Sind Telekomaktien die nächsten Tech-Stars?

Bei DNB Asset Management sieht man vor allem in Europa großes Aufholpotenzial.

Raja Korinek. Der Technologiesektor steht schon länger im Rampenlicht, schon allein, da viele solcher Unternehmen zu den Gewinnern der Corona-Pandemie zählen, etwa mit Clouddiensten oder dem Onlinehandel. Doch es gibt einen weiteren Tech-Bereich, der bislang weniger Aufmerksamkeit erhalten hat: der Telekommunikationssektor. Genau diesen hat der „DNB Fund – Technology“ (ISIN: LU0302296495) verstärkt im Fokus. Im Gespräch mit dem Börsen-Kurier blickt Mike Judith, Leiter des internationalen Vertriebs bei DNB Asset Management, auf die Geschehnisse vor knapp mehr als einem Jahr zurück. Da habe man eine Übergewichtung von niedrig bewerteten Aktien aufgebaut, bei denen man einen positiven Wachstumsausblick sah. Daraus resultierte auch die relativ hohe Gewichtung an Telekom-Aktien.

Europas „Telcos“ im Fokus
Dazu zählen vor allem Titel wie Vodafone (GB00BH4HKS39), Deutsche Telekom (DE0005557508) und Orange (FR0000133308). Sie hätten zudem die Krise gut überstanden, es habe nur bescheidene Änderungen bei den Schätzungen für den Gewinn je Aktie gegeben. Trotzdem lieferten die Aktien nicht die erwartete Wertentwicklung, konstatiert Judith. Er meint dennoch, „unsere hohe Überzeugung in Bezug auf Telekommunikationswerte bleibt bestehen“. Immerhin stelle die Branche eine wichtige Infrastruktur zur Verfügung, während die Konzerne aus betriebswirtschaftlicher Sicht stabile Erträge lieferten.

Obendrein habe die Krise die Bedeutung gut funktionierender Telekommunikationsnetze hervorgehoben, „was unserer Meinung nach als Katalysator für die EU wirken könnte, eine Konsolidierung der Betreiber in Europa zuzulassen“, meint der DNB-Experte. Schließlich führe eine Konsolidierung zu dichteren Netzen, höheren Kapitalerträgen und mehr Anreizen, die Netze durch Investitionen weiter zu verbessern. Diese Art der Konsolidierung habe man bereits in den USA gesehen. „Den Sektor-Aktien hat sie erheblich genützt.“

Schmerzen die Roaming-Ausfälle?
Doch wie sieht es mit Roaming-Gebühren aus? Sie sind aufgrund der Lockdowns, vor allem in Europa, teils kräftig weggebrochen. Judith will die Entwicklung aber nicht überbewerten. Denn im Schnitt machten Roaming-Umsätze nur 1 bis 2 % der Betreibereinnahmen in Europa aus. Einzig, Betreiber in Ländern, die sehr stark vom Tourismus abhängig sind, wie Griechenland, Portugal und Spanien, würden tendenziell stärker betroffen sein.

Der Fonds ist aber nicht nur in Telekomaktien investiert. Auch andere Technologietitel, wie etwa Alphabet und Microsoft sind Teil des Portfolios, jene Titel, die bereits schöne Kurszuwächse verzeichnet haben. Droht eine Blase? Judith meint, 2020 sei klar geworden, dass die Tech-Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Weltwirtschaft spielen. Auf relativer Basis hat es Sinn, dass die Technologiebranche den breiteren Markt anführt. Doch auch die extrem tiefen Zinsen beflügelten Wachstumsaktien, zu denen viele Titel aus der Tech-Branche zählen. Doch einige der Kurszuwächse seien inzwischen überschwänglich, findet Judith.

Essenszusteller sind gefragt
Und dann gibt es noch weitere Trends, etwa die Essenszustellung. „Der Alltag wird immer hektischer. Consumer-Tech-Unternehmen, die helfen, Zeit zu sparen, werden weiterhin profitieren“, sagt Judith. Deshalb liegt ein weiterer Fokus im Fonds auf Aktien wie etwa Just Eat Takeaway (NL0012015705). Das zeigt auch, wie wichtig eine breite Streuung in dieser dynamischen Branche ist.

Foto: AdobeStock / sdecoret

 

 

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