Bankaktien treten aus dem Schattendasein

Die Bankenaufsicht der EZB stimuliert Fusionen unter Finanzdienstleistern.

Roman Steinbauer. Übernahmen, Fusionen und Pleiten prägten nach der Wirtschaftskrise 2008/09 den US-Finanzsektor. Der Konzentrationsprozess führte zu einer höheren Profitabilität. Nicht so in Europa. Trotz geringer Ertragskraft hielten sich sämtliche Großinstitute über Wasser. Angesichts hoher laufender Kosten der Branche forderte nun der Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, grenzüberschreitende Verschmelzungen im Euroraum, um ein weiteres Abdriften der Banken im internationalen Wettbewerb abzuwenden. Es wurde ein vereinfachter Anforderungsleitfaden für das Agieren der Aufsicht dargelegt, zu der keine überzogene Eigenkapitalvorgaben mehr vorgesehen sind. Konsolidierungen und Neuausrichtungen im Sektor sollen vereinfacht vorangetrieben werden, um die Kosteneffizienz zu straffen. So werde der Kaufpreis einer Bank unter dem Bilanzwert des Eigenkapitals akzeptiert. Enria nach werde damit Spielraum für Investitionen in Technologie und Digitalisierung geschaffen und der Rückstand zu Übersee-Mitbewerbern verringert.

Die Wirkungsweise bremst aller-dings das Umfeld einer drohenden Zunahme der Quote für Kredit-ausfälle durch Insolvenzen, das zu Misstrauen zum Zahlenwerk in den Büchern der Mitbewerber führt. Eine hohe Anzahl an Rochaden in Vorstandsetagen und nicht einheitliche Konsumentenschutz- und Insolvenzregeln lähmen Konsolidierungen derzeit zusätzlich.

Geht die Zersplitterung einem Ende zu?
Axel Weber
skizzierte als Vorstand der UBS-Direktion in der vergangenen Woche die Lage sehr drastisch: „China und die USA sind relevante Größenmärkte in der Bankenwelt. Europa ist ein fragmentierter Markt mit 27 verschiedenen Regularien einzelner Staaten. Die Europäische Union braucht eine Vertiefung des Kapitalmarktes. Dies funktioniert aber nicht in einem fragmentierten Umfeld. Ein anorganisches Wachstum (Anm. der Red.: Konsolidierungen, Übernahmen) muss und wird kommen.“ Die UBS selbst generiere laut Weber als Multi-Akteur Wachstum in Asien und den USA. Auf Europa fokussierte Großbanken seien hingegen nicht mehr in der Lage, Dividenden zu zahlen oder Aktienrückkäufe zu tätigen.

Breit angesprungene Notizen
Aktien des Finanzsegments hinkten anderen Branchen über Jahre hinweg nach. Jüngst gaben diese aber erstmals wieder ein kräftiges Lebenszeichen von sich. So zog der „F.A.Z. Banken-Index“ (ISIN: DE000SLA3AA7) seit November des Vorjahres um mehr als 20 % an. An vorderster Front erlangten Notizen der UBS-Valoren (CH0244767585) Aufmerksamkeit. Noch im ersten Quartal visiert das Institut für Privat- und Firmenkunden als globaler Vermögensverwalter und eidgenössischer Marktführer im Private Banking an, jede fünfte Filiale auf dem Heimatmarkt zu schließen. Dies, nachdem die Credit Suisse (CH0012138530) bereits 2020 für ein Viertel der Standorte ein Ende in Aussicht stellte. Turbulenzen um die UBS Group zu Gerüchten einer Anklage in den Niederlanden gegen CEO Ralph Hamers beeinträchtigten den neuen Trend der Aktie bisher nicht.

Unter den Universalbanken mit den Sparten Versicherungen, Immobilien und Leasinggeschäfte stach im letzten Quartal bereits die Wertpapier-Performance der in 30 Länder vertretenen BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, ES0113211835) mit +60 % hervor. Auch Anleger der HSBC (GB00054052 86) und der Société Générale (FR0000130809) spürten bereits im vergangenen Herbst mit +30 % Aufwind. Zudem erklommen zuletzt Papiere der Deutschen Bank (DE0005140008) und der BNP Paribas (FR0000131104) den höchsten Stand seit elf Monaten.

Foto: Pixabay / TobiasRehbein

 

 

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