Bitcoin: Warum die zwölf Jahre alte Spekulationsblase gefährlicher ist als je zuvor
Eine kritische Analyse der Kryptowährung von Willem H. Buiter von der Columbia University.
Einordnung: Vom Nischenprojekt zur globalen Spekulationswelle
Bitcoin wurde 2008 entwickelt und startete 2009 in den Handel. Bereits 2010 explodierte der Kurs von wenigen Hundertsteln eines US‑Cents auf acht Cents. 2011 stieg der Preis auf 67 Cents und erreichte bis 2015 rund 327 USD. Noch im März des Vorjahres lag der Bitcoin bei etwa 6.200 USD – heute notiert er mehr als siebenmal so hoch. Für viele Ökonomen ist Bitcoin damit eine klassische Spekulationsblase, nur zwölf Jahre alt, aber extrem aufgebläht.
Kein innerer Wert: Warum Bitcoin ein rein spekulativer Vermögenswert bleibt
Im Gegensatz zu Gold, das historisch als Rohstoff und Schmuckmetall genutzt wurde, besitzt Bitcoin keinen inneren Wert. Er ist eine private Fiatwährung, deren Preis ausschließlich durch Marktstimmung entsteht. Damit ist Bitcoin ein Luxusobjekt – allerdings eines, das enorme reale Kosten verursacht.
Hohe Mining-Kosten: Ein verschwenderisches System
Das energieintensive Mining begrenzt das Bitcoin‑Angebot auf 21 Millionen Einheiten. Selbst wenn das Protokoll unverändert bleibt, können neue Kryptowährungen wie „Bitcoin 2“ oder „Bitcoin 3“ jederzeit entstehen – inklusive der gleichen ökologischen und ökonomischen Kosten. Parallel existieren bereits etablierte Alternativen wie Ethereum, die das Spekulationsuniversum weiter ausdehnen.
Fiatwährungen vs. Kryptowährungen: Parallelen und Risiken
Auch staatliche Fiatwährungen können theoretisch wertlos werden – Hyperinflationen wie in der Weimarer Republik, Venezuela oder Simbabwe zeigen das. Doch im Normalfall bewegen sich staatliche Währungen in einem fundamentalen Gleichgewicht, während private Kryptowährungen wie Bitcoin eine unendliche Spannbreite möglicher Preisgleichgewichte aufweisen – inklusive des Nullpreises.
Explosives Preisgleichgewicht: Warum Bitcoin extrem riskant bleibt
Der aktuelle Bitcoin‑Kurs zeigt kein stabiles Gleichgewicht, sondern ein explosives, nicht fundamentales Preisgleichgewicht. Das bedeutet:
- Der Kurs kann theoretisch in ein stabiles Gleichgewicht übergehen
- oder vollständig kollabieren
- oder weiter irrational steigen
Für Anleger ohne hohe Risikotoleranz ist das ein gefährliches Umfeld.
Markteinfluss: Wie einzelne Akteure den Bitcoin‑Preis verzerren
Der Kauf von 1,5 Mrd. USD in Bitcoin durch Tesla im Januar löste einen weiteren Preissprung von rund 10 % aus. Doch derselbe Mechanismus funktioniert auch umgekehrt: Ein großer Verkäufer könnte den Markt ebenso schnell nach unten reißen. Bitcoin bleibt damit anfällig für Meinungseffekte, Herdentrieb und Marktmanipulation.
Extreme Volatilität: Warum Bitcoin kein stabiler Wertspeicher ist
Die Kursbewegungen erinnern an irrationale Marktphasen wie den GameStop‑Hype. Ohne fundamentalen Wertanker bleibt Bitcoin ein Lehrbuchbeispiel für exzessive Volatilität. Sein Marktwert kann jederzeit „alles oder nichts“ sein.
Fazit: Bitcoin ist ein Hochrisiko‑Asset ohne Wertbasis
Bitcoin ist ein Vermögenswert ohne inneren Wert, dessen Preis jederzeit kollabieren kann. Nur Anleger mit hoher Risikobereitschaft und der Fähigkeit, große Verluste zu verkraften, sollten Bitcoin überhaupt in Betracht ziehen. Denn gerade hier gilt:
Aus dem Englischen sinngemäß von Jan Doolan, Copyright: Project Syndicate
Foto: Pixabay / Leamsii
