Green Washing bei Bonds

Nicht alle grünen Anleihen sind von nachhaltigen Emittenten.

Julia Kistner. Anleihen sind aktuell nicht unbedingt die Assetklasse, in die man investiert sein muss. Das meinte zuletzt auch die Investmentgröße Warren Buffett. Mit offensichtlich einer Ausnahme: Green Bonds. „Bislang wurden knapp mehr als 1 Bio Euro an Green Bonds emittiert; allein im vergangenen Jahr waren es 300 Mrd Euro“, berichtet Dieter Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen KAG, gegenüber dem Börsen-Kurier. Und: „Die Nachfrage nach Green Bonds steigt sogar noch stärker als das Angebot und das wird in den nächsten Jahren so weiter gehen. Unsere Favoriten sind Bereiche, die den größten Impact auf das Klima haben. Dazu zählen vor allem Emissionen im Bereich ‚Erneuerbare Energien‘ sowie Versorger und Banken, die Projekte unterstützen und finanzieren, die beispielsweise die Steigerung der Energieeffizienz, eine saubere Mobilität oder energieeffiziente Gebäude fördern.“ Ein grüner Wachstumsmotor sollten auch die internationalen Investitionsprogramme wie der „EU-Green Deal“ und angedachte Infrastrukturpakete sein.

Der Markt für grüne Anleihen hat sich in nur fünf Jahren versechsfacht. Das rasche Wachstum locke aber leider auch schwarze Schafe und Anleger liefen Gefahr, Opfer von Green Washing zu werden, warnt James Rich, Senior Portfolio Manager bei Aegon Asset Management. „Die Gefahr gibt es, weil es nach wie vor unterschiedliche Ansichten zum nachhaltigen positiven Impact von Projekten, auch in Abhängigkeit von der Branche gibt“, meint dazu Aigner, „wichtig ist, auf Standards zu achten, wie zum Beispiel die ‚Green Bond Principles‘ der ‚International Capital Market Association‘ ISMA, und diese auch durch externe Agenturen bestätigen zu lassen. Insgesamt sind die Standards noch ausbaufähig und es wäre gut, wenn das Thema politisch auch seitens der EU noch stärker besetzt würde. Wobei hier schon eine positive Entwicklung eingeleitet wurde.“

Die Hintergründe
Der Anreiz für unseriöses Greenwashing liegt auf der Hand: „Mit einem grünen Bondlabel verschafft man sich Zugang zu Finanzierungen, die derzeit durchschnittlich fünf Basispunkte günstiger sind“, so Rich.

Das bestätigt auch Raiffeisen-Mann Aigner und verweist auch auf die hohen Preise am Sekundärmarkt: „Die meisten Green Bonds sind am Primärmarkt deutlich überzeichnet und handeln danach am Sekundärmarkt zumeist teurer als die Zinskurve des Emittenten implizieren würde.“ Ein weiterer Vorteil für Emittenten grüner Bonds sind die längeren Laufzeiten, wodurch sie sich nicht so oft refinanzieren müssen. Die Laufzeit liegt im Schnitt bei etwas unter acht Jahren, verglichen mit 7,2 Jahren bei globalen Investment-Grade-Unternehmensanleihen.

Genau hinschauen
Wer schon bei Green Bonds eine niedrigere Verzinsung akzeptiert, sollte zumindest das bekommen, was draufsteht: Festverzinsliche Wertpapiere, die dazu dienen, Umwelt- bzw. Klimaschäden zu finanzieren. Das gleiche sollte auch für Social und Sustainable Bonds gelten, fordert Rich auch hier mehr Transparenz und mehr Informationen für die Anleger ein. Er rät Anlegern, sich mit Green Bonds und dem dazu gehörigen Reporting sehr sorgfältig zu befassen: „Vor allem muss man darauf achten, dass es sich nicht um Anleihen handelt, die beispielsweise eine spezielles Filteranlagen-Projekt eines Unternehmens finanzieren, das ansonsten alles andere als umweltfreundlich agiert.“

Foto: AdobeStock / Fotoschlick

 

 

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