimpfung gegen Corona auf dem gesamten Bundesgebiet der USA. Dies setzt allerdings einen sicheren Impfstoff voraus und harte Strafen inklusive Zwangsimpfung für Impfgegner, was volkswirtschaftlich betrachtet die bessere Alternative wäre.

Biden ist allerdings positiv für die Handelspolitik. Er sollte die Sonderzölle gegen Waren aus China und jene gegen Stahl- und Aluminiumprodukte aus der EU im Zuge einer wechselseitigen Zollsenkung wieder rückgängig machen. Der globale Handel würde wieder florieren und die Beziehungen der USA zu China und der EU würden sich wieder verbessern. Gewinner wären exportorientierte Firmen aus den USA, China und vor allem der EU (insbesondere Deutschland).

Der Weg zu einer klimaneutralen Wirtschaft
Eine der ersten Amtshandlungen Bidens wird die Rückkehr zu dem von Trump gekündigten Pariser Klimaabkommen. Während Trump der Ölindustrie große Förderspielräume vor allem in Bezug auf das umstrittene Fracking gewährte, wird dies Biden stärker einschränken. Unter Trump konnte die US-Ölproduktion kräftig ausgeweitet werden von täglich 8,8 Mio Barrel Ende Dezember 2016 auf 12,9 Mio Ende Dezember 2019. Unter Biden könnte die Produktion einen kräftigen Rückwärtsgang einlegen.

Gleichzeitig könnte im Zuge eines Nuklearabkommens der Iran wieder als Lieferant auf den internationalen Ölmarkt zurückkehren. Momentan liegt die Ölproduktion des Iran bei rund 1,96 Mio Barrel pro Tag, doch nach seiner Rückkehr könnten es langfristig durch-aus mehr als 4,0 Mio werden. Dieses zusätzliche Angebot würde auf den Ölpreis drücken.

Gleichzeitig sind weltweit E-Autos und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im Vormarsch, eine Entwicklung, die Biden in den USA aktiv fördern wird, wovon vor allem grüne Energieerzeuger, der E-Auto-Gigant Tesla und jene Autofirmen profitieren werden, die wie beispielsweise General Motors und Ford relativ zügig auf eine umweltfreundliche Produktpalette umstellen.

Auf der Rohstoffseite sollten Nickel, Aluminium und diverse Batteriemetalle stärker nachgefragt werden, was einschlägige Bergbauunternehmen beflügeln könnte.

Dollarabschwächung plausibel
Entwicklungen unabhängig vom - nach allen zu erwartenden juristischen Kämpfen - endgültigen Wahlsieger wären eine expansive Geld- und Fiskalpolitik zum Ausgleich der Corona-Krise. Die Fed hat erst kürzlich ihr Stabilitätsziel mit einem Durchschnittsinflationswert aufgeweicht und wird unabhängig vom Präsidenten ihre expansive Geldpolitik fortsetzen, so lange sie es als nötig erachtet. Langfristig erscheint somit eine weitere Dollarabschwächung gegenüber dem Euro durchaus plausibel, während die Aktienmärkte durch niedrige Zinsen und Konjunkturprogramme gestützt würden.

Foto: Adobe Stock / John Anders Wiken

 

 

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