Politisch korrektes Glitzern

Ethik im Handel mit Edelsteinen wird heute vorausgesetzt.

Rudolf Preyer. Adam Sandler hetzt als Juwelier Howard Ratner im via Netflix streambaren Drama „Der schwarze Diamant“ (2019) von einem halsbrecherischen Deal zum nächsten: Der Diamond District von Manhattan ist in Aufruhr, weil der Adrenalinjunkie einen wertvollen schwarzen Opal auf nicht ganz koschere Weise aus den Diamantminen Äthiopiens in die USA hat einschmuggeln lassen. Denkbar ist das auch in unseren Breiten – heute ist Käufern aber bewusst, dass sie es sind, die die moralischen Standards setzen.

Ethik im Edelsteinhandel
Beim Abbau und Handel von Edelsteinen verhält es sich wie mit der Nachhaltigkeit: Ehemals Nice-to-have, wandelt sich der politisch korrekte Standort immer mehr zu einem Must-have. Beim Händler die einzelnen Stationen entlang der Verwertungskette abzufragen, signalisiert gewiss Interesse – von Vorteil ist es jedenfalls, das „1×1 der Ethik im Edelsteinhandel“ schon vorneweg zu beherrschen.

So stellt ein seriöser Händler stets (ungefragt) ein Gutachten eines unabhängigen gemmologischen Instituts zur Verfügung. Dieses dient als Echtheitszertifikat für den internationalen Markt. Die diesbezügliche versicherungstechnische Fußnote: Dieses Zertifikat gehört von den Edelsteinen getrennt aufbewahrt.

Zu den Basics gehört laut Thomas Schröck, dem Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter von The Natural Gem, auch das Wissen um vertrauenswürdige Herstellerländer: Staaten wie Sri Lanka, Mozambique oder Myanmar haben den großmaschinellen Abbau von Edelsteinen verboten. Fundstellen werden stattdessen an einheimische Familien verpachtet.

Schröck erklärt, dass es „vergleichsweise einfach ist, für Steine aus Sri Lanka die Einhaltung von ESG-Kriterien nachzuweisen“. So wurde beispielsweise Kinderarbeit verboten – wie auch in Sambia und Mozambique. Allerdings: Seit der Norden von Mozambique von Islamisten heimgesucht wird, fällt das Land als Lieferant unter ESG-Gesichtspunkten aus. Ähnlich ist es um Myanmar bestellt: Ankäufe aus dem Land sind im Grunde wegen der Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya nicht zu vertreten.

Das vor rund 20 Jahren begründete Kimberley-Prozess-Zertifizierungssystem (KPCS) haben heute 82 Staaten ratifiziert. Dennoch liegt die Umsetzung auf nationaler Ebene – Experten gehen davon aus, dass heute etwa ein Viertel der Rohdiamanten als „Konflikt- bzw. Blutdiamanten“ gelten müssen.

Vorbild Sri Lanka
In der Inselnation südlich von Indien findet ausschließlich der sogenannte „sekundäre Abbau“ statt: das heißt, dass das Gebirge, in dem die Edelsteine entstanden sind, von der Natur bereits abgebaut wurde und dass die Edelsteine nunmehr im Lehm früherer Flüsse abgelagert sind. Diese Lehmschichten werden von Männerhand abgetragen, da es sich um schwere körperliche Arbeit handelt. Kinder sind daher auf Sri Lanka in aller Regel nicht am Abbauort anzutreffen.

Die Arbeitszeit reicht zumeist von 9 bis 15.30 Uhr. Der Grund dafür: Im tropischen Abendlicht können Edelsteine optisch nicht mehr von umgebenden Kieselsteinen unterschieden werden.

Gemeinhin ist der Abbaubetreiber auf der Insel auch für das Wohlergehen seiner Mitarbeiter und deren Familien verantwortlich. Er zahlt meist deren Arzt- und Krankenhausrechnungen und stellt auch eine Pensionskasse zur Verfügung. Im Durchschnitt beträgt der Monatslohn eines Arbeiters im Edelsteinabbau das Doppelte des Durchschnittsgehalts in Sri Lanka. Junge Männer sehen sich folglich in der Lage zu heiraten, eine Familie zu gründen und ein Eigenheim zu errichten.

Die Regierung von Sri Lanka hat außerdem vor Längerem verfügt, dass alle gefundenen Edelsteine im Land geschliffen werden müssen, um die Wertschöpfungskette zu verlängern. Außerdem wurde mit dem Ceylon Gem Lab (CGL) ein integres gemmologisches Labor eingerichtet, so Schröck, der seit 30 Jahren im internationalen Edelsteinhandel tätig ist, zum Börsen-Kurier. Mit The Natural Gem vertraut er seinen langjährigen Kontakten vor Ort und versichert, dass die gezielte Investition in Edelsteine auch unter moralischen ESG-Nachhaltigkeitskriterien standhält.

Foto: Pixabay / Peter-Lomas

 

 

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