Ist Wasserstoff heiß gelaufen?

Trotz des anhaltenden Hypes warnen Experten vor unreflektierten Zukäufen.

Patrick Baldia. Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein auf dem Weg in eine CO2-freie Zukunft. Vorausgesetzt, der Strom mit dem Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird, kommt aus erneuerbaren Energiequellen. Mithilfe von Brennstoffzellen kann der gespeicherte grüne Wasserstoff beispielsweise in Fahrzeugen in elektrische Energie umgewandelt werden. Zu den weiteren Einsatzmöglichkeiten gehört auch die Industrie. In der Stahlindustrie soll etwa Wasserstoff Koks ersetzen und eine klimafreundliche Produktion ermöglichen.

Die Aktienkurse von einschlägigen Playern sind in der Vergangenheit regelrecht durch den Plafond geschossen. So hat etwa das Papier des US-Brennstoffzellenherstellers Plug Power über die vergangenen zwölf Monate ein Plus von rund 1.000 % (!) zu Buche stehen. Sehen lassen kann sich mit +570 bzw. +505 % auch die Aktienkursperformance des US-Konkurrenten FuelCell Energy und der britischen ITM Power. Aber auch die Kursentwicklung auf Einjahressicht der Papiere von Ceres Power (+410 %), Nel Asa (+280 %), Ballard Power (+210 %) und PowerCell (+140 %) hat Aktionärsherzen höherschlagen lassen.

Angesichts der imposanten Rallye, die im Übrigen bei einigen Papieren schon seit einigen Jahren anhält, stellt sich die Frage, ob das Thema nicht mittlerweile zu heiß gelaufen ist. Für die Experten der Bank of America (BofA) ist das starke Investoreninteresse an dem erneuerbaren Energieträger gerechtfertigt, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht. Laut Haim Israel, Head of Thematic Investing Strategy bei BofA Global Research, birgt grüner Wasserstoff – gemeinsam mit erneuerbarer Elektrizität – die Chance, die CO2-Emissionen der globalen Wirtschaft bis 2050 auf null zu reduzieren.

Israel spricht von einer „notwendigen Energierevolution“. So könne grüner Wasserstoff bis 2030 bis zu 24 % unseres Energiebedarfs abdecken. Gleichzeitig könnten einschlägige Industrien bis 2050 2,5 BioUSD pro Jahr umsetzen. Insgesamt wären mit der Transition hin zu grünem Wasserstoff Infrastruktur-Investitionsmöglichkeiten von rund 11 BioUSD verbunden.

Dass die Produktionskosten von grünem Wasserstoff, die derzeit bei 3 bis 7 USD pro kg liegen – bei Wasserstoff, der mit fossilen Energieträgern hergestellt wird, sind es 1 USD pro kg – bis 2050 auf 1 bis 2 USD sinken könnten, führt der BofA-Experte auf drei Faktoren zurück: Erstens wären die Kosten, die zur Wasserstoff-Herstellung benötigt werden, in den vergangenen fünf Jahren um 50 % gesunken – in den kommenden zehn Jahren sollen sie weiter um bis zu 90 % zurückgehen. Zweitens würden mit weiteren technischen Fortschritten weitere Kostensenkungen einhergehen. Dazu kommen ambitionierte politische Maßnahmen wie der Green Deal der EU, die ein Katalysator für weitere Innovationen und Kostensenkungen sein sollten.

So gut die Aussichten für den Markt auch sein mögen, von unreflektierten Zukäufen ist dennoch abzuraten. So verweisen etwa Experten darauf, dass vor allem viele kleinere Player noch keine Gewinne schreiben. Wer Kursanstiege angesichts des aktuellen Newsflows oder Analysteneinschätzungen des betreffenden Unternehmens für zu rasant hält, könnte zwischenzeitliche Rücksetzer für einen Einstieg nutzen. Eine Möglichkeit stellt auch ein Zertifikat von Morgan Stanley, das die tägliche Entwicklung des E-Mobilität Wasserstoff Index (ISIN: DE000SLA8F83) des Indexanbieters Solactive abbildet, dar. 2020 verzeichnete dieser ein Plus von 200 %.

Foto: AdobeStock / AA+W

 

 

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