„Missverstandenes Japan“

Comgest-Fondsmanager Richard Kaye stellt spannende Nippon-Aktien vor.

Harald Kolerus. Von westlichen Anlegern wird das „Land der aufgehenden Sonne“ oft übersehen. Das hat unterschiedliche Ursachen: So erscheint die japanische Kultur fremd und sehr weit entfernt. Außerdem ist man bei der konjunkturellen Entwicklung hinter andere große Volkswirtschaften zurückgefallen.

Konjunktur: Nicht hervorragend
Japans BIP ist, natürlich bedingt durch die Covid-Pandemie, 2020 um 5,5 % geschrumpft, 2021 soll es wieder um eher bescheidene 2,7 % zulegen. Die USA sind hier schon etwas besser aufgestellt: 2020 schlägt ein Minus 4,6 % zu Buche, für heuer wird ein Plus von 3,7 % prognostiziert. Die Euro-Zone weist für das vergangene Jahr wiederum ein starkes Minus von 7,9 % auf, dafür soll das BIP 2021 um immerhin 4,3 % wachsen (alle Daten laut Wifo).

Dennoch wäre es laut Richard Kaye ein Fehler, Japan nicht die angemessene Beachtung zu schenken. Kaye ist Fondsmanager im Japan-Team von Comgest und zeichnet für das Management des „Comgest Growth Japan“ (ISIN: IE0004767087) mitverantwortlich. In einer Web-Präsentation meinte er, dass Japan vielleicht nicht über die spannendste konjunkturelle Entwicklung verfügen würde, dafür aber „hervorragende Unternehmen“ aufweisen könne: „Japan ist unter den großen Märkten die am stärksten missverstandene Anlageregion rund um den Globus.“ Das liege nicht zuletzt daran, dass das Land von internationalen Analysten fast schon sträflich vernachlässigt wird.

Ein anschaulicher Vergleich: Durchschnittlich werden Schätzungen zufolge Aktien in japanischen Indizes von nur sieben Analysten verfolgt; US-Titel werden hingegen im Schnitt von mehr als 40 Analysten gecovert. Kaye: „Das eröffnet uns als aktiven Fondsmanagern die Möglichkeit, Anlagechancen zu finden, bevor das der Markt tut.

Die Auswahl ist groß: Rund 3.700 Unternehmen sind an der Tokyo Stock Exchange gelistet.“ Bei der Titelselektion wird, wie immer bei Comgest, auf Qualitätswachstum als Sektionskriterium größter Wert gelegt.

Spannende Aktien
Der Fondsmanager gewährte uns bei der Präsentation auch Einblick in sein Portfolio. Ein attraktiver Titel sei etwa Recruit (JP3970300004). Kaye führte weiter aus: „In Japan wollen wir in starke gesellschaftliche Wandlungen investieren, z.B. am Arbeitsmarkt, wo immer mehr Frauen Fuß fassen. Auch lässt Japan zunehmend mehr Gastarbeiter ins Land, weil das heimische Arbeitskräfteangebot zurückgeht. Recruit ist nun eines der ältesten sowie größten Human Resources-Unternehmen Japans und ist in der Umsetzung dieser Trends sehr aktiv.“

Schlechte Ernährung, gutes Geschäft
Ein schon länger feststellbarer Trend ist eine gewisse „Verwestlichung“ Japans in einigen Lebensbereichen. Das betrifft z.B. die Ernährung, die sich dem Westen anpasst und dadurch nicht gerade gesünder geworden ist. Die Diabetes-Rate ist gestiegen. Davon können Unternehmen wie Sysmex (JP3351100007) profitieren, ein weltweit führender Spezialist für Blutuntersuchungen. Er steht für effektive und gleichzeitig kostengünstige Tests. Weitere attraktive Titel im Portfolio des „Comgest Growth Japan Fund“ sind (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Obic, Daikin, Fanuc, Pigeon oder PPIH.

Buffett „kauft“ Japan
Spannend ist auch, dass Börsen-Guru und Langzeit-Investor Warren Buffett im vergangenen September massiv in den japanischen Markt eingestiegen ist. Eine Entscheidung, für die er sich dem Vernehmen nach 15 Jahre Zeit gelassen hat. Jetzt schien der richtige Zeitpunkt gekommen.

Ansonsten weisen die Japaner selbst einen starken Heimatbezug auf: Soll heißen, dass sie überwiegend im eigenen Aktienmarkt veranlagen. Vor allem bei institutionellen japanischen Investoren war diese Tendenz in den vergangenen Jahren wieder vermehrt auszumachen, was zu einem starken Momentum für den Nikkei führte.

Foto: Pixabay / cegoh

 

 

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