Konjunkturlokomotive China stützt Weltwirtschaft

Im Gegensatz zu vielen Ländern brummt die Wirtschaft in China wieder wie in besten Zeiten.

Michael Kordovsky. Ist es nicht eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet China, das Ursprungsland von Covid-19, das die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession schlittern lässt, bereits heuer wieder auf den Wachstumskurs zurückgekehrt ist? Nach einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 6,8 % im ersten Quartal folgte bereits im zweiten Quartal 2020 ein Wachstum von 3,2 %, das sich im dritten Quartal auf 4,9 % beschleunigte. Im September verzeichneten sogar die Einzelhandelsumsätze mit plus 3,3 % den höchsten Zuwachs in diesem Jahr. Das war besser als Volkswirte erwarteten. Ebenso über den Erwartungen lag die Industrieproduktion, die im Oktober so wie im Vormonat um 6,9 % auf Jahresbasis wuchs, während Analysten nur von 6,5 % Plus ausgingen. Die reine Güterproduktion konnte in den Monaten September und Oktober um jeweils 7,6 bzw. 7,5 % gesteigert werden. Die Minenproduktion wuchs um 2,2 bzw. 3,5 %. Die Versorger verzeichneten indessen Zuwächse von je 4,0 bzw. 4,5 %. Von 15,9 % Zuwachs im September auf 17,6 % im Oktober beschleunigte sich die Produktion von Maschinen und der Ausrüstungsbereich wuchs im Oktober um 13,1 %, während der Output von Eisenmetallen um 11,2 % gesteigert werden konnte. Das sind gleichzeitig auch Anzeichen neuer Wachstumsimpulse!

Dass sich das Wachstum im chinesischen Industriesektor deutlich beschleunigt hat, lässt sich auch daraus ablesen, dass in den ersten zehn Monaten 2018 der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lediglich bei 1,8 % liegt. Die Gesamtwirtschaft wuchs in den ersten neun Monaten um 0,7 %.

Starker Außenhandel
Der Aufschwung wird getragen von Exportzuwächsen im Bereich medizinischer Ausrüstung und Produkten rund ums Homeoffice sowie höheren Staatsausgaben, Steuererleichterungen für Firmen und Zinssenkungen für Kredite. So hat beispielsweise die Chinesische Zentralbank am 20. April ihren Leitzins um 0,20 %-Punkte auf 3,85 % gesenkt. Hinzu kommt noch der weltweit starke Onlinehandel, getragen vom Platzhirschen Amazon, der sich über ein breites Produktangebot immer mehr zu einer Drehscheibe des Handels mit China entwickelt.

Entsprechend erfreulich entwickelten sich trotz der Handelskonflikte mit den USA und daraus resultierenden wechselseitigen Strafzöllen die Handelsaktivitäten: Chinas Exporte stiegen im Oktober auf Jahresbasis um 11,4 % auf 237,18 Mrd. USD – ein Wachstum, das über den Erwartungen der Analysten lag, die lediglich von 9,3 % Plus ausgingen. Damit verzeichneten die Exporte das stärkste Wachstum der vergangenen 19 Monate. Die Importe wuchsen um 4,7 % nach 13,2 % Steigerung im September. Chinas Handelsbilanzüberschuss lag im Oktober bei 58,44 Mrd. USD nach 37 Mrd. USD im September.

Mit Chinas Aufschwung verbessert sich weltweit die Nachfrage nach Erdöl, Industriemetallen und sonstigen Industrierohstoffen. Auch die Nachfrage nach Chemikalien sollte sich beleben, wovon Unternehmen der Bereiche Bergbau und Chemie profitieren würden. Chinas Anteil am kaufkraftbereinigten globalen BIP ist von 7,3 % im Jahr 2000 bis 2019 auf 17,4 % gestiegen und sollte laut Expertenerwartungen bis zum Jahr 2025 20,6 % erreicht haben. Entsprechend gilt China als Wirtschaftsfaktor und angesichts eines vom IWF für 2020 und 2021 erwarteten BIP-Wachstums von je 1,9 bzw. 8,2 % auch als Konjunkturlokomotive.

Zusätzlich positiv kann unter einer US-Präsidentschaft Bidens noch eine stabilere und besser einschätzbare Handelspolitik zur weiteren Entwicklung beitragen. Fazit: China gilt als stützender Wirtschaftsfaktor aktuell und voraussichtlich auch im kommenden Jahr.

 

 

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